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“Der Tischler und sein Stutzer” – Tharah Meester

©Klappentext, Cover & Zitat: Tharah Meester

 

Ebook: 5,99 / Taschenbuch: 16,99

Seitenzahl: 506

Verlag: Selfpublished

Release: 14. September 2016

Genre: Drama, Romance, Historisch, Krimi, (Fantasy)

 

 

 

 

Klappentext:

Der ehemalige Polizist und Waffenkenner Franco Deveraux unterstützt die Polizei Ascots bei der Ermittlung eines Mordfalles. Dabei gerät er selbst ins Visier des skrupellosen Täters. Ein Drohbrief weckt nicht nur alte Erinnerungen, sondern auch den ungezügelten Beschützerinstinkt eines Mannes, der in Francos Leben eigentlich nichts zu suchen hat – seines Strichers, der ihn mit seiner Ungezwungenheit um den Verstand zu bringen droht. Um für sein Auskommen zu sorgen, ist der Tischler Corvin Chancey gezwungen, anstatt seiner Möbelstücke sich selbst zu verkaufen. Sein Elend wird jedoch schlagartig zur Nebensache, als Franco in Gefahr zu schweben scheint. Instinktiv setzt er alles daran, den Mann zu beschützen, und bringt mit seinem Verhalten ihre Geschäftsbeziehung empfindlich aus dem Gleichgewicht. Plötzlich müssen beide ihre Gefühle füreinander überdenken. Ist es mehr als leidenschaftliche Begierde, das sie miteinander teilen?

Zitat:

„Franco Deveraux Schlafzimmer war für den Mann bestimmt, den dieser eines Tages lieben würde.“
“Eine Erkenntnis von überraschender Schlichtheit und grausamer Ehrlichkeit.”
“Nichts dem man einem zweiten Blick schenkte, wenn man denn überhaupt einen ersten darauf warf.”
“Kann ich dich nicht respektieren ohne mich dabei selbst zu erniedrigen?”
“Die verschnörkelten Kommoden aus Mahagoni , die ebenso elegant waren wie Franco, standen neben den rustikalen Sitzgelegenheiten und dem Tisch aus Walnuss, der so schlicht war wie Corvin. – Sie waren füreinander geschaffen.”

Eigene Meinung:

Selbst beim zweiten Mal lesen war ich wieder ganz gefesselt und habe mit Spannung verfolgt wie Franco und Corvin zueinander finden. “Der Tischler und sein Stutzer” war mein erstes Buch der Autorin und seit dem haben mich ihre Bücher in ihren Bann gezogen. Francos und Corvins Geschichte hat mich ab der ersten Seite gefesselt und mehr als nur einmal zu Tränen gerührt.

Chancey Corvin ist eigentlich Tischler, doch keiner schätzt seine Arbeit, weshalb er sich auf anderem Wege verkaufen muss und zwar seinen Körper. Sein Freier Franco Deveraux hat es ihm besonders angetan. Der ehemalige Polizist mit der Vorliebe für Waffen, die er sammelt und hegt und pflegt, holt sich den Stricher ins Haus, weil dieser angeblich nicht sein Geschmack ist. Warum er dies tut, solltet ihr selbst in Erfahrung bringen.

Mich hat die Geschichte der beiden sehr tief berührt. Sie wird uns von beiden erzählt, da die Sicht immer mal wechselt, so erfahren wir zu bestimmten Situationen, wie entweder Franco oder Corvin gedacht hat. Beide Charaktere strotzen nicht gerade vor Selbstbewusstsein, Corvin hält sich nicht für gut genug für Franco, er ist es nicht wert, denn er ist nichts als ein Stricher und seine Arbeit beurteilt er selbst als schlecht. Die geringe Wertschätzung seiner Arbeit findet er berechtigt und Lob kann er diesbezüglich nicht annehmen und empfindet sie als Hohn. Beim Lesen kamen mir mehrmals die Tränen und mein eigenes Herz hat sich hin und wieder zusammen gekrampft. Die Autorin schafft es die Gefühle und die Gedanken der beiden sehr nahe zu bringen und man spürt die innere Verzweiflung der beiden in jeder Zeile, wenn sie versuchen ihrer Gefühle Ausdruck zu verleihen.

Tharah Meester hat ein Faible dafür, dass sich ihre Charaktere prinzipiell falsch verstehen ;). Man möchte die Charaktere am liebsten nehmen und schütteln bis sie endlich das wirklich hören, was der jeweils andere ihnen sagen möchte. Doch genau das macht die Geschichte für mich so aus, die Spannung in dem Buch entsteht am meisten durch die langsam voranschreitende Beziehung der Protagonisten. Dennoch hat die Geschichte auch einen kleinen Krimianteil, in dem es um rätselhafte Mordfälle geht, in die Corvin sogar hinein gerät.

Der Schreibstil ist ungemein passend zu der jeweiligen Zeit, in der die Geschichte spielt. Die Bücher sind der viktorianischen Epoche angelehnt und dementsprechend fällt die Wortwahl aus, zwar fällt des öfteren das Wort “Scheiße” (wie oft, könnt ihr auf Tharahs Blog nachschauen 😉 ) dennoch hat der Schreibstil seinen ganz eigenen Flair, was für mich das Leseerlebnis noch intensiver gemacht hat. Es lässt sich flüssig lesen und es ist lebendig und detailreich gestaltet.

Was ich noch wichtig finde zu erwähnen ist, dass die Stadt Ascot gänzlich ausgedacht ist und es diese in der Form wohl nie realistisch gegeben hat, deswegen hab ich dieses Buch unter dem Genre Fantasy auch angeordnet, auch wenn sich der ein oder andere etwas anderes darunter vorstellt.

Kritik:

Was für mich kein Problem ist und gerade das Buch ausmacht, könnte für andere ein absoluter Graus sein. Sowohl der Schreibstil als auch, dass die Charaktere gefühlt nicht zu Potte kommen, ständig umeinander rum tänzeln und prinzipiell alles falsch verstehen. Das könnte den ein oder anderen nerven, man sollte sich also sicher sein, dass man “sich das antun möchte”.  Auch könnte der Schreibstil für einige zu speziell sein. “Kehle klären” ist eine häufig verwendete Art zu formulieren, dass sich der Charakter räuspert, mich persönlich hat das, wie gesagt, nicht gestört, ich fand es passend, es könnte aber auf die Nerven gehen, dass man nicht mal ein anderes Synonym benutzt. Das ist alles Geschmackssache, deswegen findet am besten selbst heraus, ob das etwas für euch ist :).

Fazit:

„Der Tischler und sein Stutzer“ war das erste Werk, was ich von Tharah Meester gelesen habe und seitdem zählen ihre Werke zu meinen Lieblingsbüchern. Mich hat hier am meisten bewegt, wie die Charaktere denken, wie sie fühlen und wie diese einem nahe gebracht werden. Diese Geschichte erzählt von zwei sensiblen und liebevollen Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die sich so viele Gedanken machen. Wer die Bücher von Tharah Meester kennt, weiß worauf er sich einlässt 😉 auf Charaktere die man hin und wieder am Kragen packen und durchschütteln möchte. Manch einem so wie mir, gefällt das ziemlich gut, manch anderem könnte es den letzten Nerv rauben. Aber gerade ihre Art zu denken, wie sie sich darum sorgen, was der jeweils andere von ihm denkt, genau das macht für mich dieses Buch so besonders, weil es so detailliert und auf eine ganz besondere Weise einem nahe gebracht wird.

Der Schreibstil ist fesselnd und gefühlvoll. Die Wörter sind passend für die Atmosphäre des Buches gewählt, sodass man sich noch besser in die Geschichte und die jeweiligen Charaktere hinein versetzen kann. Es gibt keine plumpen Wörter an unpassenden Stellen, doch es kommt in gewissen Situationen auch der Ernst und die Härte rüber, die das ganze noch authentischer rüber bringen. Was mich auch begeistert hat, ist, dass es trotz der Ernst der Lage, man hin und wieder schmunzeln musste.

Gerade das aneinander reiben der Charaktere und wie diese sich immer mal wieder auf ziehen, lockert das Ganze auf, dennoch fehlt es der Geschichte nicht an Spannung. Im Laufe der Geschichte konnte ich mich nicht entscheiden, was ich spannender fand, die Geschehnisse um die Mordfälle oder die Entwicklung der Beziehung von Corvin und Franco.

Ich war ab der ersten Seite direkt gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Man versinkt in eine ganz andere Welt und man durchlebt ein Wechselbad der Gefühle. Es findet ein ausgeglichener Wechsel zwischen Spannung und Ruhephasen statt, sodass man nicht mit Ereignissen überschüttet wird, dennoch wird es auch nie langweilig.

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