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“Dornenritter” – Kaja Evert

©Klappentext, Cover & Zitat: SadWolf Verlag

 

Ebook: 5,49 / Taschenbuch: 14,99

Seitenzahl: 454

Verlag: SadWolf Verlag

Release: 30. September 2021

Genre: Romance, Dark Fantasy, Noir Fantasy

Klappentext:

Das Königreich versinkt in Dunkelheit. Steyn hat nur ein Ziel: Ritter des Lichts zu werden. Er will die Finsternis bekämpfen und das Rätsel um den Tod seines Vaters lösen.

Der Weg in den Orden führt über die Grenze der ewigen Nacht hinaus, wo Steyns erbitterter Rivale Gavin bald zu seinem einzigen Halt wird. Verzweifelte Kämpfe und schwere Verluste binden die beiden grundverschiedenen Männer aneinander. Doch während Steyn gegen die Düsternis in seiner Seele und seine widersprüchlichen Gefühle für Gavin kämpft, hütet der sein eigenes schreckliches Geheimnis, das die Loyalität der beiden zueinander auf die Probe stellt.

Nur langsam erkennt Steyn, dass die Ritter des Lichts nicht das sind, was sie zu sein scheinen – und dass sich die tiefste Dunkelheit dort ausbreitet, wo das hellste Licht strahlt.

Zitat:

“Doch er schlug nicht den Blick nieder, wie es Steyns Rang verlangt hätte, stattdessen sah er ihn direkt an.”
“Sein Mund bahnte sich den Weg Steyns Hals hinunter, der Bart kratzte ihm über die Haut.”
“Mit Euch an meiner Seite, mein Leuchtfeuer, wird mein Pfad hell sein.”
“Verwirrung und Wut, Abscheu und Sehnsucht, Geborgenheit und kurze, flammende Augenblicke der Erlösung. Und zuletzt so viel mehr, Freundschaft und Liebe.”

Eigene Meinung:

Bild: Kaja Evert, Hintergrundgestaltung (im Print): Jaqueline Kropmann

Steyn Rabenstern hat ein Ziel: er möchte ein Ritter des Lichts werden, um gegen die Dunkelheit zu kämpfen, in die seit jeher das Königreich versinkt. Immer mehr verschlingt sie, die Menschen verfallen dem Wahnsinn. Steyn will rausfinden, was seinem Vater widerfahren ist, der eines Nachts wie von Sinnen von einer seiner Missionen zurückkehrt. Um in den Orden zu gelangen, muss er mit anderen Rekruten eine Mission erfolgreich erfüllen. Doch kaum haben sie die Grenze zur Finsternis überwunden, wird sein erbitterter Rivale Gavin der Gerber plötzlich zu seinem einzigen Halt. So hat Steyn nicht nur mit der Dunkelheit zu kämpfen, die sich langsam in ihm auszubreiten droht, mit einem Mal sind da auch Gefühle für einen gewissen Gerber, die er nur schlecht leugnen kann und die doch so sehr gegen die Tugenden der Ritter des Lichts sprechen. Doch nicht nur Steyn hat mit sich und seinen Gefühlen zu kämpfen, auch Gavin scheint ein schreckliches Geheimnis mit sich zu tragen, das alles, was die beiden bisher miteinander verbunden hat, auf die Probe stellt. Als wäre das nicht genug, erkennt Steyn langsam, dass die Ritter des Lichts nicht das sind, was sie zu sein scheinen.

Kennt ihr das: ihr seid im Kino, es wird dunkler, die Werbung kann man noch schnell nutzen, um sich was zu knabbern zu holen und dann gehts los. Der Film ist fesselnd, man taucht in eine andere Welt ein und vergisst alles um sich herum. Man lacht, weint, Popcorn landet überall nur nicht im Mund, so gebannt starrt man auf die große Leinwand. Man ist (meistens) für den Helden, feuert ihn an, weint beim Tod eines lieb gewonnenen Charakters, verwünscht (meistens) den Bösewicht und natürlich hofft man, dass am Ende das Gute gewinnt. Und dann ganz plötzlich spielt der Abspann und langsam wird es wieder hell. Ich habe dann meistens diesen einen Moment, in dem ich erst in die jetzige Welt zurückfinden muss. Als ich dieses Buch beendet habe, erging es mir genauso. Für mich war es, als würde ich einen Film im Kino schauen und als ich dann das Wörtchen Ende las und nur noch die Danksagung kam, musste ich blinzeln, um wieder ins Hier und Jetzt zurück zufinden. Wie, es ist schon vorbei?

Bild: Kaja Evert, Hintergrundgestaltung (im Print): Jaqueline Kropmann

Dark Fantasy und queer, zwei Genre, die ich beide unglaublich gerne lesen und dann auch noch zusammen. Ich musste das Buch einfach lesen und wurde zum Glück nicht enttäuscht. Das Buch hätte gut und gerne noch ein paar Seiten mehr vertragen, um halt noch ein wenig mehr aus allem rauszuholen. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass die Gefühle seitens Steyn doch recht schnell da waren. Der Auftakt beginnt spannend, treffen Steyn und Gavin das erste Mal aufeinander, sie müssen zusammen eine Mission erfüllen. Hier hat sich die Autorin Zeit gelesen und uns mit in die Finsternis genommen. Ab Akt 2 hatte ich hin und wieder das Gefühl, es geht verdammt schnell. Es gab ein paar Zeitsprünge, die im Text ein wenig nebenbei erwähnt wurden und es kam mir wie eine kleine Zusammenfassung der Geschehnisse allgemein um Steyn vor, da Gavin erstmal ein wenig außen vor bleibt. Klar die Reise zum Schicksalberg hat auch seine Zeit gedauert aber zumindest beim Film hatte ich nicht das Gefühl, nur Zeitsprünge mitzuerleben, hier allerdings schon.

Bild: Kaja Evert, Hintergrundgestaltung (im Print): Jaqueline Kropmann

Dennoch bleibt es spannend, es ist mehr meckern auf hohem Niveau. Es gab Augenblicke, da habe ich geahnt, wo das Ganze hinführen könnte, einige Charaktere kamen mir schon von Anfang an dubios vor aber ich hab bis zum Ende gerätselt, woher diese Dunkelheit denn nun eigentlich kommt. Die Auflösung fand ich interessant und der Epilog hat mich zum Zweifeln gebracht, ob es wirklich so abgelaufen ist, wie Steyn und Gavin das erlebt haben.

 

Bild: Kaja Evert, Hintergrundgestaltung (im Print): Jaqueline Kropmann

Ich hab mir mehr von den beiden gewünscht. Besonders von Gavin, meine Güte habe ich einen Narren an ihm gefressen. Der Kerl ist einfach nicht auf den Mund gefallen. Ganz im Gegenteil, er bringt Steyn mehr als nur einmal in Verlegenheit. Ich hätte zwar gerne ein paar Momente aus seiner Sicht gelesen, da wir die Geschichte nur durch Steyns Augen erleben aber Steyn erzählt uns schon ziemlich deutlich, was er so mit Gavin erlebt und was er von ihm denkt. Mit Steyn habe ich mich teilweise schwer getan. In manchen Dingen wirkte er so verbohrt und doch war es zum Schluss hin vollkommen verständlich. Er kannte die Welt nicht anders, Gavins Denkweise war ihm völlig neu und suspekt und er hat seine Zeit gebraucht, bis es klick macht. Er macht auch die meiste Entwicklung durch. Er leugnet sich selbst, gesteht sich selbst gewisse Gefühle nicht zu und begeht dadurch einige gravierende Fehlentscheidungen. Durch diese, die Folgen und Gavins Ansicht der Dinge daraus entwickelt er sich weiter, stellt Fragen, hinterfragt sich aber auch den Orden, die Tugenden, die Gesellschaft. Mir hat diese Entwicklung sehr gut gefallen, er hat sich und Gavin bewiesen, dass er das Leuchtfeuer ist, für das Gavin ihn von Anfang an gehalten hat.
Das Zusammenspiel von Gavin und Steyn ist einfach lesenswert. Wenn zwei so unterschiedliche Sturköpfe aufeinander treffen, können ja nur die Fetzen fliegen oder vielleicht auch mal ein zwei Kleidungsstücke. Die Intimität zwischen den beiden liest sich oft zwischen den Zeilen. Manchmal hab ich mir ein wenig mehr gewünscht aber das ist letztendlich Geschmackssache, obwohl es auch zu den beiden einfach passt, sie leben halt in keiner zuckrig rosa Welt.

Den Schreibstil fand ich fesselnd und passend. Ich persönlich empfand es sogar so, dass der Schreibstil sich der Entwicklung Steyns angepasst hat. War es am Anfang noch mehr gehoben, da er sich den ritterlichen Tugenden verschrieben hat, lässt sich zum Ende hin ein Hauch von Gavin erahnen, der viel in Steyns Leben verändert hat.

Bild: Kaja Evert, Hintergrundgestaltung (im Print): Jaqueline Kropmann

Wenn Dark Fantasy drauf steht, ist auch welches drin, so gibt es auch einige Tode, die mich berührt haben, obwohl es nur Figuren waren, die teils eine eher nebensächlichere Rolle gespielt haben. Doch durch Steyn, wie er sie wahrnimmt und damit umgeht, da war manches schon schwer zu ertragen. Aber genau das mochte ich auch an der Geschichte. Nicht immer ist alles Friede, Freude, Eierkuchen, nicht jedes Leben wird verschont. Es ist schwer zu beschreiben, der Schreibstil, die ganze Geschichte ist düster gehalten, doch durch Steyn hat es die Autorin geschafft, ein Licht ins Dunkel zu bringen. Da man die Welt aus seinen Augen wahrnimmt, gibt es mal schwere Momente aber auch leichte, welche mit Zweifeln, Angst, Wut und Hilflosigkeit aber auch Hoffnung, Freundschaft und Liebe. Dank Gavin gibt es sogar einen gewissen Hauch von Humor, zumindest musste ich an manchen Stellen doch ziemlich schmunzeln. Für mich eine gelungene Mischung.

Das Buch reicht bei mir fast an ein weiteres Jahreshighlight dran. Beim Ende, also vor dem Epilog, habe ich wirklich gebangt und ich glaube, wäre es anders ausgegangen, wäre es das I-Tüpfelchen von Dark Fantasy gewesen aber ich möchte mich an der Stelle bedanken, dass die Geschichte so endete, wie sie es tat. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf weitere Bücher der Autorin.

Kritik:

Die Gefühle seitens Steyn waren mir etwas zu schnell da. Es war auch nicht ganz nachvollziehbar, worauf sie eigentlich basierten. Allgemein waren die Gefühle der beiden eher blass, es gab nicht DEN entscheidenden Moment, nicht diesen besonderen Augenblick. Es floss vielmehr so nebenbei ein. Was natürlich auch funktionieren kann, wer sich da allerdings mehr Romance erhofft, wird hier weniger bedient.
Ist man Anfangs noch nahe bei Steyn und erfährt viel über das Kennenlernen von ihm und Gavin und ihre Mission, gibt es im zweiten Akt viele kurze und lange Zeitsprünge. Dadurch bleibt man nicht immer nahe bei Steyn, es liest sich mehr wie eine Zusammenfassung der Geschehnisse, das fand ich hin und wieder wirklich schade. Meiner Meinung nach hätte das Buch ruhig länger sein dürfen, es hätte auch ruhig zwei Teile geben dürfen. Ich hab Steyn und Gavin unfassbar gern begleitet und vieles hätte sich auch gerne in die Länge ziehen dürfen, weil es meiner Meinung nach noch besser gepasst hätte.

Fazit:

“Dornenritter”… endlich mal ein Dark Fantasy Roman mit queeren Protagonisten. Team Gavin :D, der Herr mit dem Kuhfell, der Kerl, der zu allem seinen Senf dazu gibt. Team Steyn, Ritter des Lichts, der Herr der Tugenden, das Leuchtfeuer. Beide habe ich auf ihre Weise ins Herz geschlossen und unheimlich gerne ihren langen erschwerlichen Weg begleitet. Mein kleines Kino in Buchformat, wo ich beim Wörtchen Ende doch erstmal in die Realität zurückfinden musste. Obwohl es in dem Buch um eine bedrückende Finsternis geht, ist es für mich wie ein Leuchtfeuer, so wie Steyn für Gavin. Eine alles verschlingende Finsternis, Menschen, die dem Wahnsinn auf die ein oder andere Art verfallen, eine verhüllte Königin, ein Drache und zwei Männer mittendrin, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so verdammt viel gemeinsam haben.

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