3 Wölfe · Geschmackssache · Leseempfehlung · Rezension

“Royal Affair I: Wie man einen Prinzen verführt” – Ray van Black

©Klappentext, Cover & Zitat: Ray van Black

 

Ebook: 4,99 / Taschenbuch: 14,00

Seitenzahl: 436

Verlag: Selfpublished

Release: 31. März 2019

Genre: Romance, Humor, Drama

Klappentext:

Ein einzelner Kuss löst einen Skandal aus, der das britische Königshaus in seinen Grundfesten erschüttert.

Oliver ist witzig, sieht aus wie ein Engel und er ist schwul. Bis auf die Angewohnheit, sich in Typen zu verknallen, die nicht gut für ihn sind, ist er mit seinem Leben als einfacher Student zufrieden. Als er in einem Club von einem mysteriösen und absolut umwerfenden Fremden geküsst wird, glaubt er, endlich seinen Traummann gefunden zu haben. Doch was sich anfühlt, wie der Beginn eines Märchens wird schnell zu einem Alptraum.
Als Olly herausfindet, dass der heiße Fremde der britische Kronprinz Jonathan ist; einer der begehrtesten Junggesellen der Welt – und noch dazu ein Frauenheld – kann er sein Pech kaum fassen. Plötzlich ist sein Gesicht überall in den Medien und die Presse lauert ihm auf. Um einen Skandal zu verhindern, müssen er und der Prinz fortan beste Freunde spielen.
Doch Olly entwickelt seine eigenen Pläne. Um sich an all den Typen zu rächen, die ihm das Herz gebrochen haben, beschließt er, den Prinzen zu verführen. Ein Unterfangen, das nicht nur seine Gefühlswelt, sondern auch den Fortbestand der königlichen Linie in ernste Gefahr bringen könnte.

Band 1 der royalen Liebesgeschichte um Kronprinz Jonathan und den androgynen Kunstgeschichtsstudenten Oliver.

Hinweis: Dieser Roman enthält Witz, Charme, heiße Jungs und detailliert beschriebene homoerotische Szenen.

Zitat:

“Ich fühlte nur noch diese warmen, rauen Lippen, die sich mit Selbstverständlichkeit auf meinen Mund pressten, dass mir schwindelig wurde.”
“Er beugte sich halb über mich und griff sich den Schraubenschlüssel heraus.”
“Trotzdem hoffte ich, dass dieses schier ewig anhaltende Vorspiel bald ein Ende finden würde.”
“Aber ich war mir nicht sicher, ob sie für mich noch genug sein würde.”

Eigene Meinung:

Oliver ist schlank, androgyn und hat langes blondes Haar, er sieht aus wie ein Engel, ein schwuler Engel, der sich allerdings immer in die falschen Typen verliebt. Seine beste Freundin Dany zwingt ihn auf eine dieser High Society Partys mitzugehen, worauf Olly eigentlich so gar keine Lust hat. Doch was wäre er für ein Freund, wenn er nicht doch mitgehen würde. Womit er nicht gerechnet hat, ist, dass er auf dieser ach so blöden Party, den Kuss seines Lebens bekommt. Doch als er herausfindet, dass der Kronprinz höchstpersönlich ihn geküsst hat, wird der anfängliche geglaubte Märchentraum zu einem wahren Albtraum. Denn der Kronprinz ist nicht nur abweisend und arrogant, sondern verleugnet auch seine wahren Gefühle, obwohl Olly es viel besser weiß oder vielleicht doch nicht?

Was macht man, wenn man sich in den Kronprinz höchstpersönlich verguckt hat? Genau das muss sich Olly auch fragen, auch wenn er anfangs sich vornimmt Jonathan vorzuführen, da er gar nicht so der charmante Mann ist, den alle von ihm zu sehen bekommen, in Wirklichkeit ist Jon ein verschwiegenes und eingebildetes A…. zumindest laut Olly. Doch umso mehr er Jon kennen lernt, umso mehr blickt er hinter die Fassade, denn genau das zeigt Jon allen, eine Maske. Doch Olly bekommt einen Blick auf seine wahren Gefühle, auf den wahren Jon, zumindest hin und wieder, denn auch Olly gegenüber ist er kühl und abweisend, zumindest versucht er es, doch Olly scheint eine Art an sich zu haben, die die Eismauer um Jon zum schmelzen bringt.

Olly erzählt uns die ganze Geschichte, zumindest hier in dem ersten Band der Reihe, was ich persönlich sehr schade fand, weil ich mir in gewissen Situationen Jonathans Gedanken gewünscht hätte. Zwar bekommen wir durch Olly einiges mit aber leider zu wenig, sodass Jons Beweggründe sehr schwammig bleiben und er dadurch ein recht unsympathischer Charakter wird, nur hin und wieder kann er glänzen, da man durch Olly dann doch mal ein nervöses Zucken oder dergleichen mitbekommt. Jonathan ist halt an sich ein sehr verschlossener Charakter, er versteckt sein wahres Selbst vor der Öffentlichkeit und steht weder zu sich noch zu seinen Gefühlen, stattdessen spielt er ein ganz großes Theater nur damit niemand merkt, dass er nicht wirklich der Fauenheld ist, für den ihn alle halten. Er scheint auch auf Männer zu stehen, steht aber weder dazu, noch will er es wahrhaben, warum, erfährt man allerdings nicht, auch nicht warum er sich so hinter einer Maske versteckt. Man kann es höchstens ahnen bzw. sich zusammen reimen, denn die adlige Gesellschaft scheint einen schwulen Kronprinzen nicht zu akzeptieren. Man weiß auch nicht, ob Jon diese Bürde auferlegt wurde oder ob er sie sich selbst auf die Schulter geladen hat, nach außen hin der tadellose, auf Frauen stehende Kronprinz zu sein. Als Thronfolger trägt man ja auch eine gewisse Verantwortung. Leider fehlt einem hier die gewisse Hintergrundinformation zu den königlichen und adligen Gegebenheiten, man weiß auch nicht wirklich, wo sich das ganze abspielt aber schätzungsweise ist es England.

Von Olly erfährt man allerdings alles, was ihn aber auch nicht zwingend sympathisch macht. Seine eher tollpatschige und naive Art ist schon recht liebenswert, doch gleichzeitig ist er sehr oberflächlich und teilweise zu naiv. Wenn man aber mal zwischen den Zeilen liest, merkt man, dass Olly einfach ein ziemlich romantisches Träumerle ist, er wünscht sich nichts sehnlicher endlich den Richtigen zu finden, doch seine Vorstellung von dem Richtigem sind recht unrealistisch und überromantisch, am besten muss sein Zukünftiger perfekt sein, doch es gibt keinen perfekten, auch wenn Jon nahe heranreicht. Doch ob Jon das wirklich ist?
Olly ist unreif und beinahe genauso arrogant wie Jon sich gibt, was es schwer macht, mit ihm warm zu werden, da er nur seltene Momente hat, wo man ihn einfach mal schwach erlebt, allerdings ist er wohl auch einfach noch ein Charakter, der sich noch entwickeln muss, leider spürt man davon im ersten Band nichts, was es schwierig macht, am Ball zu bleiben. Die Beziehung zu seiner besten Freundin Dany ist recht klischeehaft, Mädchenabende, Shoppingtouren und hin und wieder nicht hilfreiche Ratschläge, ab einer gewissen Situation fand ich sie sogar nur noch nervig und unnötig, da sie eigennützig und egoistisch handelt, anstatt Olly zur Seite zu stehen, allgmein trägt sie nicht wirklich was bei. Olly hört nie wirklich auf sie und sie regt ihn auch nicht wirklich an, über gewisse Handlungen nachzudenken.

Allgemein ist die Geschichte überhäuft mit Klischees, was auf der einen Seite sehr unterhaltsam sein kann aber mir persönlich war es to much. Das unreife, eingebildete Engelchen, das sich hoffnungslos in einen jungen Mann verliebt, sich das Ganze selbst nicht eingesteht und diesem hoffnungslos hinterher rennt. Ich dachte mir hin und wieder, dass er ihn doch einfach gehen lassen soll. Es zeigt aber auch, wie sehr Olly dafür kämpft, zum einen, dass Jon zu sich selbst steht und zum anderen, für die Liebe. Am beinahe unbefriedigsten fand ich das Ende, zwar beinhaltet es keinen Cliffhänger aber wie Jon und Olly ihre “Beziehung” handhaben ist enttäuschend und das Ende ist quasi erst der Anfang. Vereinzelt gibt es Lichtblicke zwischen den beiden, wo sie sich näher kommen, doch diese sind eher recht selten und machen die anderen gerade für Olly niederschmetternden Augenblicke kaum wett. Dennoch hat der Autor in diese doch intimen Momente viel Gefühl hinein gelegt, gerade in diesen erlebt man auch mal ein bisschen mit Jon, der gerade in solchen privaten Augenblicken mit Olly auftaut. Diese Augenblicke gingen mir auch wirklich nahe, da man für einen kurzen Moment hinter Jons Fassade blicken konnte und auch Olly steht gerade zum Ende hin, zu sich und seinen Gefühlen. Das muss ich Olly aber auch gut schreiben, im Gegensatz zu Jon steht er zu dem, wie er ist und will auch im Laufe der Geschichte nicht verleugnen, dass er auf Männer steht. Er bleibt auch gerade im Bezug auf seinen Ex standhaft und lässt sich auch von fiesen Mobber nicht sofort unterbuttern, obwohl ich glaube, dass ihm da einiges näher geht, als er zugeben will, also im Grunde trägt auch er eine Maske. Olly versucht auch in vielen Momenten, die allgemeine Situation aufzulockern und macht den Pausenclown, was ihm auch gelingt und er schon hin und wieder ein wirklich ulkiger und liebenswerter Zeitgenosse ist, der einfach manchmal ein wenig zu naiv durchs Leben stolpert. Außerdem hat der Autor ein wirkliches Händchen dafür, Charaktere zu schreiben, die einen als Leser zur Weißglut bringen und denen man am liebsten die Pest auf den Hals hetzen möchte ;). Wer mir allerdings sehr positiv aufgefallen ist, ist Jons Bruder Anthony, er sieht zwischen den beiden mehr als sie es selbst und ist, sobald Olly und er sich kennen lernen, immer für diesen da. Ich hoffe, dass man von ihm und seinem Leibwächter Ben noch mehr in den weiteren Bänden liest.

Auch wenn mich der erste Band nicht hundertprozentig überzeugen konnte, bin ich auf den nächsten Band gespannt. Ich hab mir während des ersten Bandes schon so meine Gedanken gemacht, wie es weiter gehen könnte und ich hoffe einfach, dass es nicht so sein wird, denn dann wäre es mir doch zu viel. Olly und Jon sind einfach zwei Charaktere, die ihre Zeit brauchen und sich erst langsam annähern, was auch seinen gewissen Reiz haben kann.

Kritik:

Zu viel Drama, zu viel Klischee, zu wenig Interaktion zwischen Jon und Olly, dafür viel gegenseitiges anschweigen, was erst zum Ende hin langsam lebendiger wird und man mehr Gefühl von beiden Seiten bekommt. Zumal die Geschichte auch nur aus Ollys Sicht geschrieben ist, sodass Jon sehr blass bleibt und so nicht nachvollziehbar ist. Aber auch Olly handelt teilweise nicht plausibel, er lässt sich gefühlt rumschubsen und alles mit sich machen. Ich hatte einfach meine Schwierigkeiten mit ihm, ich wurde nicht warm mit ihm und wirklich sympathisch wurde er mir auch nicht, da er sehr oberflächlich denkt und handelt und sehr naiv ist. Ich hoffe und vermute aber mal, dass sich das im Laufe der nächsten Bände ändern wird.Von Jon kam am wenisgten bei mir an, er spielt eindeutig allen etwas vor, vor allem auch sich selbst, ist unfair gegenüber Olly und behandelt ihn vor aller Augen nicht immer wie einen Freund, obwohl sie eigentlich diesen Eindruck erwecken sollen. Warum er das alles tut, erfährt man bis zum Ende nicht.

Dieses Buch ist überhäuft mit Klischees, shoppingwütige beste Freundin, die im Grunde genauso oberflächlich ist wie Olly selbst und deren Rolle beinahe überflüssig erscheint, da ihre Ratschläge teilweise weder hilfreich sind oder Olly erst gar nicht auf sie hört. Mädelsabende, Hilfe bei der Gaderobe und der Entscheidung, was man bloß anziehen soll und und und. Auf der einen Seite kann man dies sehr unterhaltsam finden oder es ist einem einfach zu viel.

Fazit:

Der erste Band von “Royal Affair” ist erst der Auftakt zu einer Geschichte voller Gefühl, Witz, vieler Klischees, Missverständnissen, unterdrückter Gefühle, kühler Blicke und zwei jungen Männer, die zum einen nicht wissen, was sie wirklich wollen und wenn sie es doch wissen, wollen sie es nicht wahrhaben. Ein einzelner Kuss stellt das Leben von Kunststudent Oliver und Kronprinz Jonathan vollkommen auf den Kopf. Der Eine verleugnet ihn, der Andere will noch mehr. Wie kommt man einem Kronprinzen näher? Wie verführt man ihn? Was tun, wenn sich dieser plötzlich vermählt? Ein Buch voller tollpatschiger Momente, kühlen Blicken, abweisendem Schweigen, viel Augenkontakt und unterschwelliger Gefühle, die erst zum Ende, so langsam an die Oberfläche kommen. Leider aber auch ein Buch, was mich nicht hundertprozentig überzeugen konnte, da der Hauptcharakter aber auch allgemein, der Großteil der Charaktere, entweder arrogant, eingebildet oder oberflächlich ist, Olly mir mit seiner verträumten, naiven Art zwar auch hin und wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hat aber mich auch die Augen hat verdrehen lassen. Trotz allem bin ich auf den folgenden Band gespannt, denn auch wenn dieses Buch mit keinem Cliffhänger endet, geht es doch erst richtig los und Olly ist ein Charakter, der sich wohl erst entwickeln muss, genauso wie die großen Gefühle und wer weiß, vielleicht bringt Olly den Eisklotz Jon doch noch zum Schmelzen, hier war er auf jeden Fall auf gutem Wege.

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