5 Wölfe · Challenge · Rezension · Top-Favorit

“Refugium: Seelenstaub” – Susann Julieva

©Klappentext, Cover & Zitat: Cursed Verlag

 

Ebook: 7,49 / Taschenbuch: 10,95

Seitenzahl: 332

Verlag: Cursed Verlag

Release: 22. November 2016

Genre: Urban Fantasy, Romance

 

Klappentext:

Poe läuft die Zeit davon: Von mysteriösen, dunklen Mächten gejagt, schlägt er sich mit seinem besten Freund Remy als Taschendieb und Trickbetrüger durchs Leben. Doch auch Remy flieht vor einem Schicksal, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt – wären da nicht Poes geheimnisvolle Kräfte, die das Blatt noch wenden könnten. Während ihre Lage immer bedrohlicher wird, begreift Poe, dass es für ihn keine Zukunft ohne Remy gibt, denn dieser ist der Teil seiner Seele, den er unmöglich verlieren kann…

Zitat:

“Wir beide gegen den Rest der Welt.”
“Remy folgte dem Impuls, der aus seinem tiefsten Innersten kam, und presste seine Lippen auf Poes.”
“Vielleicht war es Remy, der ihn leuchten ließ.”

Eigene Meinung:

Poe und Remy schlagen sich als Taschendiebe und Trickbetrüger durch die Straßen Englands. Sie haben kein wirkliches Zuhause und sind immer auf einen Sprung bereit. Denn sie werden gejagt aber nicht von irgendwem. Mysteriöse, dunkle Mächten verfolgen Poe und obwohl sie nur hinter ihm her sind, weicht Remy nicht von seiner Seite,  denn er selbst ist auch auf der Flucht, vor seinem eigenem Schicksal. Doch beiden wird klar, während sich die Ereignisse immer weiter zuspitzen, ohne den jeweils anderen wollen sie nicht sein, denn sie sind miteinander verbunden, auf die ein oder andere Art und Weise.

Selten schaffen es Charaktere mich so sehr zu fesseln und in ihren Bann zu ziehen. Das Schicksal von Poe und Remy hat mich an den Zeilen und Seiten festkleben lassen und es war wirklich schwer, mich davon zu lösen um überhaupt mal was zu essen, geschweige denn zu schlafen. Die Autorin beweist nicht nur ein Händchen für tiefgehende Gefühle dem Leser nahe zu bringen, sondern auch eine fantastische Welt weder zu überfüllt zu beschreiben dafür aber spannend und interessant zu gestalten. Obwohl ich geahnt habe, wie das Buch ausgeht, hat mich eine Szene in diesem Buch so sehr zu Tränen gerührt, dass die Buchstaben sich vor meinen Augen auflösten und ich kurz warten musste, damit ich weiter lesen konnte. Poe und Remy treiben einen durch eine Gefühlsachterbahn sondergleichen und schubsen einen gefühlt vom höchsten Punkt der Welt.

Mit Poe und Remy hat die Autorin zwei wirklich bewegende und berührende Charaktere erschaffen. Ihr Schicksal ist auf eine unbestimmte Weise miteinander verknüpft und auch wenn wir nicht alles von den beiden erfahren, reicht das, was sie uns präsentieren, vollkommen aus, denn das Einzige, was wirklich wichtig ist, ist zu wissen, dass die beiden mehr als nur brüderliche Zuneigung füreinander empfinden und sie für den Anderen einfach alles tun würden, sogar sterben, wenn es sein muss. Sie sind unzertrennlich, nichts und niemand ist dazu imstande. Sie schleichen anfangs umeinander herum, sind sich teilweise noch nicht mal über ihre eigenen Gefühle im Klaren und wagen es nicht, das was sie miteinander verbindet, durch ihre eigenen Gefühle zu gefährden. Sie unterdrücken ihre eigenen Gefühle, ihr eigenes Begehren und Verlangen um das Kostbare zwischen ihnen nicht aufs Spiel zu setzen.
Remy ist sich seinem eigenem Schicksal sehr wohl bewusst, Poe damit zu belästigen, erträgt er nicht, doch wenn er sich fallen lassen muss und kann, dann nur bei seinem jahrelangen Weggefährten. Er will in Poes Nähe immer Stärke zeigen, wodurch er diesen auch beeindruckt. Remy beweist durch sein außergewöhnliches Schicksal eine beeindruckende innere Stärke, mit dem er nicht nur sein eigenes Los akzeptiert, sondern sich auch schnell in einer Welt zurecht findet, die nicht seine ist. Poe sieht und beherrscht Dinge, die er selbst nicht wirklich versteht, Remy kennt notgedrungen ein Teil davon, doch er will ihn weder länger gefährden, noch will er, dass, wenn Remy erfährt, wer er wirklich ist, sich von ihm abwendet, denn das könnte er nicht ertragen. Er will Remy ein Zuhause bieten, doch bisher gab es nicht die Möglichkeit. Er stellt sich erdrückenden Mächten in den Weg, all das nur um Remy zu beschützen und am meisten beschützen, will er ihn vor sich selbst.
Beides sind starke Charaktere mit Schwächen und schwachen Momenten, was sie authentisch und greifbar macht. Sie haben Wünsche und Sehnsüchte und gerade der Fakt, dass sie für den jeweils Anderen ihr Leben geben würden, genau das hat die Autorin durch Gedanken und emotionale Momente dem Leser so nahe gebracht, dass man mit ihnen leidet, lacht, weint, verzweifelt und schlussendlich glücklich wird.

Durch einen ergreifenden, mitreißenden und packenden Schreibstil bringt uns die Autorin die Gefühls- und Gedankenwelt der beiden näher. Doch nicht nur Remy und Poe tragen etwas zur Geschichte bei, hin und wieder wechseln wir zu dem kühlen, unberechenbaren und unbarmherzigen Erinnye namens Dante, der im Gegensatz zu seinen Brüdern und Schwestern Poe beistehen will und da gibt es noch das Refugium, eine Art Krankenhaus und sicherer Rückzugsort für solche wie Poe. So wachsen einem nicht nur die Protagonisten ans Herz, sondern auch Nebencharaktere bekommen eine bedeutende und tragende Rolle, sodass das Schicksal einer Figur, zumindest mir sehr nahe ging, was mich selbst sprachlos zurückließ. Auch wenn sie nur selten eine Gelegenheit bekommen, uns ihre Sicht der Dinge zu erzählen, rundet diese die Geschichte ab und ergänzt Remys und Poes Eindrücke der Welt, außerdem bekommen wir so einen indirekten und kleinen geschmack auf weitere Bände.

Mit dem Refugium schafft die Autorin eine außergewöhnliche, fantastische Welt, die viel mehr beinhaltet als Dämonen, Engel, Vampire und Werwölfe. Diese hat sie lebendig und bildhaft gestaltet, sodass man sich diese gut vorstellen und nachvollziehen konnte. Umso mehr freut es mich, dass die Autorin noch nicht alles um die fantastische Welt rund um das Refugium erzählt hat. Das Buch endet aber nicht mit einem Cliffhänger, sondern ist in sich abgeschlossen, dennoch hoffe ich noch mehr von Remy und Poe lesen zu können, auch wenn ihr Geschichte an sich erzählt worden ist, doch die beiden nehmen einen so regelrecht gefangen, sodass man am Ende enttäuscht ist. Man hätte gerne noch mehr von den beiden gelesen.

Kritik:

Da dies erst der Anfang ist, wird die fantastische Welt noch nicht gänzlich vor einem ausgebreitet, sodass einige Rätsel und Fragen ungeklärt bleiben. Dies kann einen unbefriedigt zurücklassen, da man nun doch erst auf den nächsten Band warten muss. Auch das Schicksal um Poe scheint ja weltentscheidend zu sein, doch wie genau, bleibt auch hier noch ungeklärt.

Nur grob erfährt man etwas über Poes und Remys Vergangenheit, was mir an sich vollkommen gereicht hat, da das Hier und Jetzt eine viel entscheidendere Rolle spielt, zumal die Autorin es auch so schafft, die starke Verbindung zwischen ihnen zu beschreiben, dennoch hätten rückblickende Momente oder Rückblenden das Ganze abgerundet und es eventuell noch deutlicher gemacht.

Fazit:

“Wir beide gegen den Rest der Welt!”, genau das Zitat beschreibt die Bindung zwischen Poe und Remy aus “Refugium: Seelenstaub” wohl am besten. Zwei unzertrennliche Freunde, die sich gemeinsam durch die regnerischen und grauen Straßen Englands mit Hilfe von Diebstahl kämpfen, durch Poes Sprunghaftigkeit nicht mal ein Zuhause suchen können und sogar ihr eigenes Leben für den jeweils anderen opfern würden. Tiefe und berührende Gefühle, fantastische Wesen, lebendige Nebencharaktere und zwei Männer, die alles füreinander tun würden, all das erwartet uns hier und noch vieles mehr. Ein wirklich berührender und spannender Schreibstil fesselt einen an jede Zeile und Remy und Poe lassen einen nicht so schnell wieder los. Mich haben zwei Charaktere seltenst so in ihren Bann gezogen. Ihre Gefühle und Gedanken werden einem auf so einfühlsame und emotionale Weise übermittelt, dass man sich auf jeden Fall ein paar Taschentücher bereit legen sollte. Doch nicht nur ihr Schicksal zieht einen in die Seiten des Buches, Charaktere wie Dante, Ettie, Ayako und Penn sollte man sich nicht entgehen lassen. Es endet mit keinem Cliffhänger, dennoch kann ich den nächsten Band nicht erwarten und hoffe, Poe und Remy wiederzu treffen.

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