4 Wölfe · Leseempfehlung · Rezension

“Der Fremde am Klavier” – Lily Pulcino

©Klappentext, Cover & Zitat: Lily Pulcino

 

Ebook: 3,99 / Taschenbuch:

Seitenzahl: 196

Verlag: Selfpublished

Release: 16. April 2018

Genre: Romance, Contemporary

 

Klappentext:

Tony Williams will nur eines: Edward Colton dazu bringen, seinen Grund und Boden an die Beck’s Luxury Hotel Coorporation zu überschreiben. Mit dem Bonus dieses Auftrags könnte Tony sich für ein paar Jahre in den Süden absetzen, Sonne, Strand und Cocktails genießen und sich seinen Traum vom Inselleben in der Karibik erfüllen. Edward Colton ist leider eine harte Nuss, an der sich Tonys Kollegen bisher allesamt die Zähne ausgebissen haben. Aber dann erfährt der ehrgeizige Williams etwas über Colton, das alle anderen übersehen haben. Gerade, als sein Traum zum Greifen nahe scheint, mischt sich jedoch Amor ein und bringt alles durcheinander …

Zitat:

“Ted lässt den Balken in den Sand fallen, kniet sich neben den Touristen, der bewusstlos am Boden liegt und fischt sein Handy aus der Hosentasche.”
“Tony hebt den Kopf und betrachtet den Pianisten, von dem er zum größten Teil den Rücken sieht.”
“Plötzlich öffnet Ted die Augen und sieht zu Tony. Er hüpft grinsend auf ihn zu und wippt mit dem Kopf zur Musik. Dann küsst er Tony und packt ihn bei den Händen.”

Eigene Meinung:

Tony Williams hat nur ein Ziel: den grummeligen Edward Colton zu überreden, den Vertrag zum Verkauf seines Landes zu unterschreiben und mit diesem gewonnenen Auftrag und dem daraus erhaltenden Geld kann Tony endlich den Rest seines Lebens in der Karibik verbringen. Blöd nur, dass Colton eine härtere Nuss ist als gedacht. Doch Tony gibt so schnell nicht auf und findet wichtige Informationen über Edward heraus, die ihm helfen, diesem näher zu kommen. Tja und dann gerät alles durcheinander, als Tony und Edward sich langsam näher kommen.

Ein gelungenes Debüt mit einem angenehmen, flüssigen, ruhigen und einnehmendem Schreibstil. Die Geschichte rund um Tony und Edward ist eher beschaulich und wartet nicht mit großen, übertriebenden Wendungen und überspitzten Dramen auf. Das braucht sie allerdings auch nicht. Wir erleben, wie die beiden sich auf eine doch recht umwerfende Art kennen lernen und sich langsam näher kommen.
Edward lebt eher zurückgezogen und mehr für sich, sodass es anfangs schwierig erscheint, die nötigen Informationen zu bekommen, doch Tony wäre nicht Profi in seinem Job, wenn er nicht doch Tricks und Kniffe kennen würde, um an diese zu kommen.
Während Tony ein offener und zugänglicher Mensch ist, gehört Edward zu der griesgrämigen Familie Colton, Besitzer und Pfleger des hiesigen Leuchtturms und hartnäckiger Verteidiger seines Eigentums, auch wenn der Verkauf ihm ein besseres Leben bescheren würde. Auch beim Thema Beziehungen und Gefühle ist er eher zurückhaltend, lange Zeit nennt er Tony lediglich den Touristen, um eine gewissen Distanz zu bewahren, da er nicht das Risiko eingehen möchte, vielleicht doch noch Gefühle für diesen zu entwickeln.

Gemeinsam mit Tony lernen wir die beschauliche, etwas eigenbrötlerische Gemeinde der Insel kennen, deren Geschichte sowohl der Dorfbewohner als auch der Insel selbst. Auch der unglaublich sympathische, alte und ein wenig verrückte Mrs. Collins leisten wir im Krankenhaus mal gewollt mal nicht Gesellschaft, die auf charmante Art ein wenig an den Stricken zieht und zum Beispiel Tony den Tipp gibt, bei einer speziellen Bar vorbeizuschauen. Die gute Mrs. Collins ist nicht mehr wegzudenken und ich habe doch irgendwann gemeinsam mit Ted gebangt, ob ihr nicht etwas passiert ist. Sie und ihre guten Freundinnen spielen für Tony noch eine wichtige Rolle, weil sie ihm helfen, endlich zu seinem Traum zu stehen und eine längst begrabende Leidenschaft wieder zum Leben erweckt wird.

Die Autorin setzt die Geschichte mit viel Ruhe, gefühlvoll, fesselnd und ein wenig amüsant um, lässt sich Zeit und es dauert eine Weile, bis die beiden sich annähern. Sie verleiht Ted und Tony trotz weniger Seiten genug Leben, gibt ihnen Ecken und Kanten. Tony sehnt sich nach seinem Traum vom sorgenlosen Leben in der Karibik und Ted findet sich damit ab, von der Gemeinde eher ausgegrenzt zu werden. Sie wissen, wo sie im Leben stehen, auch wenn sie im Laufe der Geschichte merken, dass es Entscheidungen und Ansichten gibt, die es nochmal zu überdenken gibt. Es gibt Momente, da sind sie rau und unsympathisch und dann sind sie wieder charmant und liebevoll und dadurch wurden authentische Charaktere erschaffen.

Schlussendlich eine wirklich schöne wenn auch ruhige Geschichte, dessen Titel die bedeutsamsten Momente des Buches anspricht, denn als Tony endlich realisiert, wer dort die Klänge erzeugt, brechen die Gefühle über ihn zusammen. Für mich einer der schönsten Augenblicke, so einnehmend und berührend. Das Debüt hat mich schon mal überzeugt und ich bin auf das andere Buch der Autorin sehr gespannt.

Fazit:

“Der Fremde am Klavier” ein bewegendes und stimmiges Debüt. Ein grummeliger Leuchtturmwärter und ein gewiefter “Firmenspion” treffen aufeinander und schon steht ihr beider Leben auf dem Kopf. Tony muss nur noch diesen einen Auftrag erledigen, dann kann er sich endlich seinen Karibiktraum erfüllen, allerdings stellt sich das als schwieriges Unterfangen heraus, denn Edward ist eine ziemlich harte Nuss. Die Art, wie die Autorin die Geschichte der beiden Chaoten erzählt und ihr Schreibstil haben mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Es benötigt weder überspitztes Drama noch konstruierte Wendungen, wir begleiten die beiden beim Kennenlernen und sich langsam ineinander verlieben. Wer also eine seichte aber auch stimmungsvolle Romance lesen möchte, sollte sich Tony und Ted nicht entgehen lassen.

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