4 Wölfe · Challenge · Leseempfehlung · Rezension

“A San Francisco College Romance: Zane & Lennon“ – Christiane Bößel

©Klappentext, Cover & Zitat: Forever Ullstein Verlag

 

Ebook: 3,99 / Taschenbuch: 14,00

Seitenzahl: 312

Verlag: Forever Ullstein Verlag

Release: 3. Juni 2019

Genre: Romance, Contemporary, Coming out

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”.

Klappentext:

Drei College-Studenten, eine WG und ein Neuanfang für die Liebe

Zane Wellingtons Zukunft ist bereits geplant: Mit 25 soll er ins Familienunternehmen einsteigen. Vorher darf sich der reiche Sohn aus gutem Hause jedoch während seines Wirtschaftsstudiums noch „die Hörner abstoßen“. Da kommt es ihm gerade recht, dass er mit seinen beiden besten Freunden in einer WG wohnt. Auf unzähligen Partys hat er schon so manche Frau abgeschleppt. Doch als die WG-Hündin Rose zum Tierarzt muss, zeigt Zane seine weiche Seite und bringt sie hin. Der Arzt fasziniert ihn auf eine Weise, wie er es vorher nicht kannte. Schließlich war er immer überzeugter Hetero. Und sein Vater würde ihn vermutlich enterben, wenn herauskäme, dass sein Sohn schwul ist …

Zitat:

“Stattdessen lungere ich hier in diesem neonbeleuchteten, nach Desinfektionsmittel und Hund riechenden Zimmer herum und bemühe mich, Lennon nicht zu offensichtlich an zustarren.”
“Ich beuge mich ein winziges Stück vor und lege prüfend meine Lippen auf seine.”
“Zane, mein Superheld, mein Zweifler, mein Ex-Frauenheld, mein homophober Liebhaber, mein Schönling mit Föhnfrisur, mein Idiot, mein Herz, mein Alles.”

Eigene Meinung:

Zane Wellington ist der typische Frauenheld, er sieht gut aus, ist charmant und unwiderstehlich und weiß dies sehr wohl für sich zu nutzen. Bis er die Verantwortung für das Firmenimperiums seines Vaters übernehmen muss, hat dieser ihm eine Schonfrist erlaubt, in der er sich quasi ausleben darf und genau das tut er auch. Er nutzt Partys und schleppt jede Nacht eine neue Frau ab, wobei ihm sein Leben mit seinen besten Freunden in einer WG zugute kommt. Doch als die WG-Hündin Rose zum Tierarzt muss und keiner seiner Freunde kann, springt er kurzerhand ein und bringt sie hin. Als er dem Arzt gegenüber steht gerät seine Welt allerdings völlig aus den Fugen. Denn er war immerhin doch überzeugter Hetero. Sein Vater würde ihn enterben und außerdem ist er nicht schwul.

Ein angeblich von sich überzeugter heterosexueller Mann, der sich vergnügt und alles nimmt, was bei drei nicht auf einem Baum ist, der sich nach einer prägenden Begegnung mit einem anderen Mann, sich vor einem Problem befindet, das sein ganzes Leben verändert. Er steht an einer Weggabelung und weiß nicht, soll er zu seiner Liebe stehen oder kann er ohne das Geld seines Vaters nicht leben. So oder so ähnlich hat man die Grundidee dieser Geschichte wohl schon mal gelesen, ist also an sich nichts neues, dennoch hat mich persönlich die Geschichte bewegt. Vor allem hat mir der einfühlsame und berührende Schreibstil gefallen, man spürt förmlich beim Lesen, dass Schreiben eine große Leidenschaft der Autorin ist. Sie schafft wundervolle, berührende Momente und holt auch bei kleinen Gesten den gewissen Nervenkitzel heraus. So war der erste Kuss zwischen Lennon und Zane ein wirklich gefühlsintensiver Moment, der einem regelrecht unter die Haut ging. Auch ansonsten schafft die Autorin eine knisternde Atmosphäre zwischen den beiden, sobald sie sich über den Weg laufen. Heimlich oder auch nicht ganz so heimliche Blicke, unbewusste oder auch bewusste Gesten, Mimikspiel und einfachste Berührungen verdeutlichen die herrschende Spannung zwischen en beiden.Doch auch Ängste, Zweifel, Unsicherheit, Verzweiflung und Sehnsucht vermittelt die Autorin durch geschriebene Bilder, wodurch den Momenten eine gewisse Intensität verliehen wird.

Zane ist der typische Sonnyboy, unwiderstehlich attraktiv, worum er auch weiß und seinen Charme sehr wohl ausnutzt, um sich jeden Abend eine neue Mieze ins Bett zu holen. Dennoch ist er sich seiner Verantwortung bewusst, zumal sein Vater ihn immer wieder daran erinnert. Zane weiß sehr wohl, was ihn erwartet, dennoch geht er das ganze nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit an. Was aber wohl auch daran liegt, dass er sich den Studiengang und seinen zukünftigen Werdegang nicht selbst ausgesucht hat. Seine Begründung kein eigenes Leben zu gestalten, sind zum einen oberflächlich aber auch erwachsen. Er will den bisher gewohnten Luxus nicht missen, ist sich aber seiner Verantwortung gegenüber seiner Familie bewusst, denn obwohl sein Vater der wohl mitteralterdenkenste Mensch auf der Welt ist, ist er immernoch sein Vater. Allerdings ist das seitens Zane nicht wirklich spürbar. Mehrmals beschimpft er ihn gedanklich und verwünscht ihn, wodurch er letztendlich doch nur am Geld zu hängen scheint. Auch wenn Zane teils homophob rüber kommt und er einige Klischees breithält, fand ich ihn persönlich nicht unsympathisch. Er hat Ängste und gibt diese zumindest sich selbst zu. Er wird nicht feindselig gegenüber Lennon, sondern ergreift eher die Flucht. Letzendlich beweist er sogar Stärke und handelt erwachsen.

Lennon ist das genaue Gegenteil. Er ist mit seinem Leben genügsam, lebt seinen Traum und das einzige, was ihm fehlt, ist ein fester Partner. Seine Familie ist offen und aufgeschlossen und sind wohl mehr Hippies als alles andere. Sie ist herzlich und akzeptiert kompromislos Lennons Homosexualität. Er hat im Grunde all das, was Zane nicht hat. Er ist bodenständig, steht mit beiden Beinen im Leben und ist verantwortungsbewusst.

Zwei gänzlich verschiedene Charaktere, die sich eigentlich vorher schon einige Male über den Weg gelaufen sind, sich durch eine Impfung eines Hundes aber erst wirklich bewusster wahrnehmen. Zanes Freunde und Lennons Familie kommen auch schon in den anderen Bänden der College-Serie vor, doch man muss diese nicht zwangsläufig kennen, um das Buch lesen zu können. Die wichtigsten Gegebenheiten werden erklärt und man kann entspannt in Zanes und Lennons Geschichte abtauchen, ohne irgendwie durch Unlogik oder fehlende Informationen ins Stocken zu geraten. Auch die Nebencharaktere sind lebendig und authentisch gestaltet, sie prägen die Geschichte und wer gerne auch mal ein Heteroromancen Buch lesen möchte, wird die Geschichten um Ethan und Claire, sowie Autumn und Cole bestimmt mögen, auch wenn diese einige Klischees bereithalten, zum Beispiel ist Ethan der beziehungsschüchterne Strebertyp und Cole der niveauvolle Macho, der einem schüchternen Ding die große Liebe ist. Der anfängliche Zeitsprung hat mir ebenfalls gut gefallen. Wir beginnen im Prolog mit der Gegenwart und springen dann einige Wochen zurück in die Vergangenheit. Es reizt einen das Buch weiter zu lesen um zu erfahren, wie es zu dieser Situation eigentlich gekommen ist. Ich hatte tatsächlich was anderes erwartet, wie es dann eigentlich war.

Auch wenn das Buch im Grunde schon das Konzept von anderen Geschichten beinhaltet, fand ich es persönlich nicht ganz so nervig klischeeüberzogen, auch wenn einige vorhanden sind. Die Autorin hat durch ihren flüssigen und fesselnden Schreibstil eine Atmosphäre geschaffen, die uns ganz nah und authenthisch Lennons und Zanes Geschichte erzählt. Diese Geschichte ist eher mal was Entspannendes für Zwischendurch um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und abzuschalten.

Kritik:

Der Geschichte fehlt es an sich an Originalität, das behandelte Thema wurde auch schon in gefühlt hundert anderen Geschichten durchgekaut. Es sticht auch an sich nicht groß aus der Maße hervor, auch wenn ich es persönlich dennoch unterhaltsam fand. Es ist keinerlei Originalität vorhanden. Zanes Grund das Imperium seines Vaters zu übrnehmen und seines Nicht-Outings sind beinahe Klischee. Angst vor Zurückweisung, Angst vor Enterbung und Verlust von Luxus. Auch dieses typische “Da gab es vorher nie einen anderen Mann, den ich attaktiv gefunden habe, bis plötzlich ER vor mir stand”. Es ist an sich nichts neues. Auch die Tiefe geht durch den häufig vorkommenden Sex verloren, so bleibt die Beziehung auf der Strecke. Für mich persönlich kam dennoch genug an. Sobald Szenen tiefgründiger wurden, waren diese allerdings schon wieder zuende.
Der Titel des Buches enthält das Wort “College” was eher wenig eine Rolle spielte. Dass Zane ein Studium macht wird eher so am Rande erwähnt und es wird halt deutlich durch das Verhalten der Charaktere, da diese noch recht jung sind. Wer also eine vorwiegende College-Romance erwartet, ist hier fehl am Platze.

Fazit:

Die Geschichte rund um Zane und Lennon ist zwar nichts neues und originelles, dennoch unterhaltsam für ein paar angenehme Stunden auf dem Sofa. Ein gut aussehender, attraktiver Student namens Zane schläft sich durch die Betten unzähliger Mädchen und lebt seine Schonfrist mit Alkohol, Partys und Sex ordentlich aus. Bis er eines Tages zum Tierarzt muss und dort dem bodenständigem Arzt Lennon über den Weg läuft, der sein gesamtes Leben aus den Fugen reißt und ihn darüber nachdenken lässt, ob er bisher wirklich nur Frauen im Bett haben wollte. Auch wenn die Geschichte höchst wahrscheinlich schon mehrmals in dieser Weise erzählt worden ist, hat sie mich vor allem durch den detaillierten Schreibstil überzeugt, der gerade aus kleinen Momenten das gewisse Etwas herausholt. Mich hat die Geschichte und gerade das Zusammenspiel zwischen Zane und Lennon an die Seiten gefesselt. Auch die Nebencharaktere waren weder leblos gestaltet noch lieblos eingefügt, sondern ergänzten die Geschichte und schafften so eine liebevolle Geschichte um zwei junge Männer, die erst ein paar Stolpersteine bewältigen müssen, bevor sie zueinander finden. Das Buch beinhaltet zwar auch einige Klischees, die mich aber tatsächlich mal nicht so nervten, da mir Zane und Lennon wirklich ans Herz gewachsen sind und mich durch ihr ständiges Auf und Ab nicht mehr so schnell losgelassen haben. 

2 Kommentare zu „“A San Francisco College Romance: Zane & Lennon“ – Christiane Bößel

    1. Ich hatte gedacht die beiden sind betrunken im Bett gelandet oder ähnliches. Nach einer durchzechten Party im Club. Es ist anders zu dieser Situation gekommen wie ich dachte. Ich dachte auch, Zane wäre nicht bewusst gewesen, worauf er sich da ein ließ, er war aber ja doch recht nüchtern. So hatte ich das gemeint 🙂

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