4 Wölfe · Challenge · Leseempfehlung · Rezension

“Auch bei Schwulen spukts” – Karsten Oliver Woellm

©Klappentext, Cover & Zitat: Main Verlag

 

Ebook: 5,99 / Taschenbuch: 13,00

Seitenzahl: 300

Verlag: Main Verlag

Release: 30. Oktober 2018

Genre: Mystery-Horror, Humor

 

Klappentext:

Ein gespenstisches Phantom in der schwäbischen Provinz. Paranormale Phänomene, Alpträume. Wie soll man damit fertig werden?

Samuel sucht bei seinem Partner Sebastian Hilfe, doch der schenkt seinen Geschichten wenig Glauben und hält sie für bloße Paranoia. Eine handfeste Beziehungskrise bahnt sich an.

Kurz darauf fordert das Phantom ein Opfer. Samuel wird in einen Strudel übernatürlicher Ereignisse verstrickt, der ihn an seinem Verstand zweifeln lässt, und in dessen Zentrum niemand anderes als er selbst steht.

Wird Samuel den Spuk beenden können?

Zitat:

“Ich wurde letztendlich dazu geboren, Menschen glücklich zu machen.”

Eigene Meinung:

Mit “Auch bei Schwulen spukts” hat Karsten Oliver Woellm ein gelungenes Debüt rausgebracht. Der Autor hat einen eigenen unverkennbaren Schreibstil, wodurch ich gleich ab der ersten Zeile gefesselt war.
Er erzählt uns Sammys Geschichte, der von einem unbekannten Wesen verfolgt und heimgesucht wird. Er lebt mit seinem Mann in einem schwäbischen Dörfle und führt ein beschauliches Leben. Bis er eines Tages fremden Fußspuren bis zu seiner Haustür folgt, die bis durch die abgeschlossene Tür führen und nachts eine unheimliche Gestalt vor seinem Haus stehen sieht. Durch diese wird er gezwungen, sich mit sich und seiner Vergangenheit auseinander zu setzen.
Die Geschichte überzeugt durch Wortwitze, eine gründliche Auseinandersetzung mit sowohl den Protagonisten als auch den Nebencharakteren, ich sag nur Schwaben ;). Am Anfang kommt man aus dem Lachen nicht mehr raus und vermeidet es, etwas zu trinken. Doch im Laufe der Geschichte wird man immer nachdenklicher und die Geschehnisse werden immer unheimlicher und ja beinahe makaber. Während am Anfang uns die Umstände erzählt werden, wie Sammy mit seinem Ehemann lebt und was er beruflich macht, was er bisher so erlebt hat nur grob angerissen wird, tauchen wir im Laufe der Zeit immer tiefer in Sammys Leben ein, zumal er uns die Geschichte aus seiner Sicht in der Ich-Perspektive erzählt, wodurch gerade eine tragische Situation später einem sehr unter die Haut geht. Sammys Gefühle werden einem nahe gebracht und dessen Lebensgefährte Sebastian bleibt auch nicht zu durchsichtig. Sammy erzählt uns das, was er nun mal weiß und das ist ausreichend, um sich über die jeweiligen Charaktere ein Bild machen zu können. Thaddeus ist auch ein Nebencharakter sowie Dorothea, die einem wirklich stark ans Herz wachsen, da sie Sam und Basti durch eine schwere Zeit begleiten, der eine mehr, der andere weniger.
Die Legende, die uns in dieser Geschichte erzählt wird, hat der Autor so überzeugend raus gearbeitet, dass ich selbst erstmal danach googlen wollte, was aber schon jemand übernommen hatte :D. (Und nein sie gibt es nicht, was ich aber durchaus geglaubt habe). Ich fand diesen mysthischen Teil der Geschichte sehr spannend. Der Autor hat es ins moderne geschickt umgesetzt, sodass die Herangehensweise der Charaktere auf diesen Mythos sehr gut nachvollziehbar ist. Bis zum Ende hin hab ich gedacht, dass die Geschichte ganz anders ausgeht, da das Vorwort auf etwas hindeutet, doch es kommt dann doch alles anders.
Schaut man beim Lesen mal quasi hinter die Kulissen stellt man fest, dass es nicht nur darum geht, den “schwarzen Mann” zu schnappen, Sammy muss sich mit einem Vorfall in seiner Vergangenheit auseinander setzen, die Beziehung zu Sebastian gerät ins Wanken und er erfährt mehr über seine Eltern, als er bisher geahnt hat. Dadurch macht vor allem Sammy eine große Entwicklung in der Geschichte durch aber auch sein Ehemann ändert sich, da ihm Sammys Schicksal doch sehr nahe geht.
Der sprachliche Stil hat mich bei diesem Buch am meisten überzeugt, es gibt einige Metaphern, es ist wird bildhaft und detailliert widergegeben und der Humor kommt nie zu kurz. Die vorkommenden Dialekte sind gramatikalisch gut ausgearbeitet und beim lesen hört man denjenigen reden und kann es sich gut vorstellen. Falls man mit dem Verstehen so seine Schwierigkeiten hat, kann man am Ende des Buches nachschauen, wo einem der schwäbische Text übersetzt wird ;).
Mich persönlich hat auch noch überzeugt, dass sowohl Sammy als auch Sebastian Menschen mit Stärken aber auch Schwächen und Mackern sind. Beide begehen Fehler, der eine ist schwerwiegender, der andere zieht einen indirekten Rettenschwanz an Folgen hinter sich her aber genau das macht einem die Charaktere auch sympathisch, sie sind nicht perfekt und haben jeder ihr Päckchen zu tragen.

Kritik:

Teilweise könnte die Geschichte eventuell etwas langatmig sein aber das kommt auf jeden selbst an, ob es einem nicht spannend genug ist oder dergleichen.

Fazit:

“Auch bei Schwulen spukts” ist ein gelungenes Erstlingswerk von Karsten Oliver Woellm, der uns auf humorvolle Art eine tiefgründige und auch gruselige Geschichte erzählt. Mich hat die Geschichte durch authentische und liebevoll ausgearbeitete Protagonisten und Nebencharaktere aber auch den humorvollen und individuellen Schreibstil überzeugt. Sammys Geschichte wird uns aus der Ich-Perspektive erzählt, wodurch uns gerade im weiteren Verlauf der Geschichte ein tieferer Einblick gewährt wird. Die vorkommende Legende zwingt Sammy dazu, sich mit seiner Vergangenheit, seiner Gegenwart aber auch seiner Zukunft auseinander zu setzen, ob er quasi mit dem zufrieden und glücklich ist, was er hat und was er erlebt hat, ob er etwas bereut, ob er sich wohl fühlt oder ob er nicht am liebsten sein ganzes Leben über den Haufen werfen wollen würde.  Ein angeblich verarbeiteter Vorfall wird nochmal ins Rollen gebracht und auch mit seinen Eltern muss sich Sam befassen. Der Autor hat den Mythos des Crendel so gut umgesetzt, sodass man danach googelt um sich selbst zu überzeugen, ob es diesen wirklich gibt. Außerdem hat mich der sprachliche Stil sehr angesprochen, er ist bildhaft und detailliert und wirft mit Metaphern um sich aber nicht zu vielen. Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass es um mehr geht, als nur sich eine Legende vom Leib zu halten. Der schwäbische Dialekt ist sehr gut ausgeführt und zum Glück befindet sich am Ende des Buches eine Übersetzung ;).  Es ist eine moderne Gruselgeschichte, die kein unnötigen Splatter braucht, sondern durch eine mysthische gut, ausgearbeitete und überzeugende Legende bis zur letzten Seite fesselt. 

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