5 Wölfe · Challenge · Rezension · Top-Favorit

” St. Garner: Eine undenkbare Affäre” – Tharah Meester

©Klappentext, Cover & Zitat: Tharah Meester

 

Ebook: 6,99 / Taschenbuch: 18,99

Seitenzahl: 533

Verlag: Selfpublished

Release: 20. Juni 2018

Genre: Historical-Fantasy, Romance

 

Klappentext:

Der stadtbekannte Pläsierer Liam Young ist fassungslos, als ihm ein neuer Freier gegenübersteht. Denn Galen Sinclair wird für seine Kälte und Gesetzestreue gleichermaßen respektiert wie gefürchtet. Dass er darüber hinaus der Gemahl eines Kunden ist, bringt Liam in eine missliche Bedrängnis, die ihn zur Zurückweisung zwingt. Doch der Colonel mit den strengen Zügen und dem matten Blick stellt ihn vor eine Herausforderung, die der Meister der Erotik nicht ablehnen kann. Er gesteht dem verschlossenen Offizier zehn Nächte in seinem Bett zu, aber schon bald ist es nicht nur dessen prekäres Problem, das ihn reizt …

Zitat:

“Ein Fremder stand unter dem Türsturz und drückte den Rücken durch, als müsse er vor dem Maréchal persönlich antreten.”
“Noch ehe er begriff, was gemeint war, berührten weiche Lippen seinen Mund.”
“In jenem Moment sah Galen erneut zu ihm herüber und schenkte ihm ein Lächeln, das mit all den schönen Dingen auf dieser Welt zu konkurrieren versuchte –  und es mühelos vollbrachte.”

Eigene Meinung:

Liam Young, stadtbekannter Pläsierer, bekommt eines Abends unerwarteten Besuch, niemand geringeren als Galen Sinclair, St. Garner und Colonel, steht in seiner Tür und bittet ihn um etwas, was der junge Mann bisher noch nie erlebt hat. St. Garner ist nicht nur der Gemahl einer seiner Kunden, der Mann mit den strengen Zügen und dem kühlen Blick hat außerdem ein sehr prekäres Problem. Doch nicht nur diese Herausforderung reizt Liam immer mehr an dem strengen Colonel. Und nicht nur Liam findet an ihren Treffen Gefallen, auch der disziplinierte St. Garner genießt die Treffen, möchte nicht nur den Pläsierer sondern auch den Menschen dahinter kennen lernen.

Was genau bewegt einen hochangesehenen Mann mit einer präzisen Genauigkeit, die ihn zum besten Scharfschützen der Armee macht, der verheiratet und ein guter Freund des Königs ist, die Dienste eines Pläsieres aufzusuchen. Genau das fragt sich Liam Young auch und als er den Grund erfährt, kann er nicht glauben, dass der Colonel ausgerechnet zu ihm gekommen ist. Doch während ihrer Treffen lernt er den wahren St. Garner kennen, der viel mehr hinter der kühlen Maske verbirgt, als jeder andere ahnt. Ein zutiefst verletzter und unsicherer Mann offenbart sich langsam aber sicher gegenüber Liam, umso länger er sich mit ihm beschäftigt. Aber nicht nur Galen Sinclair hat sein Päckchen zu tragen, auch Liam verbirgt viel mehr als er nach außen hin offenbart. Zwei Charaktere, die aus unterschiedlichen Ständen kommen und doch so vieles gemeinsam haben. Sie begegnen einem Menschem, der ihren schmerzenden Kern offenlegen und ihn so annehmen, wie sie sind, mit all ihren Stärken und Schwächen. Sie opfern sich für den anderen jeweils auf und machen sich gegenseitig immer wieder eine Freude, die den anderen tief im Herzen berühren.

Die Autorin hat ein Händchen dafür gefühlvolle und bewegende Momente zu schaffen. Kleine Augenblicke voller Zärtlichkeit, eine stumme Kommunikation über Blicke, verräterische Gesten, all das nutzt die Autorin um uns zu verraten, was Liam und Galen bewegt. Sie schafft durch einen zur Zeit, in der es spielt, passenden Schreibstil eine fesselnde Atmosphäre zu erschaffen, die einen mit in die Straßen von Venice nimmt. Sie lässt die Charaktere und die Umgebung durch die angewendete Sprache lebendig erscheinen und es passt einfach zu dem ganz besonderen Flair. Zwar erzählen uns Liam und Galen abwechselnd die Geschichte und bekommen somit einen emotionalen und vielschichtigen Charakter, auch Caleb Tumbolte, St. Galens Offiziersbursche mit seinem vorlauten Mundwerk, der gerne mal seinen Senf dazugibt, sowie Hippolyte und Bash, Liams Nachbarn, die dem jungen Pläsierer mit Rat und Tat zur Seite stehen, sowie eher am Rand spielende Nebendarsteller, wie Rousseau und Épernée aus dem Offiziersclub, all diese Charaktere sind präsent, haben eine tragende Rolle, ihre eigenen Eigenschaften, wodurch sie die Geschichte wirklich bereichern.

Ein Mann mit einer zutiefst verletzten Seele, geschützt durch eine Maske aus stoischer Ruhe und Emotionslosigkeit und der Mann, den er aufsucht, der durch seine Herkunft und seinen Beruf viel weiter unten steht, als er selbst, das zusammen ergibt eine emotionale und berührende Mischung, die das Buch erlebenswert macht. Liam, der zwar gern aufgesuchte Pläsierer aber ansonsten verstoßene Mann, schafft es allmählich hinter die aufgesetzte Fassade zu blicken und den wahren St. Garner hervorzulocken. Er lässt sich von der Aura der Unnahbarkeit und dem Misstrauen nicht abschrecken, sondern will den wahren Galen kennen lernen und letztendlich hat er einen Galen Sinclair vor sich, der genau wie er selbst, sich als wertlos und nicht liebenswert empfindet. Während Liam ihm deutlich zu machen versucht, dass die Stellung oder der Titel eines Mannes nicht von Bedeutung ist, oder ob er vermögend ist, oder ob er seine eigenen Leistungen in der Horizontalen als unzulänglich empfindet, das alles spielt für Liam keinerlei Rolle und zeigt ihm so, was wirklich zählt, woraus ein Mensch wirklich besteht, aus seinen Gefühlen, Ängste, Hoffnung, Träume und Liebe. Aber auch für Galen spielt es keine Rolle, woher Liam stammt, dass er mit seiner Herkunft eher verachtet und ausgegrenzt wird, dass sein Beruf die unterschiedlichsten Männer zu sich lockt, für ihn geht er sogar einen Ehrenkampf ein und stiehlt für ihn Früchte aus des Königs Garten. Damit bringt er nicht nur seinen Offiziersburschen zum schmunzeln, sondern sogar den Käönig selbst und auch den Leser. Beide Charaktere zeigen Eigenschaften, die einen zum schmunzeln bringen, die sie liebenswert machen aber auch hin und wieder zum verzweifeln bringt.

Das Wechselspiel der Gefühl und das ständige Auf und Ab nimmt den Leser mit auf eine sehr emotionale Reise, die allerdings viel zu schnell und abrupt ein Ende findet. Dennoch hat die Autorin ein wundervolles, ambientisches Setting und liebenswerte Nebencharaktere erschaffen, wodurch man die Zeit vergessend im Buch verweilt.

Kritik:

Die Geschichte beinhaltet ein paar Ungereimtheiten. Zum einen ist es verwunderlich, dass sich keiner der anderen Kunden von Liam sich genauer informiert, für wen Liam sich so viel Zeit nimmt und keine weitere Kunden annimmt. Denn wenn man neugierig genug ist und Liams Turm einfach mal beschattet, findet man sehr wohl raus, wer da Liam des nachts aufsucht.
Auch die ganze Geschichte um Galens Ehemann, über den man, auch wenn er eine wirklich tragende Rolle spielt, da er schuld an Galens Unzulänglichkeit ist, sehr wenig erfährt. Weder wie die beiden sich kennen gelernt haben, noch wie sie sich lieben gelernt haben, so wird nicht wirklich deutlich, warum sie überhaupt geheiratet haben, denn es liest sich so, als wäre Galen schon von Anfang an unglücklich mit ihm gewesen. Da Jaques selbst Liam aufgesucht hat, kann man Galens Aufsuchen von Liam nicht wirklich als Fremdgehen betiteln, obwohl Galen bei seinem Ehemann bescheid weiß, andersrum allerdings nicht. Es ist, wie ich finde, ein recht schwieriges Thema, da “Fremdgehen” einigen sauer aufstoßen könnte.

Auch das Ende ist etwas abrupt abgehandelt und könnte einige Fragen offen lassen.

Fazit:

” St. Garner: Eine undenkbare Affäre” ist ein gelungenes, emotionales Werk der Autorin, das uns die Geschichte um den jungen Pläsierer Liam Young und dem gestrengen Colonel Galen Sinclair erzählt, die beide auf berührende und gefühlvolle Weise zueinander finden. Der atmosphäreschaffende, detaillierte und bewegende Schreibstil lässt einen durch die belebten Straßen Venices flanieren und an den gefühlvollen Momenten von Liam und Galen teilhaben. Zwei Charaktere, die nach außen hin unterschiedlicher nicht sein könnten, doch die beiden verbindet mehr, als beide ahnen. Doch nicht nur die beiden beleben die Geschichte auch einfache Nebendarsteller wie der Offiziersbursche Caleb und Liams Nachbarn Hippo und Bash tragen ihren Beitrag dazu bei. Sie bereichern die Geschichte und vervollständigen das Bild, was einem die Autorin vors innere Auge zaubert. Mich haben die beiden auf jeden Fall zutiefst bewegt und mich eins ums andere mal zu Tränen gerührt. Gerade die selbstzweifelnden Momente, aber auch diese, wo beide ihr Glück nicht wahrhaben wollen, wurden so bewegend und rührend verfasst, dass sie einen fesselnd teilnehmen lassen und nicht so schnell wieder losgelassen haben.  

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