4 Wölfe · Leseempfehlung · Rezension

“Herzleuchten“ – Katharina B. Gross

©Klappentext, Cover & Zitat: Forever Ullstein Verlag

 

Ebook: 3,99 / Taschenbuch: 13,00

Seitenzahl: 288

Verlag: Forever Ullstein Verlag

Release: 6. Mai 2019

Genre: Romance, Coming out

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”.

Klappentext:

Lukas ist tough. Er sieht gut aus und hat die eine oder andere Bettgeschichte. Nur mit Mädchen, versteht sich, denn alles andere wäre ja völlig unnormal. Doch dann trifft er auf einer Party Tim, der sich von dem großen, breitschultrigen Lukas nicht einschüchtern lässt. Lukas ist beeindruckt und bekommt Tim danach nicht mehr aus dem Kopf, obwohl er es versucht. Da hilft es auch nicht, dass er Tim schon bald wiedersieht und merkt, dass keine seiner vielen Freundinnen bisher solche Gefühle in ihm ausgelöst hat …

Tim weiß, dass er bisexuell ist, und das ist völlig in Ordnung so. Selbst seine Freundin Melanie weiß über seine Erfahrungen mit Männern Bescheid. Tim steht zu sich, auch allen Anfeindungen zum Trotz. Besonders von Lukas, diesen homophoben Vollidiot. Wieso also kommt es Tim so vor, als würden trotz allem zwischen Lukas und ihm Funken sprühen, wenn sie sich immer wieder zufällig über den Weg laufen? Aber Lukas ist noch nicht soweit und Tim muss sich entscheiden, ob er alles auf eine Karte setzen will …

Zitat:

“Sein Blick ist unverwandt auf mich gerichtet, sodass ich mich einfach nicht aus dem Bann seiner dunklen Augen befreien kann.”
“Als habe Tim gespürt, was in mir vorgeht, stößt er sich blitzschnell von der Tür ab und presst seinen Körper an meinen, drückt seine Lippen auf meinen Mund, sodass ich erschrocken zusammenzucke.”
“Und ich weiß genau, dieses Gefühl bleibt für den Rest unseres Lebens.”

Eigene Meinung:

Lukas ist nicht schwul. Er steht auf Mädchen und hasst Schwule. Das macht er auch immer wieder deutlich, er ist immer wieder der Erste, der das Maul aufmacht, wenn es heißt eine Schwuchtel zu demütigen. Doch auf einer Party ist da plötzlich Tim, der Lukas vollkommen den Kopf verdreht.
Tim ist bi und glücklich mit seiner Freundin Melanie. Er ist fast immer gut drauf und hat ein Grinsen auf den Lippen. Alles scheint perfekt, bis er auf Lukas trifft, der sein ganzes Leben auf den Kopf stellt und er sich fragen muss, ob er jemals solche Gefühle gehabt hatte.

Tim und Lukas kennt der ein oder andere vielleicht schon aus dem vorigen Buch “Herzflüstern”, in dem es um Markus und Julian ging, die auch hier immer mal eine kleine Rolle spielen und ihren Senf dazu geben, da Julian und Tim beste Freunde sind und dieser Tim immer mal untersützt.  Die Gegebenheiten zwischen Lukas und Tim aus diesem Buch wird man hier wiederfinden, was ich wirklich schön fand, da man von dort die beiden ja schon kannte. Hier erfährt man nun genauer, wie es sich zwischen den beiden entwickelt und wie sie zueinander finden.

Da sowohl Lukas als auch Tim kapitelweise abwechselnd zu Wort kommen, lernen wir beide nun auch genauer kennen, erfahren Lukas Beweggründe, warum er Schwule so hasst und was Tim in ihm auslöst und wie Tim mit der ganzen Situation umgeht und dass er sich entscheiden muss zwischen Melanie und Lukas.
Lukas lernen wir in “Herflüstern” als homophobes A… kennen, der vor allem Julian immer wieder schikaniert, beleidigt und demütigt. Er schreckt nicht davor zurück auch seine Fäuste sprechen zu lassen. Hier erfahren wir nun genauer, wie es dazu kam, dass er sich gegenüber Julian und anderen Homosexuellen so benimmt. Wie in wahrscheinlich vielen anderen Büchern spielt die Angst auch hier eine große Rolle. Auch wenn er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert und sich gegenüber Julian und Tim sich wirklich unmöglich verhält, wid er dennoch im Laufe der Geschichte einem sympathisch, da man seine Beweggründe kennt und man erfährt, dass viel mehr in ihm steckt als man ahnt.
Der Verlust der Mutter und die dadurch übertragende Verantwortung seiner Geschwister lässt erkennen, dass Lukas zu viel mehr Gefühlen fähig ist, als man auf dem ersten Blick vermutet.
Tim ist ein aufgewecktes Kerlchen, der mir schon in “Herzflüstern” sehr sympathisch war, da er Julian verteidigt und nicht auf den Mund gefallen ist, wodurch er wohl auch bei Lukas einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Nun lernen wir hier aber auch Seiten von ihm kennen, die ihn auch etwas unsympathisch erscheinen lassen. Er bedrängt Lukas manchmal recht hartnäckig, was Lukas zwar auch überzeugt, doch da Lukas jahrelang beinahe Panik vor seinen wahren Gefühlen und die darauffolgenden Konsequenzen hatte, hätte Tim ihn hin und wieder unterstützen können. Zwar wurde erwähnt, dass er das wohl angeblich getan hätte, doch es wird eher am Rande erwähnt, anstatt das man es mal miterlebt.

Da mich in “Herzflüstern” Lukas und Tim eher interessiert hat, als das eigentliche Pärchen bin ich wirklich froh, dass die beiden nun ihr eigenes Buch bekommen haben und eine Möglichkeit ihre Geschichte zu erzählen.
Die Autorin hat gut erklärte Gründe für Lukas Verhalten gefunden, das man sogar teils nachvollziehen kann und umso näher man ihn kennen lernt, umso mehr wünscht man sich, dass er endlich zu sich selbst findet und steht und sich selbst so akzeptiert, wie er ist. Lukas hat hier am meisten Eindruck hinterlassen, da seine Geschichte wirklich bewegend ist und man wirklich mit ihm mitfiebert, wie die Menschen in seinem Umfeld mit seinem Outing umgehen und bei dem Geständnis gegenüber seinem Vater kamen mir bei der Reaktion des Vaters sogar die Tränen.
Die Geschichte besonders um Lukas zeigt, wie sehr einen das Umfeld mitnehmen und beeinflussen kann, was die Autorin sehr überzeugend rüber gebracht hat und gleichzeitig zeigt sie auf, wie sehr die Liebe einen gefangen und mit sich nehmen kann, sodass man sowohl sein Umfeld aber vor allem auch sich selbst ändert. Man wächst über sich hinaus und sie kann einem helfen, der zu sein, der man eigentlich ist und zu sich selbst zu stehen. Doch nicht alles ist gut bei den beiden, was ich realistischer fand, als dass es gleich jeder akzeptiert, egal ob eigene Gefühle oder dass Lukas plötzlich auf Männer steht. Doch der Grund warum die meisten enttäuscht sind, war nachvollziehbar und schlüssig, da es wohl vielen so gehen würde, dennoch ist nicht gleich für alle alles geregelt, sondern zeigen, dass es immer noch die altbekannten Vorurteile gibt.

Da die Geschichte in der Ich-Perspektive  verfasst wurde, erlebt man die Gefühle der beiden viel intensiver, was einen mehr in die Geschichte mitnimmt. Leider wirkt es teilweise recht oberflächlich, als würden die beiden uns das ganze einfach erzählen, ohne wirkliche Gefühle. Außerdem macht uns die Autorin einige Situationen schmackhaft aber springt dann vor. Auch wiederholt sie mit Lukas einige Phrasen, die er sich immer wieder vorsagt, klar verdeutlicht das nochmal seinen inneren Kampf aber man hätte sich einige Situatuionen sparen können und den beiden nochmal mehr Raum geben können, bzw. dass sich Lukas um andere Dinge Gedanken macht. Auch bleibt die Geschichte recht eindimensional, es bleibt nur bei diesen inneren und äußeren Kämpfen, die zum Teil vorhersehbar sind, es ist beinahe nichts neues, was zwischen Tim und Lukas geschieht, da es diese teilweise schon in anderen Geschichten gibt. Durch die Art und Weise wie die beiden uns ihre Geschichte erzählen kommen sie eher so rüber als würden sie uns die Geschichte erzählen, anstatt sie zu erleben. So weiß Lukas meist schon, was Sache ist und erlebt diesen inneren Kampf nicht bewusst.
Mich haben die beiden dennoch mitgenommen, da ich auf ihre Geschichte so gespannt war, dass ich einfach an den Seiten kleben geblieben bin. Trotz allem ist es gefühlvoll und fesselnd, man hätte aber noch ein bisschen mehr rauskitzeln können.

Kritik:

Hin und wieder hätte man sich einige Phrasen seitens Lukas sparen können, da er sich mit einigen Aussagen wiederholt. Das verdeutlicht zwar seinen inneren Kampf, dennoch hätte man Tim und Lukas mehr Raum geben können und Lukas Gedanken hätten sich um andere Dinge drehen können.
Allgemein hätte man den beiden Charakteren mehr Gefühle zusprechen können, so wirkt es alles sehr oberflächlich und vor allem Lukas ist sich gleich allem bewusst, ohne erstmal zu zweifeln. Tim und Lukas wirken so teilweise wie Außenstehende, die uns ihre Geschichte erzählen ohne jegliches Gefühl.
Auch Tim hat zumindest bei mir einen teils negativen Beigeschmack hinterlassen, da er Lukas zu etwas überredet, was gegen dessen Prinzipien spricht.

Fazit:

“Herzleuchten” erzählt uns auf einfühlsame Weise die Geschichte von Lukas und Tim, die viele wahrscheinlich aus “Herzflüstern” kennen. Da mich die beiden in dem Buch schon etwas mehr gefesselt haben, als das eigentliche Pärchen, bin ich wirklich froh, dass die beiden nun ihr eigenes Buch bekommen haben. Mich hat ihre Geschichte auf jeden Fall gefesselt und es war spannend zu verfolgen, wie die beiden zueinander finden und warum Lukas so ist, wie er nun mal ist. Die Autorin hat sich nachvollziehbare Gründe ausgedacht, wobei der Hauptfaktor die Angst ist, nicht so akzeptiert zu werden, wie man ist, Es kostet Kraft und Mut zu sich selbst zu stehen und sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist. Mit intensives Momenten und übersprudelnden Gefühlen wird man bei Lukas und Tim konfrontiert. Mir haben zwar noch ein paar mehr Gefühle gefehlt, die noch ausführlicher hätten beschrieben werden können, da es so teilweise wirkt, als würden uns Lukas und Tim ihre Geschichte mehr nebenbei erzählen. Doch durch mitreißende Augenblicke wird die Geschichte dennoch packend, da Tim und Lukas sich gegenseitig beeinflussen und ihr Leben gegenseitig gehörig auf den Kopf stellen, sie beeindrucken sich gegenseitig und durch die beiden wird deutlich, was Liebe alles überwinden kann. Hin und wieder rühren ihre Gedanken oder die Reaktionen der Nebencharaktere einen zu Tränen und lassend einen nachdenklich zurück. Die beiden haben mich auf jeden Fall auf ein paar gefühlvolle Lesetunden mitgenommen.

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