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“Scheiß auf Ritter” – Akira Arenth

©Klappentext, Cover & Zitat: Akira Arenth

 

Ebook: 5,99 / Taschenbuch: 13,98

Seitenzahl: 440

Verlag: Selfpublished

Release: 29. November 2018

Genre: Humor, Fantasy, Romance

 

 

Klappentext:

Es war einmal … eine etwas andere Weihnachtsgeschichte.Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, eine Prinzessin zu sein? So eine richtig typische Zeichentrickprinzessin, die auch ohne Schminke immer blendend aussieht, deren Gesang Vögel anlockt und die superb kochen kann, ohne es je gelernt zu haben? Eine, die in einem großen, wunderschönen Schloss lebt, in dem sie täglich lachend durch die Flure hüpft, wartend auf ihren entzückenden Edelmann, der irgendwann auf seinem weißen Schimmel daherkommt!Brunhilde ist eine solche Prinzessin! Sie badet in ihrer lieblichen Naivität, hat wallende, rote Locken, die nie verfilzen, eine elfenhafte Figur, obwohl sie frisst wie ein Scheunendrescher, und goldgelbe Augen, mit denen sie jeden weich zwinkert … oder hart, je nachdem. Ihr Verhalten hat nur einen Nachteil: Niemand nimmt sie ernst und alle springen mit ihr um, als wäre sie ein Kind. Vor allem ihr älterer Bruder Uhrich kann es nicht lassen, sie ständig zu ärgern.Zum heiligen Weihnachtsfest soll sie nun endlich vermählt werden und erblickt, wie sollte es anders sein, unter den Bewerbern einen Blaublütigen, in den sie sich sofort verliebt. Ihr Glück scheint somit schon fast perfekt …Brunhildes Bilderbuchleben erfährt jedoch eine dramatische Wendung, als durch ein Versehen ein Spritzer Samen ihre reine Haut berührt. Dadurch trifft sie ein uralter Königstochterschämdichfluch und sie erlangt etwas, das wir mal vorsichtig “echtes Bewusstsein” nennen wollen. Fortan rutschen ihr die ungeziemtesten Sätze heraus und auch ihr Äußeres verändert sich drastisch. Ihre Stimme wird tief, ihre Schultern breiter und eines Tages sprengt ihre Genusswurzel den Keuschheitsgürtel – sehr zur Unfreude ihres Angebeteten. Aus lauter Verzweiflung nimmt sie ihr hochwohlgeborenes Dasein schließlich selbst in die Hand. Damit trifft sie eine Entscheidung, die nicht nur ihr Leben, sondern das des gesamten Königreiches verändert …

Ein ungewöhnlicher, historisch vollkommen inkorrekter Roman, mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor und einem ungewöhnlichen Happy End.

Zitat:

„Es gibt nur einen Mann, dem mein Herz gehört und der kann mich nicht retten…. weil er mich nicht liebt.“

Eigene Meinung:

Mit der Geschichte von der ach so liebreizenden Prinzessin Brunhilde, aus deren Sicht wir die ganzen Abenteuer erleben, erzählt Akira Arenth die Geschichte einer Prinzessin, die nicht nur gedanklich in einer rosa Blase lebt… Durch einen Fluch gerät sie in eine völlig neue Welt, die eigentlich die gleiche ist wie vorher, doch Brunhilde nimmt nun alles ganz anders wahr, so wie ihren sich veränderten Körper. Sie muss aus ihrem wohlbehüteten Zuhause fliehen und gerät in eine Welt in der sie sich so gar nicht auskennt, doch zum Glück trifft sie Moosbart, der gar keinen Bart hat :D.

Gleich mal eine Warnung vorweg, esst und trinkt nichts wärhrend ihr dieses Buch lest. Akira hat schon so seinen eigenen, schwarzen, derben Humor aber genau das macht für mich den Charme dieses Buches aus. Allein die Namen der Charaktere bringen einen zum schmunzeln, zwar wirken sie recht einfallslos aber ich denke genau das war der Sinn dahinter. Es ist so “stumpf”, dass es wieder gut ist, dieses altbekannte: Der Witz ist so schlecht, dass man erst recht lachen muss (Marke: der Ball rollt um die Ecke und fällt um 😀 ).

Akira Arenth hat für mich eine außergewöhliche und auf seine spezielle eigene Art zu schreiben, die mich bei jedem Buch in seinen Bann zieht. In “Scheiß auf Ritter” haut Akira auf seinen sonst üblichen Humor nochmal eine ganz große Portion drauf. Obwohl er nicht wirklich bildhaft schreibt, taucht man dennoch tief in die Geschichte ein, weil er einen ganz andere Perspektiven zeigt.

Brunhilde ist das klischeehafte Bild einer Prinzessin, sie kann glockenklar singen, sodass die Wachen des Palastes die Fenster öffnen müssen, damit die Vögel nicht dagegen fliegen (Als Mann lockt sie nicht unbedingt mehr Vögel an :D). Alles was ihr geschieht und was man ihr sagt, ist alles richtig, so denkt sie und alles muss genauso geschehen. Sie wird für den Leser offensichtlich gerade von ihrem Bruder beleidigt, doch sie sieht all das als Lob oder als Ausdruck der Liebe an, die ihr Bruder scheinbar für sie empfindet. Erst durch ihre Wandlung wird ihr einiges bewusst und sie fängt an, die Welt wirklich wahr zu nehmen. Sie erkennt worauf es wirklich ankommt, sie erlebt, dass die Welt gar nicht so rosig ist und dass sie ihr Leben lang in einer Blase gelebt hat. Es ist außerdem bemerkenswert, wie man bis zum Ende noch immer die Prinzessin vor Augen hat, obwohl man Schritt für Schritt miterlebt, wie sie ihre Wandlung durchmacht. Durch Brunhilde stellt man sich im Laufe der Geschichte die Frage, wer man eigentlich selbst ist, fühlt man sich selbst wohl im eigenen Körper und es wird einem bewusst, dass man selbst in einer Art Blase lebt und das Leid der umliegenden Welt vor sich verschließt.

Moosbart ist das genaue Gegeteil von Brunhilde. Er lebt im Wald (mehr möchte ich nicht verraten, was das betrifft) und ist in einer Welt aufgewachsen, die weder rosa Wände noch Regenbögen pupsende Einhörner (gibts nicht in der Geschichte aber als Metapher passt es perfekt) kennt. Er zeigt  Brunhilde das wahre Leben und gegen Ende hin hat er noch die ein oder andere Überraschung parat. Er ist einer meiner absoluten Lieblingscharaktere, da es ihn meiner Meinung nach auch nicht ganz gut getan hat, solange allein im Wald zu wohnen, obwohl er ja Knackich als treue Begleiterin hat.

Kritik:

Wer Akira Arenths Bücher kennt, wird mit dessen Art zu schreiben auf keine große Überraschung stoßen, für manche Neulinge könnte es eine hochgezogene Augenbraue oder ein verwundertes Grunzen entlocken. Es ist sehr übertrieben geschrieben, was manch einem nicht gefallen könnte und man genervt die Augen verdreht und das Buch aus der Hand legt.

Mir persönlich hat noch ein bisschen Hintergrund zu Moosbart gefehlt, man erfährt schon sehr viel über ihn aber ich hätte tatsächlich gern noch mehr erfahren und vielleicht auch das ein oder andere Kapitel aus seiner Sicht.

Fazit:

“Scheiß auf Ritter” ist ein “Märchen” der besonderen Art. Der Autor schafft es mit ungewöhnlichem Humor, ernste Themen nahe zu bringen.

Mit Brunhilde hat Akira die typische klischeehafte Prinzessin geschaffen, die in ihrer rosa Blase lebt. Ihre pinke Denkweise und diese ganze Prinzessinenklischees könnten zu Brechreiz oder Auge verdrehen führen, wenn nicht alles so übertrieben dargestellt wäre, dass man letztendlich nur lachen kann und gleichzeitig nachdenkt. Der Autor schafft einen besonderen Humor, der einen so sehr zum lachend bringt, dass einen die umsitzenden Leute schief angucken oder man Essen und Trinken wieder ausprustet (also lest es ohne Lebensmittel :D).

Hätte der vorhandene derbe Humor mich nicht überzeugt, dann aber spätestens der Aspekt, dass man trotz deftiger Sprüche und Wortwitze, sehr zum nachdenken angeregt wird. Vor allem befasst man sich mit der Frage: wer bin ich? Bin ich glücklich so wie ich lebe? Bestimme ich mein Leben eigentlich selbst?

In Ürkhs ist alles rosig und schön und jeder hat sich lieb, doch außerhalb von Ürkhs sieht alles ganz anders aus, was auch Brunhilde zu bedenken gibt. Und geht es uns selbst nicht auch so, jeder lebt in einer Art Seifenblase und verdrängt gern das Leid um einen selbst.

Brunhilde ist für mich der interessanteste Charakter in der ganzen Geschichte. Man weiß, sie ist in einem Männerkörper aber genau das ist der springende Punkt, sie ist eine Prinzessin im Männerkörper und man vergisst es nicht bis zum Ende. Moosbart kommt durch Bruhns Beschreibungen rüber, als wäre er schon über dreißig, dabei hat er gerade mal die 20 überschritten.

Es kommen überraschende Wendungen und Erkenntnisse und man sollte über manche komische Sätze und Begebenheit ein zweites Mal nachdenken, denn dann erscheint alles in einem ganz anderen Licht.

Lasst euch das Buch nicht entgehen, ich hatte es innerhalb eines Tages durch, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte und ich hab mich prinzessinenhaft amüsiert ;).

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