4 Wölfe · Leseempfehlung · Rezension

“Ich glaube, ich habe eine Raupe gegessen” – Marc Weiherhof

©Klappentext, Cover & Zitat: Marc Weiherhof

 

Ebook: 3,99 / Taschenbuch: 10,00 (direkt bei Marc)

Seitenzahl: 247

Verlag: Selfpublished

Release: 1. Oktober 2019

Genre: Romance, Contemporary, Humor

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”.

Klappentext:

Raupen zum Frühstück?

Klar, die sind lecker!

Bereits bei der Einreise nach Namibia tritt der Pistazien futternde Tollpatsch Leon in das erste von unzähligen Fettnäpfchen. Eigentlich reist der 22-jährige Schweizer ja für einen simplen Sommerjob ins südliche Afrika, findet aber stattdessen frittiertes Krabbelzeug, geplatzte Reifen und die große Liebe. Okay, über diesen letzten Punkt lässt sich streiten.

Auf jeden Fall bringt Tayo, ein attraktiver Macher-Typ mit Gletschersee-Augen und hüpffreudigen Körperteilen, Leons harte(s) Nüsschen ziemlich schnell zum Glühen. Zusammen erleben sie ein Busch-Abenteuer, bei dem nicht nur Löwen, Warzenschweine und Erdmännchen auf ihre Kosten kommen.

Keine Angst vor Lachtränen? Dann begleite die Männer auf ihrer Reise ins Glück.

Warnhinweise: Dieser Gay Romance-Roman enthält schwule Sexszenen. Der Inhalt ist daher für Minderjährige ungeeignet. Denk immer daran: Schütze dich und deinen Partner vor HIV, nimm ein Kondom!

Zitat:

“In diesem Augenblick sieht der Fremde auf, unsere Blicke treffen sich und ich verfalle in eine Art sexuell indizierte Schockstarre. “
“Nur deinetwegen halte ich durch. Du treibst mich an, lässt mich immer weitergehen.”
“Mit feuchten Augen und einer ungeheuren Wärme in Herzen klettere ich zurück auf die Rückbank des 4×4. Zurück zu Leon. “

Eigene Meinung:

Es fängt schon am Flughafen Namibias an. Pistazien essend tritt Leon in das erste von unzähligen, folgenden Fettnäpfchen, die er im Laufe seiner Zeit in Namibia so mitnimmt. Kaum hat er den peinlichen Moment bei der Zollkontrolle hinter sich gebracht, trifft er auf Tayo seinem Chef mit den unwiderstehlichen Gletscherseeaugen, der ihn vom Flughafen abholt.  Einen platten Reifen später kommt er im Tayo´s an, einem Gasthaus und gleichzeitig Tieraufzuchtstation. Hier soll Leon also die nächsten 8 Wochen verbringen, zwischen Geparden, frittierten Krabbelviechern, schmackhaften Raupen, Kudus, Warzenschweinen und Erdmännchen und da ist da ja noch Tayo, der Buschmann mit der 1000-Taschen-Weste und diesen unwiderstehlichen Augen.

Wenn mir ein quietschpinkes Cover ins Auge springt, rühr ich es normalerweise nicht an, weil das so gar nicht meine Farbe ist, aber ich bin wirklich froh, dass ich hier mal eine Ausnahme gemacht habe. Zwar hatte ich anfangs Schwierigkeiten ins Buch zu finden aber umso mehr ich über Tayo und vor allem Leon gelesen habe, umso schneller fand ich in das Buch. Marc Weiherhof hat eine unverwechselbare, humorvolle Art zu schreiben, wo ich manchmal nicht weiß, ob ich das Buch lieber zur Seite legen oder doch lachend vom Bett kippen soll. Ich kannte den Autor bisher aus Anthologien, einer kleinen Kurzgeschichte über einen Weihnachtswelpen und einer Geschichte über das bemalen von Eiern und auch dort hat mich sein Schreibstil auf entweder emotionale oder Lachtränen verursachende Weise berührt. Hier ist es eindeutig der Witz und die urkomischen Situationen, in die sich Leon bugsiert.

Leon ist der Meister der Fettnäpfchentreter, meist nimmt er ein ganzes Fass mit. Normalerweise informiert man sich ja, wenn man in ein Land reist, gerade wenn man dort arbeiten möchte und  dort für längere Zeit bleibt, als wenn man nur als Tourist hinfährt. Doch Leon, voller Tatendrang und Enthusiasmus, patzt gleich am Flughafen, als er Pistazien futternd zur Seite gewunken wird, da mitgebrachte Lebensmittel nicht erlaubt sind. Auch kleidungstechnisch ist er nicht auf die doch recht unterschiedlichen Temperaturen zu Tag und Nachtzeiten eingestellt. Es geht weiter mit platzenden Reifen, frittierten Raupen und stolpern über die eigenen Füße. Leon der absolute Fettnäpchenrekordhalter. Man schwankt beim Lesen zwischen fremdschämen und Lachtränen vergießen. Gerade das verleitet die Menschen in Leons Umgebung, ihn doch hin und wieder auf die Schippe zu nehmen und ihm kleine Streiche zu spielen. Er ist ein Chaot sondergleichen, Energiebündel und doch steckt hinter seiner tollpatschigen Art ein sehr emotionaler Kern und Leon zeigt doch hin und wieder, das er es faustdick hinter den Ohren hat. Ein wirklich sehr sympathischer Charakter, der durch seine ganze Art einfach liebevoll erscheint und es dem Leser wirklich nicht schwer macht, ihn von Anfang an ins Herz zu schließen.

Tayo hingegen ist mehr der ruhigere Part der beiden, wäre ja auch katastrophal zwei von der Sorte Tollpatsch zu haben ;). Anfangs erscheint er schwierig und man weiß nicht so recht, ob man ihn mögen soll oder doch erstmal vorsichtig ist. Doch umso mehr er sich auf Leon einlässt und dadurch mehr von sich preisgibt, umso sympathischer wird er einem. Zum einen besitzt er doch eine gewisse Schwäche für den Chaosschweizer, auf der anderen Seite liebt er es ihn zu necken und ihm zu zeigen, was ein hartgesottener Kerl wie er alles draufhat. Er verfolgt seinen Traum, hält an diesem fest und würde alles dafür geben. Er opfert sich für sein Gasthaus und seine Familie, die aus den Angestellten besteht, auf. Ihm fällt es schwer, Hilfe zuzulassen, besonders von Menschen, die ihm nahe stehen.

Neben ulkigen Humor, den man glaub ich mögen muss, der aber definitiv das triste Wetter vertreibt, erschafft der Autor auch sehr emotionale Momente, gerade ganz am Ende des Buches musste ich mir doch ein paar Tränchen verkneifen. Auch die Momente zwischen Leon und Tayo waren entweder romantisch oder prickelnd und aufregend. Auch die anfänglichen Neckereien und die vorhandene, gegenseitige Abneigung am Anfang bringen einen lebendingen Schwung in die Geschichte. Wirkliche Spannung sollte man nicht erwarten, ist hier aber auch gar nicht von Nöten. Dies ist einfach nur eine Wohlfühlgeschichte zum Lachen und Träumen. Man möchte selbst mal einen Abstecher nach Namibia machen und die traumhafte Landschaft besichtigen. Man merkt beim Lesen, dass sich der Autor mit dem Land auseinander gesetzt hat. Zwar geht er nicht groß auf die Kultur ein, doch man lernt zu Leons Leidwesen kennen, was man dort für Leibgerichte hat. 😉

Alles in allem ist es eine in sich runde, unterhaltsame und gefühlvolle Geschichte, die zwar keine großen Überraschungen und Spannungen enthält, dies aber auch gar nicht benötigt. Sie überzeugt gerade durch die eher schlichte Geschichte, da man sie wunderbar zwischendurch lesen kann. Man lehnt sich zurück, schlägt das Buch auf und versinkt in der wüstenhaften Landschaft Namibias, begleitet Leon auf seinen wackeligen aber tapferen Schritten, sich in diesem Land zurechtzufinden und bangt gemeinsam mit Tayo um dessen Lebenstraum. Man erlebt mit ihnen einen rührenden Abschied und familiäre Momente, in denen es um Zusammenhalt und Aufopferung geht. Tayo muss halt lernen, dass man hin und wieder einen Chaosschweizer braucht, um glücklich zu werden ;).

Kritik:

Marc Weiherhof hat so seinen eigenen Humor, den man entweder mag oder doch eher lächerlich findet. Ich denke, es sollte jeder selbst rausfinden, ob er mit diesem zurecht kommt oder nicht. Auch wird es dem ein oder anderen zu kitschig und zu oberflächlich sein. Wirklichen Tiefgang sollte man nicht erwarten, da die Geschichte doch eher dafür geeignet ist, sie nebenbei zu lesen.

Fazit:

“Ich glaube, ich habe eine Raupe gegessen” ist eine rundum “Abschalten und Träumen”- Geschichte, in der der Oberchaot und Tollpatschrekordhalter Leon ein Fettnäpfchen nach dem anderen sein eigen nennt. Marc Weiherhof entführt uns ins ferne, heiße Namibia, malt traumhafte Landschaften, lässt uns den ein oderen Blick auf einen Geparden, ein Warzenschwein und Elefanten werfen. Gerade bei diesem doch recht trüben Wetter ist dieses Buch wunderbar dafür geeignet, ein paar Lesestunden darin zu versinken. Leon und Tayo sind ein, im wahrsten Sinne des Wortes, umwerfendes Gespann, die sich gegenseitig doch ganz schön auf die Palme bringen. Durch Leons ungeschickte Art verlockt er Tayo dazu, sich mit ihm einen Scherz nach dem anderen zu erlauben, was doch ein wenig wie Rache rüberkommt, für all die Bezeichnungen, die Leon für Tayo übrig hat und dass Leon so quietschig hoch schreit, dass Tayo die Ohren schrillen. Man stolpert mit den beiden von einer schrägen Situation in die nächste und kommt aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Wer also ein lustige und leichte Kost haben möchte, ist hier genau richtig. Es ist auf jeden Fall wert, Leon und Tayo kennen zu lernen.

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