5 Wölfe · Leseempfehlung · Rezension

Inbetween: Zwischen Fallen und Fliegen – Svea Lundberg

©Klappentext, Cover & Zitat: Dead Soft Verlag

 

Ebook: 5,99 / Taschenbuch: 11,99

Seitenzahl: 254

Verlag: Dead Soft Verlag

Release: 22. März 2018

Genre: Romance, Drama

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”.

 

 

Klappentext:

Nachdem der kalte Entzug an Jeriks Seite in einer Katastrophe endete, findet sich Alexej im Krankenhaus wieder. Die Ärzte raten ihm dringend zu einer professionellen Entzugsklinik, aber benommen von Beruhigungsmitteln und mit einer Infusion im Arm, bricht er die Behandlung lieber heute als morgen ab. Denn er ist sich sicher: Er hat die Beziehung zu Jerik endgültig zerstört und ohne ihn wird er den Entzug niemals schaffen.
Statt in eine Klinik begibt sich Alexej zurück auf die Straße und hinein in die bittersüße Umarmung von Heroin und fremden Freiern. Sein Leben wird zum Schwebezustand zwischen Fallen und Fliegen. So lange, bis ihm eine unerwartete Begegnung die Augen öffnet. Wird er den Aufprall überstehen?

Zitat:

“Beim Heroinkonsum ging es schließlich nicht um nette Gesellschaft, sondern um das gigantische Gefühl, wenn die Droge das Bewusstsein zum Schweben brachte. Zum Fliegen.”
“Erst recht nicht high genug, um darüber hinwegtäuschen zu können, dass ich Jerik und mich selbst betrog.”
“Ich tanzte irgendwo zwischen Fallen und Fliegen.”
“Zärtlich verflocht ich meinen Finger mit seinen.”

Eigene Meinung:

Hat man den ersten Inbetween-Teil in Jeriks Sicht erlebt, hat uns hier die Autorin die Möglichkeit gegeben, einen Großteil der Geschichte nochmal aus Alexejs Sicht zu erleben, was bedeutet, diesen Teil kann man nicht ohne den ersten Band lesen.
Nachdem der kalte Entzug bei Jerik in einer Katastrophe geendet ist, findet sich Alexej im Krankenhaus wieder. Wider den Raten der Ärzten will Alexej von einer Enzugsklinik nichts hören und begibt sich lieber wieder in die Arme von Freiern und pumpt sich die Arme mit Drogen voll, denn ohne Jerik, so ist sich Alexej sicher, wird er den Entzug sowieso nicht schaffen und die Beziehung zu Jerik hat der Tänzer seines Erachtens nach vollkommen zerstört. Doch eine unerwartete Begegnung öffnet ihm die Augen und nun fasst er doch den Entschluss alles zu ändern. Ob Alexej das schaffen wird?

Was mir im ersten Buch gefehlt hatte, hat die Autorin hier aufgearbeitet. Wir erleben hautnah, wie tief man in den Strudel aus Sucht und Drogen fallen kann und wie sehr es einen verändert. Alexej streitet wie auch im ersten Teil vehement ab, den Drogen verfallen zu sein, er will nicht wahrhaben, dass er süchtig ist und ist immer noch der festen Überzeugung, dass er sich jederzeit von den Drogen lossagen kann. Doch nach einem noch katastrophalerem Absturz als nach dem kalten Entzug muss auch er sich eingestehen, dass sich in seinem Leben einiges ändern muss, allen voran er selbst und seine Einstellung. So fasst er doch noch den entscheidenden Entschluss sich in eine professionelle Entzugsklink zu begeben. Doch es ist alles leichter gesagt als getan. Alexej ist so sehr abgestürzt, dass er sich ohne Drogen nicht mehr in das alltägliche Leben traut. Er braucht die Drogen um den Tag zu überstehen, er kann die wiederkehrenden Gedanken nicht ertragen. Der Verlust der Beziehung mit Jerik, seinen Verlust seines Jobs und die lange Einnahme der Drogen beschränkt ihn auch in seinem Können als Tänzer. Das alles sind immer wieder verleitende Gedanken sich wieder den Drogen hinzugeben. Er hat Angst davor wieder zu fallen, tief zu fallen, endlos zu fallen, ohne ein Ende in Sicht und wenn doch, dann mit einem zerschmetterndem Aufprall. Es gab schon einen kurzen Moment in dem sein Leben völlig aus den Fugen geraten wäre und bei dem nur knapp an Messers Schneide entlanggerutscht ist, doch selbst danach wacht er noch nicht auf, sondern rettet sich wieder in die aufputschenden Arme von Heroin.

Alexejs Ängste, Sorgen und Zweifel schafft die Autorin durch einen flüssigen und umschreibenden aber nicht zu ausführlichen Schreibstil dem Leser nahe zu bringen. So nimmt einen Alexejs Schicksal auf eine berührende und bewegende Weise mit. Wir erleben Alexej fallend und fliegend und welche Gedanken ihn dabei stets plagen. Alexej ist ein gutes Beispiel wie tief ein Mensch unter Einfluss eines Drogenkonsum fallen kann.  Leider beginnt Alexejs Geschichte recht in der Mitte des ursprünglichen Geschehens, ich hätte gerne erfahren, was er ganz zu Anfang beim ersten Treffen mit Jerik gedacht und empfunden hat. Wie umwerfend Jerik Alexej fand, hat man ja zu genüge erfahren, doch hier hätte mich auch sehr Alexejs erste Gedanken bezüglich Jerik interessiert.

Wir erleben hautnah mit, wie sehr sich Alexej durch den Entzug kämpft und wie er erst zu sich selbst finden muss, wie er lernen muss, mit dem Alltag umzugehen und sich darauf wieder ein zu lassen. Immer wieder plagen ihn Zweifel und Ängste, es geht soweit, dass er sich vor dem Tag der Entlassung graut, denn Jerik ist nicht da um ihn aufzufangen, wo genau soll er hin? Er ist überfordert mit alltäglichen Dingen, das muss er erst wieder lernen, auch auf sich selbst und seinen eigenen Körper zu hören. Da hat mir sehr gut gefallen, dass, sobald Alexej die Klinik verlässt, es nicht mit Jerik sofort wieder funktioniert. Alexej erkennt selbst, dass er sich nicht sofort wieder auf Jerik einlassen sollte, denn dann verfällt er einer ganz anderen Sucht, er muss erst lernen, mit sich selbst klarzukommen, ehe er sich wieder auf Jerik einlassen kann. Denn sonst würde er mit Jerik erst fliegen und dann fallen und Alexej kann nicht zulassen Jerik mit sich zureißen.

Doch nicht nur mit sich selbst muss Alexej wieder ins Reine kommen, die Entzugsklink zwingt ihn dazu, sich noch ganz anderen Dämonen zu stellen, hier geht die Autorin schon sehr detailliert auf seine Gedanken und Empfindungen ein und bringt diese dem Leser auch ungeschönt nahe. Alexej arbeitet viele Aspekte seines Lebens auf und stößt immer wieder auf Mauern, die er erst einreißen muss, bevor er weiter machen kann. Mich hat Alexejs Schicksal wirklich zu Tränen gerührt, denn die Ängste die der Tänzer aussteht, hat denke ich schon mal jeder in seinem Leben verspürt auf die ein oder andere Art und Weise. Es zeigt einem wie stark man ist, wenn man sich diesen Ängsten immer wieder stellt und nicht aufgibt.

Alexej und Jerik bekommen beide nach dem ganzen Ärger und den vielen Problemen ein wenig mehr Raum miteinander, sodass wir noch viele Momente voller Zweisamkeit mit den beiden erleben, die nicht nur uns für das ganze Drama entschädigen. 😉 Auch diesen Momenten hat die Autorin viel Leben und Gefühl eingehaucht, sodass man von den Emotionen mitgenommen wird.

Die Geschichte ist eine gelungene Ergänzung und Fortsetzung zum ersten Teil, durch den man nochmal ein wenig mehr hinter die Kulissen blicken konnte.

Kritik:

Mir fehlte wie gesagt der erste Eindruck von Alexej gegenüber Jerik, was hat er bei dem ersten Aufeinandertreffen gedacht, was hat er empfunden. Man bekommt wenige Einblicke, da Alexej von damals erzählt und in welchen Momenten er Drogen genommen hat, wenn er mit Jerik zusammen war, doch was genau er in dem allerersten Augenblick gedacht hat, wird hier leider nicht erwähnt. Es beginnt halt mittendrin, sodass dieses Buch nicht zu empfehlen ist, wenn man den vorigen Teil nicht kennt. Es fehlte die Einleitung, so ist man ab der ersten Seite direkt im Geschehen und wird ohne große Umschweife mitgenommen. Ich hätte eine kurze Zusammenfassung seitens Alexejs schön gefunden oder allgemein hin und wieder eine genauere Ausführung. Ich vermute allerdings, dass der zweite Band vorwiegend als Ergänzung zum ersten gesehen werden muss.

Fazit:

“Inbetween – Zwischen Fallen und Fliegen” ist eine gelungene Ergänzung zum vorigen Teil, in der man den Großteil des vorigen Geschehens nun aus Alexejs Sicht erfährt. Auf berührende Weise erzählt uns die Autorin Alexejs Kampf mit den Drogen, seinen inneren Kampf gegen Ängste, Zweifel und Sorgen sein Leben ohne Drogen nicht mehr bewältigen zu können. In diesem Buch geht es vorwiegend um Alexejs Innenleben und primär um seine Ängste, nicht mehr ohne die Drogen aber auch ohne Jerik nicht mehr leben zu können. Wir begleiten ihn dabei, wie er die ersten Schritte lernt mit dem alltäglichen Leben wieder klarzukommen, es ist ein stetig anhaltender Kampf und er befürchtet Jerik mit hinein zuziehen und mit ihm zu fallen, geschweige denn nie wieder mit ihm zusammen sein zu können.  Die Autorin hat sich sehr ausführlich damit auseinander gesetzt, wie sich ein Mensch fühlen muss, der unter einer Drogensucht leidet und bei Alexej wurde auch nichts zu Überdramatisches als Grund genommen, was mir besonders gutgefallen hat. Bei Alexej war einfach seine Überforderung mit dem Leben der Auslöser und genau das finden wir auch gedanklich bei ihm wieder. Mit einem emotionalen und bewegendem Schreibstil bringt uns die Autorin Alexejs Schicksal nahe und zeigt uns Ängste und Sorgen, die ein jeder von uns schonmal geplagt haben könnte. Eine wirklich emotionale und berührende Geschichte über einen jungen Mann, der nicht nur um seine Liebe kämpft, sondern auch mit sich und seinen inneren Dämonen.

 

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