5 Wölfe · Challenge · Leseempfehlung · Rezension

“Wenn wir Feinde wären” – Svea Lundberg

©Klappentext, Cover & Zitat: Traumtänzer Verlag

 

Ebook: 4,99 / Taschenbuch: 13,95

Seitenzahl: 301

Verlag: Traumtänzer Verlag

Release: 3. August 2021

Genre: Historisch, Drama, Romance

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”.

 

 

Klappentext:

Deutschland, München, 1955:

In einem Jazzkeller trifft der junge Pianist Maxim auf den Kriegsveteranen Rudolf. Die Liebe zur Musik verbindet die beiden ungleichen Männer. Schließlich vertraut Rudolf Maxim eine Geschichte an, die er bislang niemandem erzählt hat und die auch Maxim dazu bringt, seine eigene verbotene Liebe in neuem Licht zu betrachten.

Frankreich, Verdun, 1916:

Gefangen zwischen den Fronten, inmitten des Trommelfeuers, trifft Rudolf auf einen französischen Soldaten. Endlich bekommt das Grauen ein Gesicht. Doch in diesem spiegelt sich keinerlei Hass, sondern etwas zutiefst Menschliches. Etwas, das Rudolf erschreckend vertraut erscheint.
In den wenigen gemeinsamen Stunden in einem zerschossenen Graben sind Rudolf und Jacques sich mit einem Mal näher, als sie es sein dürften. Bis sich ein Gedanke nicht mehr beiseiteschieben lässt: Könnten sie jemals Feinde sein?

Zitat:

“Seine Augen waren blauer, als es der Himmel über Verdun jemals hätte sein können.”
“Sein Kuss schrie mir entgegen, dass der Krieg eine einzige Lüge war.”
“Im Höhepunkt fanden wir Freiheit. In der Umarmung des anderen Vergessen.”
“Alles. Wir waren alles. Aber niemals Feinde.”

Eigene Meinung:

Im Jahre 1955 trifft der französische Pianist Maxim in einem Jazzkeller in München auf den Kriegsveteran Rudolf. Sie verbindet die gemeinsame Liebe zur Musik und während Maxim für Rudolf spielt, vertraut sich der Veteran dem Pianisten an und erzählt ihm eine Geschichte, die Maxim seine eigene verbotene Liebe aus einem ganz anderem Licht betrachten lässt.
Im Jahre 1916 in Verdun, gefangen zwischen den Fronten, im Kampf gegen die Franzosen, umgeben von Trommelfeuer und Leichen der eigenen Kameraden, trifft Rudolf auf einen französischen Soldaten namens Jacques. Der Feind bekommt ein Gesicht, doch Rudolf stellt fest, dass sich dort etwas widerspiegelt, das ihm sehr vertraut vorkommt. Nur wenige Stunden in einem Graben gemeinsam mit dem französischen Soldaten bringt Rudolfs bisheriges Denken über den Krieg ins Wanken.

Ich weiß nicht, wie lange ich hier auf den Bildschirm gestarrt habe, um die richtigen und auch passenden Worte zu finden, um zu beschreiben, wie ich das Buch fand und was es in mir ausgelöst hat. Dieses Buch ist wirklich so ganz anders als die bisherigen, die ich von der Autorin kenne.
Die Geschichte beginnt in einem 50er Jahre Setting und wir begleiten den französischen Pianisten Maxim. Mittellos schlägt er sich durch die Straßen Münchens und in einem Jazzkeller verdient er sich mit Klavierspielen ein wenig Geld, um etwas zu essen zu haben und eventuell auch mal in einem Bett zu schlafen. Eines nachts entdeckt er einen alten Mann an einem der hinteren Tische, der einfach nur der Musik zu lauschen scheint.
Nach einer weiteren Begegnung stellt sich heraus, dass es bei dem Mann um den Kriegsveteran Rudolf handelt, der Maxim einlädt mit zu ihm nach Hause zu kommen, um dort für ihn auf dem Klavier zu spielen. Während Maxim für Rodolf spielt, vertraut sich dieser ihm an und Maxim findet somit heraus, dass sie beide viel mehr verbindet als nur die Musik. Eine verbotene Liebe.

Die Autorin baut ein beeindruckendes und düsteres Setting auf, wenn wir mit Rudolf in dessen Vergangenheit reisen. Mit ihm in den Graben rumzurobben, sich zu ducken, um den Schüssen zu entgehen, sich die Maske aufzusetzen, um den Giftgasangriffen nicht zu erliegen. Ich hatte ständig das Gefühl, neben Rudolf dort zu hocken und konnte die Schüsse und Explosionen hören. Die Stimmung war sehr bedrückend, warum der Autorin das so gut gelungen ist, erfährt man im Nachwort, was die Geschichte nochmal um einiges beklemmender werden lässt. Wie Rudolf Jacques kennen lernt und wie sie verbunden bleiben, immer wieder aufeinander treffen, allein das war schon emotional, doch es gab eine einzige Stelle, die für mich noch viel emotionaler war, allein wie die Autorin diesen Moment beschrieben hat, wie Rudolf das Ganze wahrnimmt. Ich glaube, ich habe die Stelle zwei drei mal gelesen, um zu realisieren, was da gerade passiert ist. Selbst nach Beendigung der Geschichte bin ich von dieser einen Stelle immer noch am meisten überwältigt. Dieses Bild, das sich wohl Rudolf geboten haben muss, wie er langsam realisiert, was da gerade geschehen ist, was er nun verloren hat.

Wie immer schafft es die Autorin, die passenden Worte zu finden, die Tiefe und Persönlichkeit der Charaktere hervorzuheben, auch wenn wir sie nur einen Augenblick in ihrem Leben begleiten. Gerade wenn Rudolf von seiner Vergangenheit erzählt. Der Wechsel zwischen den Jahren geschieht nie abrupt, er war auch nie störend, nie wollte ich ein Kapitel überspringen, um zu wissen, wie es weiter geht, sondern wollte beide Geschichten verfolgen. Teilweise war es fast wie eine Pause vom Krieg, wenn man quasi ins “Jetzt” zurück kehrte.

Am meisten hat mich der Charakter um Rudolf bewegt. Vor allem als er beschreibt, dass er im Heimaturlaub den Lärm, die Explosionen und ja das Kriegsgeschehen vermisst. Da hat man gemerkt, was der Krieg anrichten kann. Kein Mensch will sich freiwillig in einer für ihn lebensbedrohlichen Lage befinden, doch der Krieg hatte Rudolf so sehr gefangen genommen, abgestumpft und auf eine Art verletzt, dass dieser sich nach ihm sehnte.

Das Buch lässt einen auf jeden Fall nachdenklich zurück. Die Bilder vergisst man nicht so schnell, dennoch ist Jaques und Rudolfs Geschichte sehr berührend, denn wirklich aus den Augen verloren, haben sie sich nie und das trotz all dieser Umstände, all dieser Geschehnisse und gemeinsamen Erlebnisse. Die zufälligen Begegnungen wirkten nie erzwungen, so als müssten sie stattfinden. Vielmehr wirkt die Geschichte, als wäre sie wirklich so passiert, als hätte nun Maxim der Autorin seine Geschichte erzählt, ihr von Rudolf und Jaques berichtet, damit sie ihre Geschichte aufschreibt. Vielleicht ist es nicht explizit die Geschichte von Rudolf und Jacques, aber es gab damals bestimmt genügend Geschichten, Feinde die keine Feinde waren, die alle in den Gräben starben.

Kritik:

Rudolfs Geschichte fühlte sich abgeschlossen an, doch bei Maxim fehlte mir irgendetwas. Seine Geschichte steht zwar nicht im Fokus, doch hätte ich mir mehr für ihn gewünscht. Rudolf schien mit allem abschließen zu können, doch bei Maxim hatte ich nicht zu hundertprozent das Gfühl. Es las sich so, als könnte noch etwas kommen, doch da Rudolfs Geschichte erzählt war, wäre es nicht mehr notwenig Maxims zuende zu erzählen.

Fazit:

“Wenn wir Feinde wären”, ja was dann, hätten sich Rudolf und Jaques wirklich gegenseitig das Leben nehmen können? Zwei Männer, ein Deutscher und ein Franzose, treffen an den Fronten aufeinander und stellen fest, der Andere ist genauso wie er selbst, er hat Angst, will leben, nicht sterben, will dem Grauen des Krieges entkommen. Eine wirklich bewegende Geschichte über zwei Männer, die ineinander mehr sehen als den Feind. Eine Liebe, die in einem Schützengraben beginnt und bis über den Krieg hinaus anhält. Eine Geschichte, eine Erinnerung, die erzählt werden musste. Auch nach dem Wort Ende bleibt man mit den Gedanken bei den Protagonisten, wird sich nochmal deutlich bewusst, was es bedeutet im Krieg an der vordersten Front zu kämpfen, umgeben von durch Schüsse aufspritzender Erde, der Leichen der gefallenen Kameraden, dem Geruch nach Tod, Verwesung und Angst. Es ist keine leichte Geschichte und doch so lesenswert.

 

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