5 Wölfe · Challenge · Leseempfehlung · Rezension

“Freibadfliesenblau” – Matti Laaksonen

©Klappentext, Cover & Zitat: Matti Laaksonen

 

Ebook: 3,99 / Taschenbuch: 11,99

Seitenzahl: 314

Verlag: Selfpublished

Release: 6. August 2021

Genre: Romance, Contemporary, Roadtrip

Klappentext:

»Keine Ahnung, du wirkst eher wie so ein … Punto-Typ.«
»Ein Punto-Typ?«
»Ja, weißt schon. Ein kleines Auto, sieht irgendwie süß aus, mit diesen großen Kulleraugen. Aber eben nichts Aufregendes.«

Henning kann es nicht fassen. Er soll die ganzen Sommerferien über in seinem Zimmer hocken und fürs Abi lernen? Nicht mit ihm. In einer kopflosen Aktion trampt er von Berlin bis zur Ostsee. Wenigstens für ein paar Tage will er dem Druck seiner strengen Eltern entgehen, abschalten und alles um sich herum vergessen.
John erfüllt sich nach dem bestandenen Abitur einen langgehegten Traum. Mit seinem ausgebauten VW-Bus ist er zu einem Roadtrip durch Skandinavien unterwegs. Es soll sein Abenteuer werden, doch über dem Vorhaben schwebt die Trauer um seine früh verstorbene Mutter.
Als sich die beiden begegnen, ändern sich ihre Pläne rasant und es beginnt eine chaotische Reise zu zweit, vorbei an finnischen Seen, durch lichte Wälder und kleine Städte.
Zwischen pinkem Flokati und Einhörnern kommen sich die beiden näher, doch ihre gemeinsame Zeit hat ein Ablaufdatum: das Ende der Sommerferien.

Ein sommerlicher Roadtrip durch Finnland. Enthält Einhörner, tiefe Gespräche, lustige Begegnungen und Lakritz.

Zitat:

“Seine blauen Augen, die exakt die gleiche Farbe wie die Fliesen des Beckens hatten, funkelten mich zornig an.”
“Es fühlte sich mehr und mehr wie ein Roadtrip unter Freunden an und nicht mehr wie ein Abenteuer mit einem Fremden.”
“Hauptsache wir waren hier. Zusammen. Das Hörnchen und sein Prinz.”

Eigene Meinung:

John hat sein Abitur abgeschlossen und will sich nun endlich einen lang gehegten Traum erfüllen. Mit seinem ausgebauten VW-Bus will er einen Roadtrip durch Skandinavien unternehmen, ein großes Abenteuer, bevor der Ernst des Lebens losgeht. Doch noch immer trauert er um seine verstorbene Mutter.
Henning soll über die Sommerferien in seinem Zimmer hocken und büffeln, doch darauf hat er keine Lust. Er schleicht sich davon und will von Berlin zur Ostsee trampen. Er will dem Druck seiner Eltern entfliehen und einfach mal abschalten.
Henning und John treffen unerwartet aufeinander, was ihre Pläne völlig über den Haufen wirft. Es beginnt eine chaotische Reise, an finnischen Seen vorbei, durch lichte Wälder und kleine Städte, Rentiere, die die Straße versperren und einem Weihnachtsdorf. Nicht nur, dass die beiden sich näher kommen, ihre gemeinsame Reise hat auch ein Ablaufdatum: das Ende der Sommerferien.

Eine Geschichte zum Loslassen und Abschalten, Abtauchen in die Bilder der finnischen Landschaft, Seen und Wälder, Rentiere, die die Straße blockieren, kaum befahrene Straßen, regnerische und sonnenreiche Tage. Matti Laakson schickt nicht nur die beiden auf einen Roadtrip, sondern hat zumindest mich direkt mitgenommen. Man genießt die Reise nach Skandinavien und begleitet John und Henning bei ihrer abenteuerlichen Fahrt mit dem ausgebauten T4 Manfred. Doch die Reise bleibt eher ruhig. Die beiden begegnen abgesehen von Renntieren, einem einsamen Förster und Jäger, der ihnen bei einer kleinen Autopanne hilft, einem Pärchen, dem sie mehr als einmal über den Weg fahren und weiteren Campern, ansonsten kaum einer Menschenseele.
Liebevoll und einfühlsam gestaltet der Autor die Geschichte von Henning und John, zwar haben beide ihre Päckchen zu tragen, müssen mit einem Verlust beide auf ihre Art umgehen, doch der Autor macht kein allzu großes Drama draus und bauscht es nicht unnötig auf. Der Umgang mit diesem Thema bleibt eher ruhig, wie die gesamte Reise der beiden. Ein großes, spannendes Abenteuer sucht man hier eher vergeblich, auch die Liebesgeschichte bleibt eher sanft und die Gefühle entwickeln sich langsam, allmählich und auch eher unbewusst. Aber aus diesem Grund mag ich dieses Buch. Man kann es einfach zur Hand nehmen, es sich gemütlich machen und Henning und John auf ihrer gemeinsamen Fahrt durch die skandinavische Landschaft begleiten, erleben, wie sich langsam Gefühle anbahnen und die beiden sich auf ihre Art entwickeln.

Und auch wenn die Geschichte eher ruhig bleibt, sich die Gefühle nur leise und langsam anbahnen, man kein großes Feuerwerk erlebt und von keinen überraschenden Wendungen überannt wird, so schafft es der Autor dennoch gerade mit dieser Vorgehensweise, große Emotionen zu hinterlassen. Zumindest erging es mir so. Gerade bei den letzten Seiten wird es nochmal hochemotional, ein Wiedersehen der besonderen Art, ein gefühlvoller Augenblick, bei dem selbst ich das ein oder andere Tränchen wegdrücken musste. Dieser Moment der Erkenntnis war einfach wirklich schön geschrieben und hat nochmal einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ich hatte erst die Befürchtung, dass mir das Buch zu langatmig und viel zu ruhig sein könnte und dadurch keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt. Es fällt mir schwer, genau festzumachen, wodurch der Autor mich überzeugt hat. Ob es Henning und John selbst sind, die Art wie der Autor ihre Geschichte schreibt und erzählt, die Beschreibung der Landschaften, der ulkigen, seltsamen und manchmal etwas durchgedrehten Nebencharaktere, auf die John und Henning treffen oder vielleicht auch alles zusammen.
Ich hab das Buch nur ungern aus der Hand gelegt, ich hab die beiden sehr gerne begleitet und für mich ist die Geschichte ein gelungenes Gesamtpaket, ich brauche keine Fortsetzung, weil einfach alles erzählt worden ist aber eins weiß ich definitiv, auch das nächste Buch des Autors nehme ich gerne wieder zur Hand.

Kritik:

Die Geschichte ist ruhig und schreitet langsam vorran. Wer eher ein flottes Geschehen bevorzugt und mehr Action erwartet, sollte erst gar nicht zu dem Buch greifen. Es kommen keine überraschenden Wendungen vor, die Charaktere machen jetzt keine riesen Sprünge bei der Charakterentwicklung und die Emotionen bleiben genauso sachte wie das allgemeine Geschehen. Es ist ein Roadtrip durch die skandinavische Landschaft, nicht mehr nicht weniger.
Trauerbewältigung spielt in diesem Buch eine große Rolle, worauf der Autor ganz am Anfang des Buches auch hinweist. Wer da also Schwierigkeiten mit hat und so etwwas gar nicht lesen möchte, sollte sich zweimal überlegen nach diesem Buch zu greifen, auch wenn der Autor wie gesagt aus dem Thema kein herzzerreißendes Drama macht.

Fazit:

“Freibadfliesenblau” eine gefühlvolle, mal verregnete, mal sonnenreiche Reise durch skandinavische Landschaften. Lichte Wälder, tiefe Seen, kaum befahrene, dafür von Rentieren gut genutzte Straßen, ein Weihnachtsdorf, in dem selbst im Sommer Weihnachtslieder durch die Straßen schallern, ein Pärchen auf Hochzeitsreise, ein einsamer Förster in einer gruseligen Holzhütte und mittendrin zwei junge Männer, die nur eins wollten, dem Druck und Trott entkommen, nochmal was erleben, bevor der Ernst des Lebens losgeht. Das Auseinandersetzen mit dem Verlust einer geliebten Person, unerwartete Gefühle, ein Vogelnarr und ein Prinz, eine Geschichte, in dem selbst ein Auto eine Persönlichkeit entwickelt und die große Liebe findet. Eine Liebe mit Ablaufdatum oder vielleicht doch nicht? Gemeinsames Sternegucken, Vögel beobachten, im See baden, Skateboarden, in ein Freibad einbrechen. Eine Geschichte bei der man selbst Lust bekommt, sich ein passendes Automobile zu schnappen und durch die Landschaft Finnlands zu tingeln, einfach mal die Seele baumeln zu lassen, den Kopf frei zu bekommen und sich eventuell zu verlieben. Eine einfühlsame, langsame und leise Erzählung über eine unerwartete Begegnung, der Entschluss gemeinsam zu reisen und sich eine Liebe, die mit jedem gefahrenen Kilometer intensiver wird, ein Abschied, der hinausgezögert wird, eine Erkenntnis, die vielleicht zu spät ist und ein Wiedersehen, der ganz besonderen Art. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.