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“Berlin: Rostiges Herz” – Sarah Stoffers

©Klappentext, Cover & Zitat: Amrûn Verlag

 

Ebook: 5,99 / Taschenbuch: 14,00

Seitenzahl: 428

Verlag: Amrûn Verlag

Release: 15. Oktober 2018

Genre: Steampunk, Dystopie, Fantasy

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”.

Klappentext:

„Sie war das eine Mädchen, das ich nicht haben konnte, und das seit vielen Jahren schon.“

Berlin, die rastlose Stadt am Meer. Hier ragen die Türme der Zauberer bis in den Himmel. Im Schein der Glühlichter werden rauschende Partys gefeiert. Zucker wird in Gold aufgewogen und die Geheimpolizei wacht über den zerbrechlichen Frieden zwischen Zauberern und Erfindern.

Die Erfinderin Mathilda liebt ausgerechnet Rosa, die Tochter des magischen Großmeisters von Berlin. Genau wie der Zauberlehrling Fidelio. Beide wollen Rosa auf deren Geburtstagsparty ihre Gefühle gestehen, doch sie sind nicht die einzigen mit Plänen für den Abend. Ein Mörder hat sich unter die Gäste gemischt. Die Erfinder planen eine Rebellion gegen die Zauberer. Und tief unter der Stadt liegt ein uraltes Geheimnis verborgen.

Zitat:

“Mathilda sah gerade lange genug auf, um die tanzende Tabakdose einzufangen, dann richtete sie ihre dunklen Augen wieder auf den ausgeweideten Körper des Automaten. “
“Sie fanden sich blind im Dickicht ihrer schwarzen Locken zurecht, und Mathilda lehnte sich in die Berührung.”
“Weit unter ihnen riss der aufziehende Sturm die Stege des schwimmenden Viertels ein.”

Eigene Meinung:

Berlin, hunderte Jahre in der Zukunft, von Rost zerfressen, von Magie beseelt, bewohnt von den Erfindern und den Zauberern, deren Viertel getrennt voneinander existieren. In dem einen beleuchten Glühbirnen die Straßen, in dem anderen magisch erzeugte Lichtquellen. Mathilda ist eine Erfinderin, betreibt ihre eigene kleine Werkstatt und liebt ausgerechnet Rosa, die Tochter des magischen Großmeisters. Genauso wie der Zauberlehrling Fidelio. Während Mathilda Rosa auf deren Geburtstagsparty ihre Liebe gestehen will, möchte Fidelio ihr einen Heiratsantrag machen. Doch nicht nur die beiden haben einen Plan, auf die Party hat sich ein Mörder geschlichen. Die Erfinder planen eine Rebellion gegen die Zauberer und tief unter der Stadt verbirgt sich ein uraltes Geheimnis.

Ein von Erfindern und Zauberern bewohntes Berlin, von rostigen Röhren durchzogene Viertel, prunkvoll eingerichtete Straßen, Zucker wird in Gold aufgewogen,  lebendige Illusionen, Fluggleiter und eine in Gang gesetzte Rebellion. Zwei außergewöhnliche Charaktere, die unabhängig voneinander versuchen, den mysteriösen Mord an ihrer großen Liebe aufzudecken. Direkt ab der ersten Seite nimmt uns die Autorin in eine steampunkische, fantastische Welt mit, die durch ihren bildhaften und detaillierten Schreibstil einen regelrechten Film vors innere Auge projeziert. Ich hatte während des Lesens tatsächlich das Gefühl, selbst durch die verrauchten oder prunkhaften Straßen zu schlendern und man riecht entweder die Süße der Gebäcke, bewundert die umherschwirrenden Illusionen oder hat den Geruch von Öl in der Nase. Dennoch verliert sich die Autorin nicht in unnötigen Beschreibungen und benötigt keine unzähligen Seiten um nur einen einzigen Raum zu veranschaulichen. Ihre Art zu schreiben vermittelt die Grundstimmung des Buches ausgesprochen gut, sodass der steampunkische Flair zum Leser übergreift. Da ich ein begeisterter Fan von Steampunk bin, haben mir die geschriebenen Bilder von ratternden Zahnrädern, zischenden und knisternden, polternden und dampfenden Maschinen und Fliegerbrillen besonders gut gefallen, zauberhafte Illusionen und kleine magische Spielereien haben dafür mein Fantasyherz höher schlagen lassen. Zwei völlig verschiedene und widersprüchliche Welten treffen aufeinander und leben nebeneinander her. Dieses Zusammenspiel von knisternder Magie und rumorenden Maschinen hat mich regelrecht an die Seiten gefesselt und so schnell nicht wieder losgelassen.

Doch nicht nur bei der Darstellung des Schauplatzes an sich zeigt sich die Liebe für Details, auch bei den lebendig gezeichneten Haupt- und Nebencharakteren ist dies deutlich spürbar. Mit Fidelio und Mathilda hat die Autorin zwei Charaktere erschaffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mathilda, die freche, selbstbewusste, taffe und nicht auf den Mund gefallene Erfinderin, die sich garantiert nicht davor scheut, ihre Finger schmutzig zu machen und Fidelio, der luxusbevorzugende, von sich überzeugte Zauberlehrling erzählen uns vorwiegend die Geschichte, durch die auch das angespannte Verhältnis zwischen Zauberern und Erfindern, zwischen Rostfressern und Fingerschnipsern, wie sich die Parteien abfällig gegenseitig betiteln, deutlich wird. Mathilda und Fidelio sind zwei authentische und gut durchdachte Charaktere, die dadurch sehr greifbar wurden, sie haben nicht nur starke Momente, sondern schwächeln auch mal und auch sie stehen mal ratslos da und wissen einfach nicht weiter. Durch sie entdecken wir nicht nur das “neue” Berlin, sondern auch das “alte”. Man erlebt ihre anfänglichen Bedenken, ihre Abneigung gegenüber der anderen Fraktion mit und auch die erste Skepsis ist deutlich spürbar. Mit ihnen erleben wir die Geschichte des einstigen Berlin, wie wir es kannten und wie es zu dem wurde, wie es die beiden nun kennen. Doch nicht nur Fidelio und Mathilda ermöglichen uns einen Einblick in ihre Welt, auch tragende Nebencharaktere kommen zu Wort, wodurch die Geschehnisse rund gemacht werden. Besonders angetan haben es mir ein kleiner Kollibri, der Fidelio als Illusion begleitet, als Geschenk seiner Lehrmeisterin aber auch Ling, eine lockere Affäre Mathildas, die auch so manches Geheimnis birgt, was zum Ende hin leider recht offen bleibt und nicht ganz abgeschlossen zu sein scheint.

Ein Berlin, wie wir es nicht mehr erkennen würden. Die Menschheit hat die Welt an ihre Grenzen getrieben. Atomare Kriege und ein vernichtender Klimawandel, hervorgerufen durch machtgierige Menschen stürzt die Welt ins Verderben. Längst verschollene Magiebegabte tauchen aus der Versenkung auf, um die Welt vor ihrem völligem Untergang zu bewahren. 800 Jahre nach der neuen Zeitrechnung existieren Teile der Welt nicht mehr und das ursprüngliche Berlin ist verschüttet gegangen unter Metall und Eisen. So werden in einstigen U-Bahntunneln illegale Fliegerrennen veranstaltet und umso tiefer man in diese Tunnel gerät, umso mehr Geheimnisse werden zutage gefördert. Mathilda und Fidelio auf ihrer Mission zu begleiten, den wahren Mörder ihrer Liebe zu überführen, war ein wirklich spannendes und fesselndes Abenteuer. Durch überraschende Wendungen und gestreuten Brotkrumen ist man selbst am Zweifeln, ob angeblich Verbündete wirklich diejenigen sind, als die sich ausgeben und ob angebliche Feinde nicht eigentlich Freunde sind. So ist auch der Ausgang der Geschichte nicht vorhersehbar und man wird immer wieder überrascht. Auch das, was zwischen Mathilda und Fidelio geschieht hat mich nicht mehr losgelassen und bei den beiden habe ich wirlich mitgefiebert, wie sich die “Beziehung” zwischen den beiden entwickelt und bin mit dem Ausgang angenehm überrascht. Das spielt allerdings eine recht nebensächliche Rolle, es geht vielmehr darum, dass man als Leser das rostige Berlin erlebt und mit darin umherwandelt.

Eine wirklich fesselnde und bewegende Geschichte mit eigensinnigen Charakteren und einem fidelem Kollibri, der wahrscheinlich vielen ans Herz wachsen wird ;).

Kritik:

Leider gibt es in dem Buch einige Rechtschreibfehler aber auch Wortverdreher oder es fehlen einfach Worte, das erschwert hin und wieder das Lesen. Auch der doch recht umschweifende und detaillierte Schreibstil könnte zu Langatmigkeit führen und wenn man ab einem gewissen Punkt nicht in die Geschichte findet, wird man im Laufe der Geschichte damit Schwierigkeiten haben.

Was mich wirklich doch recht gestört hat, ist, dass einige Szenen quasi doppelt vorkommen, da sie erst aus Mathildas Sicht, dann aus Fidelios erzählt werden. Das mag zwar hin und wieder von Bedeutung sein aber ich fand es doch hin und wieder sehr ermüdend und ich wollte erst den wiederholdenden Teil jedes Mal überspringen, hab mich aber doch dagegen entschieden.

Fidelio hat leider nicht ganz so den bleibenden Eindruck hinterlassen wie Mathilda, ihm fehlt es hin und wieder an Komplexität und erst zum Ende hin, könnte er sehr sympathisch werden, das ist aber mehr Geschmackssache und letztendlich hätte ich ihn aber auch nicht missen wollen, weil diese Eigenschaft von Arroganz und Oberflächlichkeit einfach zu ihm gehören und ihn ausmachen.

Ich persönlich fand es auch sehr schade, dass die Elemente von Magie und Steampunk doch recht oberflächlich bleiben, da hätte ich mir doch teils mehr gewünscht, da diese die Welt ja auch ausmachen, ist aber auch wieder eher eigenes Empfinden.

Fazit:

“Berlin: Rostiges Herz” ist ein gelungener, fesselnder Steampunk Roman mit überraschenden Wendungen, packender Geschichte, dystopischen, außergewöhnlichen und magischen Schauplätzen und ausgefallenen Charakteren. Der detailverliebte aber nicht zu ausschweifende Schreibstil zaubern filmreife Bilder und man taucht regelrecht in die Gefühls- und Gedankenwelt von Mathilda und Fidelio ein. Wortreiche Spielerein, neckische Details und magische Kleinigkeiten vervollständigen das Ganze. Die Geschichte überzeugt durch Komplexität und unvorhersehbaren Wendungen, wodurch man bis kurz vor Ende nicht genau sagen kann, was Berlin nicht doch noch alles für Geheimnisse birgt. Fidelio und Mathilda, sowie die Nebencharaktere erschaffen eine vielfältige Welt voller Intrigen, Geheimnissen und großen Gefühlen. Auch die Kluft zwischen Magiern und Erfindern ist deutlich spürbar während des Lesens aber auch wie zwischen den Zeilen ein gewisser Wandel stattfindet. Wer ist wirklich Freund und wer wirklich Feind? Was verbirgt sich wirklich im Inneren Berlins? Ein wirklich gelungenes Buch und ich hoffe ja doch, dass es eine Fortsetzung geben wird, da doch noch ein paar Fragen ungeklärt blieben.

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