4 Wölfe · Leseempfehlung · Rezension

“Zirkuslichter” – Hiroki Jäger

©Klappentext, Cover & Zitat: Hiroki Jäger

 

Ebook: 4,99 / Taschenbuch: 13,99

Seitenzahl: 438

Verlag: Selfpublished

Release: 8. Juli 2022

Genre: Romance, Contemporary, Coming of Age, Coming out

 

Klappentext:

Dale & Emil
Dale ist tätowiert, laut und grob – alles an ihm ist sowohl Warnung als auch Schutz – niemand soll ihm zu nahe kommen. Und trotzdem ist da Emil, sein bester Freund, für den er schon seit langem Gefühle hegt.
Doch während Emil von einem Leben in der High Society träumt, liebt Dale den Zirkus und kann nicht nachempfinden, warum Emil alles hinter sich lassen möchte. Es scheint, als würde nie etwas aus den beiden werden, bis Emil Dale plötzlich auffordert, ihn zu küssen.
Ein Kuss, der Dale so viel bedeutet und ein Kuss, der ihn bitterlich enttäuscht, weil er offensichtlich nicht der Einzige mit einem Geheimnis ist.

Arne & Ben
Arne lebt seit seinen Depressionen und Panikattacken in einem Therapiezentrum. Aber er möchte sich ändern und nimmt es selbst in die Hand, seinen großen Bruder Dale beim Zirkus zu besuchen. Dort lernt er Ben, den Feuertänzer, kennen, der nicht nur als Weiberheld, sondern auch für seine Drogenexzesse bekannt ist.
Während Dale Ben schon lange kennt und hasst, versucht der Feuertänzer Arnes Herz zu erobern. Zwischen den beiden gibt es sofort eine unerklärliche Anziehungskraft, doch wie ehrlich sind Bens Intentionen? Und wie wird er damit umgehen, wenn er von Arnes Asexualität und seiner mentalen Gesundheit erfährt?

Der Beginn einer Reihe über Träume, Freundschaft und Liebe.

Zitat:

“Wenn Dale an jemanden Interesse hätte, wüsste ich das schließlich als Allererstes.”
“Während mein Brustkorb mein Herz kaum in sich behalten kann, neigt Dale den Kopf seitlich und verschließt unsere Lippen miteinander.”
“Ich weiß, wenn ich strauchle, ist Dale da. Ich weiß, wir könnten uns eine Zukunft ausmalen, die uns beiden gefallen wird.”

Eigene Meinung:

Dale und Emil arbeiten beide beim Zirkus, doch während Dale mit seinem Leben dort zufrieden ist, wünscht sich Emil endlich zu den Reichen zu gehören. Angesehen und akzeptiert, so wie er nun mal ist und das müssen sie einfach, wenn er Geld hat. Der tättowierte Dale ist laut und grob, Warnung und Schutz zugleich, nur Emil scheint gut hinter diese Fassade blicken zu können. Emil und Dales Bruder Arnhe, von dem kein anderer etwas weiß. Arne, der mit seinen Depressionen und Panikattacken in einem Therapiezentrum lebt. Doch er hat keine Lust mehr, sich immer zu verstecken, er möchte zu dem Zirkus in dem sein Bruder arbeitet. Dort trifft er auf den Feuertänzer Ben. Ein Weiberheld und der mehr für seine Drogenexzesse bekannt ist. Doch während Ben von Dale nur gehasst wird, lernt Arne den echten Ben kennen und doch, die Gefühle spielen  zwar verrückt aber wie geht Ben mit Arnes mentaler Gesundheit um und wie sehr schreckt ihn dessen Asexualität ab?

Unterdrückte, schwer kontrollierbare Wut, Überfürsorglichkeit, Depressionen, Panikattacken, Selbstzweifel, der Wunsch irgendwo dazu zu gehören und dass man so akzeptiert wird, wie man ist, dass man nicht ständig belächelt wird, weil man in einem Zirkus arbeitet, das Gefühl nicht gut genug zu sein, Asexualität, noch nicht geoutet, vergangene Drogenexzesse, Prügeleien und vieles vieles mehr. Auf der einen Seite ein interessantes und auch spannendes Sammelsurium von negativen Erfahrungen und Einflüsse im Leben, so viele unterschiedliche Meinungen, Schwächen, Stärken, Wünsche, Sehnsüchte, Träume und Vorstellungen vom Leben treffen aufeinander. Aber auf der anderen Seite manchmal auch einfach zu viel.

Dale, Emil, Arne und Ben sind eine bunte Mischung an Menschen, die zeigen, mit was sich ein jeder von ihnen auseinander setzen muss, auch wenn er dies manchmal gar nicht will. Natürlich jeder hat Schwächen und Stärken aber in diesem Buch hat jeder der vier sehr prägende und präsente Charaktermerkmale, die manchmal einfach zu viel sind, hin und wieder wäre es schön gewesen, beim Lesen durchzuatmen. Klar kann man jetzt sagen, dass es schwierig ist auch im echten Leben durchzuatmen aber dafür lese ich ja Bücher, um abzuschalten. Doch gleichzeitig verfolgte ich die vier jungen Männer so gerne, das Buch ließ sich schwer aus der Hand legen.

Die gesamte Atmosphäre rund um den Zirkus war schon lesenswert. Ich hatte das Gefühl, selbst vor Ort zu sein, den Rummel zu erleben, das Popcorn zu riechen und die Menschen zu hören, wie sie miteinander reden, jubeln und sich begeistern lassen. Immer war etwas los auf dem Zirkusplatz, außer spät in der Nacht, da ruhten alle, selbst die Tiere. Es wurde eine fesselnde Stimmung erzeugt und ich hab mir gewünscht, selbst dort zu sein, was ich ja so gesehen sogar war.

Die Charaktere sind jeder auf seine eigene Art eine fesselnde Persönlichkeit. Emil ist sein größter Kritiker, er will zur High Society gehören und spart schon lange dafür. Er möchte anerkannt werden. Er weiß einfach nicht, woher er kommt, an seine Eltern hat er keine Erinnerungen. Ich mag ihn und irgendwie auch nicht, aber das geht mir bei allen Charakteren so. Emil fühlt sich hin und her gerissen, er möchte reich sein und gleichzeitig muss er festellen, dass Geld allein nicht glücklich macht und als m,an denkt, er kriegt die Kurve und erkennt, dass er doch schon PErsonen um sich herum hat, die ihn so anerkennen, wie er ist, beharrt er dennoch darauf, seinen Wunsch nicht aufgeben zu wollen, denn er will von allen akzeptiert werden. Er überträgt seinen Wunsch auf andere, zumindest versucht er es, er möchte mehr aus seinem Leben machen und er versteht nicht, warum es Menschen gibt, die zufrieden mit dem sind, was sie haben und sind.
Dale kann ich da durchaus verstehen, der ihn fragt, ob er selbst denn dann nicht gut genug für Emil ist. Zumal Dale mit seiner Arbeit beim Zirkus ziemlich zufrieden ist. Ihn quält eher die Sorge um seinen Bruder, vieles macht ihn schnell wütend und er flucht sehr gerne. Er ist ein Beschützer und für die Menschen, die ihm wichtig sind, würde er Berge versetzen. Seine Sorge um seinen Bruder empfinde manchmal selbst ich als anstrengend, weil Arne teilweise nichts alleine entscheiden darf.
Arne leidet unter Depressionen und Panikattacken und ist ein wirklich liebenswertes Kerlchen mit seinen Obst-und Gemüsemützen. Er ist zwar einerseits gebrochen aber dann auch wieder lebensfroh und begeistert sich schnell für die kleinen Dinge im Leben. Er will seine Krankheit überwinden aber es wird realistisch erzählt, dass es gar nicht so einfach ist, es gibt nicht die Wunderheilung, nicht das Patentrezept, um sich schnell von all dem zu lösen. Er kann unbedarft und kindisch sein, aber auch mutig und dann wieder ängstlich und beinahe selbstzerstörerisch.
Ben scheint seine komplexe und belastende Vergangenheit größtenteils hinter sich gelassen zu haben. Er ist der Erzfeind von Dale und die beiden machen es sich anfangs ziemlich schwer, miteinander klar zu kommen, doch Emil und Arne lassen ihnen irgendwie keine Wahl. Ben hat ein großes Herz, was man anfangs gar nicht für möglich hielt. Er möchte einfach diesen einen Partner für sich finden, diesen einen besonderen Menschen. Allerdings blieb er bis jetzt am schwächsten von seiner Präsenz, er hat nur wenige eigene Auftritte.
Alle vier Charaktere sind auf ihre Art in ihren Wesenszügen ein wenig to much aber dennoch begleitet man sie gerne und sie nehmen einen mit in ihre Welt. Für mich sind es einfach zu viele charakterstarke Protagonisten auf einem Haufen, dennoch bringen sie auch trotz der teils schweren Thematiken Hoffnung und Lebensfreude in die Geschichte, ohne dass es dabei gekünstelt oder unecht wirkt. Sie sind halt eigen aber auch unglaublich authentisch.

Ich kann den nächsten Band kaum erwarten. Es endet nicht wirklich mit einem Cliffhänger, dennoch, die Frage bleibt offen, wie Emil sich mit seinem Wunsch und seinen Gefühlen zu Dale auseinandersetzt. Wie geht es mit Ben und Arne weiter. Was wird man noch über die vier erfahren, vielleicht auch noch ein wenig mehr über ihre Vergangenheiten, da hat man leider bisher nur am meisten bei Dale und Arne erfahren. Wie gesagt Ben blieb leider ein wenig blass im Gegensatz zu den Anderen. Der Fokus scheint auf Emil und Dale gelegt zu sein. Ihre Freundschaft, ihre Gefühle zueinander, ihre Wünsche und ihre Ziele. Sie suchen alle ihren Weg, sowohl alleine aber auch gemeinsam, als Paar, als Freunde. Der Weg ist lang, das Ziel nicht klar und am Ende des Buches noch lange nicht gefunden.

Fazit:

“Zirkuslichter” handelt von vier außergwöhnlichen jungen Männern, deren Wege sich alle miteinander verzweigen und verbinden und doch jeder seinen eigenen finden muss. Hier im ersten Band geht es, so empfand ich es, vor allem um Emil und Dale, zwar spielen auch schon Ben und Arne eine wichtige Rolle und auch sie erzählen uns, wie sie sich kennenlernen, was sie ausmacht und wie sie sich ineinander verlieben, doch Emil und Dale bekommen einfach mehr Screentime. Während Dale zufriedent mit seiner Arbeit beim Zirkus ist, möchte Emil am liebsten reich und von jedermann anerkannt sein, ohne dabei wirklich wahrzunehmen, dass es diese Menschen schon längst gibt, ganz ohne dass er Geld besitzt. Arne bewältigt seine Depression und Panikattacken in einem Therapiezentrum und kämpft darum, mit seinen inneren Monstern klarzukommen und Ben legt sich immer mal mit Dale an, bis mit einem Mal ein niedlicher Kerl mit ungewöhnlichen Mützen auftaucht, der ihm ganz schön den Kopf verdreht. Authentische Charaktere mit jeweils schweren Päckchen, mit denen sie sich rumplagen müssen. Mir war es hin und wieder einfach zu viel, aber dennoch habe ich die vier bis zur letzten Seite sehr gerne begleitet und den nächsten Band kann ich kaum erwarten. 

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