5 Wölfe · Challenge · Leseempfehlung · Rezension

“Grenzgänger – Satisfy a Satyr” – Akira Arenth

©Klappentext, Cover & Zitat: Akira Arenth

 

Ebook: 6,99 / Taschenbuch: 16,90

Seitenzahl: 620

Verlag: Selfpublished

Release: 13. Februar 2019

Genre: Romance, Drama, Coming of Age, Contemporary

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”.

Klappentext:

Berlin 2001. / Die Freiheit, die Jack und ich erfuhren, war so paradox wie ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite war ich glücklich, dass mich endlich keine Mauern mehr aufhielten, andererseits wurde mir schnell klar: Der Alltag kann in all seiner stupiden Routine noch erdrückender sein als jede Zelle in einer Haftanstalt. Als wir nach dem Jugendgefängnis und unserer Flucht aus den Staaten zum ersten Mal die Kälte deutscher Winter am eigenen Leibe spürten, überfiel mich eine Ohnmacht der Hoffnungslosigkeit, welche mich stärker als je zuvor in meine Sexsucht und damit auf den Strich zwang. Doch schon bald gesellte sich noch eine zweite Abhängigkeit hinzu, die mich und meine Seele beinahe zerfraß: Heroin.Ich hatte nichts mehr zu verlieren und hätte sogar den Tod gleichgültig hingenommen, nur um noch einen weiteren Schuss zu kriegen und einen letzten Augenblick glücklich zu sein. Doch dann wendete sich das Blatt und ich schaffte es endlich, etwas in mir zu entdecken, das ich längst verloren glaubte: Meinen Willen zu überleben – für die Menschen, die ich liebte. Dies ist der zweite Band der dreiteiligen Roman-Serie, basierend auf wahren Begebenheiten. (Dieses Buch ist die überarbeitete Neuauflage von “Satisfy a Satyr”)

Zitat:

“>> Kommer her<<, raunte er mir liebevoll zu und legte einen warmen Arm um mich, während er mich sanft auf die Stirn küsste.”
“Es ist völlig egal, welches Aftershave du benutzt, ob du dir die Haare schneidest, dich Aiden, Brandon oder Jack nennst. Ich weiß, wie sich dein Körper anfühlt und wie dein Knurren klingt, wenn dir was nicht passt. Glaubst du wirklich, ich würde dich nicht erkennen, nur weil ich dich nicht sehe?”
“Über die Hälfte der männlichen Löwen haben kein Rudel, sondern ziehen mit einem zweiten, kleineren Männchen durch die Prärie.”
“Indem er ihn einfach ehrlich liebt und ihm alles gibt, was er will…”

Eigene Meinung:

Für Kestejoo und Jack beginnt ein neues Leben, als sie endlich in Deutschland landen. Doch mit dem wenigen Geld in der Tasche kommen sie nicht weit. Sie bekommen nicht mal ein Zimmer in der schäbigsten Jugendherberge, sondern nur ein kleines Kämmerchen, aber immerhin besser als nichts. Während Jack als Türsteher zumindest etwas Geld dazuverdient, weiß Kestejoo nichts mit sich anzufangen. Was soll er tun? Er kann nichts außer seinen Körper anbieten, so denkt er. Also landet er letztendlich bei einer Agentur, die genau das anbietet, womit Kestejoo dienen kann. Doch nicht nur beruflich kommt er auf die falsche Bahn, auch zwischen ihm und Jack kriselt es und dann wären da noch die Drogen, die Kestejoo immer wieder zu sich locken.

Wie schon beim vorigen Band bleibt man auch hier wieder eine Weile sprachlos zurück, auch wenn der erste Band doch “schockierender” war. Während sie in Grenzgänger 1 erst zueinander finden, starten Jack und Kestejoo nun ein gemeinsamen neues Leben und sind ihr einziger gegenseitiger Halt. Gerade für Kestejoo ist Jack der einzige Anhaltspunkt und bleibt es auch eine ganze Weile, bis er jemandem begegnet, der ihm genau wie Jack zur Seite steht. Der zweite Band liest sich beinahe wie eine Zwischenphase, zwischen kennen lernen und endgültig zusammen bleiben, dennoch beinhaltet er wichtige und lebensverändernde Wegpunkte. Es geht ums suchen und finden und diesmal geht es nicht um den Partner oder ähnliches, denn den hat Kestejoo durch Jack definitiv gefunden, auch wenn es doch noch hin und wieder zu Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen kommt, sondern viel mehr muss Kestejoo auf harte Art lernen, wer er selbst ist, was ihn ausmacht, was kann er und was vor allem will er. Er durchlebt Höhen und Tiefen, fliegt weit nach oben und landet schmerzhaft auf dem Boden der Tatsachen. Er beweist Mut und zeigt einem, dass egal wie sehr man abstürzt, wie tief man fällt, es kann sich immer wieder lohnen, aufzustehen und weiter zu machen und dass man auch mal Hilfe annehmen sollte, auch profisessionelle, um auf sein Leben wieder klarzukommen.

Wieder hat der Autor die Geschichte in der Ich-Perspektive geschrieben, bzw. hat sie entsprechend umgeschrieben, was wirklich eine gute Entscheidung war. Kestejoos Gedanken und Gefühle berühren den Leser gleich noch eine Spur stärker. In diesem Band erfährt er einige Dinge über sich selbst, die ihn auch im Bezug zu seiner Beziehung zu Jack ins Grübeln bringen. Von anfänglicher Prositution, die Akria Arenth wirklich ungeschönt darstellt, über den heftigen Drogenabsturz, der einem schockierend vor Augen führt, was alles bei exessziven Drogenmissbrauch passieren kann, bis hin zur ersten Therapiesitzung.  Wieder fragt man sich, was ist davon wirklich passiert? Wie viel ist dazugedichtet? Der Leser nimmt durch Kestejoos Augen und Gedanken die Welt war, man hat das Gefühl, am eigenen Leib zu erleben, wie die Welt um einen aus den Fugen gerät und man die Kontrolle verliert. Akira Arenth hat eine direkte und ungeschönte Art zu schreiben, sowohl in den Alltagsmomenten aber auch beim Sex, dabei ist es aber nie niveaulos oder plump. Dabei baut der Autor auch noch den für ihn typischen Sarkasmus ein, was einen sogar hin und wieder zum lachen bringt und das Ganze ein wenig auflockert, es aber nicht fehl am Platze wirkt. Auch lässt er die Charaktere Entscheidungen treffen, die zwar schwer zu verdauen sind aber nicht aus der Luft gegriffen, sie sind dennoch nachvollziehbar.

Denkt man anfangs noch Jack hat sich beinahe um 180 Grad gedreht, erfährt man im Laufe der Geschichte, dass er sich nicht ganz von seinen Lastern lösen kann. Dennoch diese starke Verbindung zu Kestejoo bleibt weiterhin bestehen. Er würde für ihn alles tun und ohne einander können sie beide nicht mehr leben. Jack versucht alles in seiner Macht stehende, um Kestejoo ein besseres Leben zu bieten, doch er macht immer noch schwerwiegende Fehler. Er ist unperfekt perfekt, versucht das Richtige zu tun, dennoch ist seine Art über Dinge zu denken, nicht immer ganz verständlich und bringt ihn und Kestejoo doch mal in Schwierigkeiten. Aber gerade weil beide so unperfekt sind und ihre Macken haben, die man immer wieder miterlebt, passen sie so gut zusammen. Sie ergänzen sich auf ihre Weise und bereichern ihr Leben, mal positiv, mal negativ. Sie können auf jeden Fall nicht ohne einander, was später sogar infrage gestellt wird, ob das Ganze nicht sogar doch eher ins krankhafte abdriftet. Sie müssen beide aneinander arbeiten und beide sind sie füreinander da. Dennoch hat man bei Jack noch immer das Gefühl, er verlangt von Kestejoo mehr als das er gibt und dann gibt es wieder Momente, da scheint es wieder ganz anders. Ich bin mir tatsächlich noch immer ein wenig unsicher und der dritte Band wird auf jeden Fall noch verschlungen, um endlich Klaheit zu schaffen.

Während im ersten Band das Kennen lernen und die Beziehung im Vordergrund stand, rückt sie hier ein Stück in den Hintergrund, auch wenn sie immer noch sehr präsent ist. Kestejoo verheimlicht vor Jack seinen Job und mit wem er alles ins Bett steigt, was später zu einigen Spannungen führt, doch Jack erlaubt sich auch noch einige Fehltritte. Dennoch geht es hier in diesem Band vor allem darum, dass Kestekoo herausfindet, wer er wirklich ist. Was macht ihn aus? Was kann er noch außer Sex? Er holt seine Vergangenheit auf, begegnet einem Menschen, der sein ganzes Leben auf den Kopf stellt und diesmal so ganz anders als Jack. In diesem Band beginnt Kestejoo nach mehrmaligen Abstürzen endlich sein richtiges Leben und  kann sich vor allem auch auf sich selbst einlassen. Denn davor hat sich Kestejoo bisher immer verweigert, sich mit sich selbst zu befassen und herauszufinden, wer er wirklich ist. Bisher war Jack auch immer seine einzige Stützte, die einzige wirkliche Konstante in seinem Leben, man kann es schon als Abhängigkeit beschreiben, die eigentlich nicht gesund ist. Dennoch trennen sollte man sie nicht, sie müssen nur lernen, wie sie miteinander umgehen sollten. Es steht auf jeden Fall fest, dass niemand besser weiß, wie der andere tickt.

Eine wirklich gelungene Fortsetzung, die einen wieder mal nachdenklich zurücklässt. Ich bin nun sehr auf den letzten Band gespannt.

Kritik:

Auch hier sollte man sich durch einen Blick in die Leseprobe versichern, ob das wirklich was für einen ist. Szenen werden hier sehr deutlich und nah beschrieben. Auch bleiben die Nebencharaktere eher nebensächlich und man bekommt nur einen so tiefen Einblick, wie es uns der Ich-Erzähler erlaubt. Zumal ist die Erzählweise aus der Ich-Perspektive wahrscheinlich nicht jedermanns Sache.

Fazit:

Mit “Satisfy a Satyr” geht die Grenzgängerreihe von Akria Arenth in die zweite Runde. Gelandet in Deutschland und somit in einem völlig neuen Abschnitt ihres Lebens, erwarten Kestejoo und Jack diesmal ganz andere Hürden. Während Jack durch einen Türsteherjob zumindest etwas Geld ranschafft, ist Kestejoo vorwiegend damit beschäftigt zu sich selbst zu finden. Prostitution, Drogen, gefährliche Abstürze, neue Bekanntschaften, Krise in der Beziehung, Trennung und der steinige Weg zu sich selbst, all das erwartet uns. Diesmal ließ mich das Buch nicht ganz so sprachlos zurück, dennoch nachdenklich. Wir haben hochemotionale Momente, vor allem zwischen Jack und Kestejoo, wo man wieder merkt, dass die beiden einfach zusammen gehören, weil sie einfach alles überstehen und nicht ohne einander können, aber auch Momente, wo man selbst nicht weiß, wie soll es nun weiter gehen. Wieder eine mitreißende Gefühlsachterbahn mit Höhen und Tiefen, Höhenflügen und haarscharfen Abstürzen. Immer noch sehr bewegend, in was für eine Geschichte, wo man nicht weiß, wo steckt Wahrheit dahinter und was wurde dazugedichtet, uns der Autor entführt. Man denkt selbst über das nach, wer man ist, was man kann und ist man mit dem glücklich, was man hat, wie man lebt. Hier findet vor allem Kestejoo zu sich selbst und lernt mehr über sich und die Menschen in seiner Umgebung. Eine wirklich packende Gerschichte auf deren endgültiges Ende ich nun umso gespannter bin.

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