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“Das Würfelspiel der Götter: Band 1” – Raik Thorstad

©Klappentext, Cover & Zitat: Cursed Verlag

 

Ebook: 5,99 / Taschenbuch: 17,95

Seitenzahl: 380

Verlag: Cursed Verlag

Release: 29. November 2019

Genre: Romance, Historisch

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”.

Klappentext:

Als Soldat einer römischen Eliteeinheit nach Germanien entsandt zu werden – davon träumt Ciaran seit Beginn seiner Ausbildung. Doch die Aussicht auf Ruhm und Ehre entpuppt sich schnell als Trugbild, als Ciaran und seine Kampfgefährten mit der Realität des germanischen Winters und dem Widerstand des wilden Volkes konfrontiert werden. Schließlich wird Ciaran damit beauftragt, den Kriegsgefangenen Kjell davon zu überzeugen, auf ihre Seite zu wechseln und sein Volk zu verraten, um den römischen Truppen zum Sieg zu verhelfen. Kein leichtes Unterfangen, denn die Kluft zwischen ihnen scheint unüberwindbar zu sein. Wäre da nicht die stetig wachsende Anziehung, die vor allem Kjells Weltbild vollkommen auf den Kopf stellt. Sind die Gefühle der beiden Männer stark genug, um für sie zu kämpfen, oder werden sie weiterhin nur Figuren im ewigen Würfelspiel der Götter sein?

Zitat:

“Der hochgewachsene, den man am Nachmittag zu ihm geführt hatte, hatte hochmütig gewirkt. Am liebsten hätte Kjell ihn mit seinem feinen Umhang erwürgt, den er so selbstverständlich zur Schau trug, während er selbst nicht wusste, wie er sich nachts Füße und Finger gleichzeitig warm halten sollte.”
“Dass Ciaran diese Eigenschaften ausgerechnet in einem wilden Germanen gefunden hatte, war wahrlich ein Meisterstück der Götter. Ein verrückter Zug in einem Spiel, dessen Regeln er nicht verstand.”
“Du dagegen hast ihm den größten Freundschaftsdienst erwiesen, den ein Mann einem anderen geben kann.”

Eigene Meinung:

Marcus Ciaran Vergilius, doch meist nur Ciaran genannt, gehört zur römischen Eliteeinheit und wird nach Germanien entsandt. Seine Einheit hatte bisher noch nie an großen Schlachten teilgenommen, weshalb er es kaum erwarten kann, endlich zu zeigen, was er kann und was in ihm steckt. Doch er hat weder mit den germanischen Wintern gerechnet, noch mit dem unerbittlichen Kampfgeist des dort lebenden Volkes. Statt an Schlachten teilzunehmen, bekommt er die Aufgabe, den germanischen Gefangenen namens Kjell zu überzeugen auf die Seite des römischen Volkes zu wechseln und dem Legaten wichtige Informationen preis zu geben, die für einen Sieg der Römer entscheidend sein könnten. Doch womit keiner der beiden Krieger gerechnet hat, sind die plötzlich auftauchenden Gefühle.

Zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch einiges verbindet, zwei Kulturen, die gegensätzlicher nicht sein könnten und zwei Leben geprägt haben.
Ciaran, der Soldat in einer Eliteeinheit der römischen Armee, dessen ursprüngliche Wurzeln ebenfalls in Germanien liegen, dessen bevorzugte Waffe das Breitschwert ist. Aufgewachsen bei seinem römischen Ziehvater und jetzt selbst Besitzer dessen Anwesen. In einem Land aufgewachsen, in dem Liebe unter Männern, vielmehr die körperliche Liebe nicht so verachtet wird in Kjells Heimat. Der die Ungerechtigkeit anprangert und sich für das Wohl anderer einsetzt. Dessen Freunde zu seinen engsten Vertrauten zählen und auf die er sich immer verlassen kann. Ein Mann, der sich gerne der körperlichen Liebe hingibt aber bisher nur zweimal in seinem Leben sein Herz verschenkt hat. Der sich seiner Anziehungskraft auf Andere sehr wohl bewusst ist und mit einer Absage niemals rechnen würde.
Und dann gibt es da noch Kjell, ausgestoßen, gebrandtmarkt, der ein Zeichen trägt, das man nur erhält, sollte man entweder ein Kind oder  jemanden ehrenlos mit Gift getötet haben oder wenn Mann sich zu einem anderen Mann hingezogen fühlt. Dessen letzte verzweifelte Tat es war, sich den Römern auszuliefern, in der Hoffnung den eisigen Winter Germaniens zu überleben. Der sich anfangs widerwillig auf den Römer einlässt, in dessen Obhut ihn man gesteckt hat und der ihm zeigt, dass er nicht der Einzige mit unstillbaren Gefühlen ist. Ein Kämpfer, auch wenn sein Körper ausgemergelt ist und er sich durch bitterkalte Nächte kämpft.. Ein eiserner Überlebenswille und ungebrochener Stolz.
Zwei Männer, die dachten ihre Kultur, ihre Heimat, ihr Volk sei das Bessere der beiden, doch sie müssen feststellen, dass jedes Volk, jede Kultur seine Schwächen hat und nicht alles ist so, wie es scheint. Intrigen, Ränkespiele, Hass und Liebe, Schlachten, unnötig vergossenes Blut, ein erbitterter Kampf um Leben und Tod. Ciaran wird nur allzu schnell die Sinnlosigkeit des Krieges deutlich und ist dem Ganzen doch hilflos ausgeliefert. Kjell, der seine Heimat zwar liebt aber dennoch einfach glücklich sein möchte. Zwei in ihrem Denken und Handeln nachvollziehbare Charaktere, dessen Innenleben der Leser hautnah miterlebt und sie umso greifbarer macht.

Nach Beendigung des ersten Bandes dieses Zweiteilers habe ich mich doch ein wenig geärgert, dass ich noch nicht vorher schon mal ein Buch der Autorin in den Händen gehalten habe. Kjell und Ciaran haben mich so sehr an die Seiten gefesselt, dass es nach zwei beinahe durchgemachten Nächten plötzlich hieß: “Im nächsten Band geht es weiter”. Anfangs war ich von der vielen Kapitelanzahl ein wenig abgeschreckt, doch diese sind nicht übermäßig lang und erzählen doch genügend, um sich von Kjell und Ciaran ein deutliches Bild zu machen. Zwei Männer, wie Sommer und Winter, der eine kämpft ums Überleben und dass schon bevor er aus seinem Dorf ausgestoßen wurde und der andere genießt die Annehmlichkeiten in seiner Heimat. Mit Fingerspitzengefühl bringt die Autorin zwei Kulturen dazu, sich langsam einander anzunähern und sich verstehen zu lernen und zwei Männer, ihr Herz zu verlieren.
Die Kälte, der Kjell in seiner Zelle ausgesetzt ist, war beim Lesen nur deutlich spürbar und gleichzeitig konnte man sich das prachtvoll ausgestattete Zelt von Ciaran bildlich vorstellen, sich in den Fellbergen verkriechen und die Wärme des Feuers spüren, während man bei Kjell das Pieksen des Strohs spürt und die Nase kraus zieht, ob der widerlichen Gerüche und gleichzeitig verspürt man einen Schauer, aufgrund der gepeinigten, qaulvollen Schreie der Mitgefangenen. Man hörte das Lachen der Freunde, empfand das Entsetzen mit, als Ciaran seinen ersten Todeshieb vollstreckte und danach wie eine leere Hülle über die Felder schritt. Ein detaillierter Schreibstil, der nicht zu umschweifend ist und dennoch genügend preisgibt, um Ciaran und Kjell vor sich zu sehen.

Die Autorin hat sich gründlich mit den damaligen Gegebenheiten auseinander gesetzt und gerade durch Details, wie zum Beispiel Ciaran mit einem spitzbübischen Schalk im Nacken Kjell in eine ihm unbekannte Zitrusfrucht beißen lässt, nur um sich dann über das zur Grimasse verzogene Gesicht zu amüsieren, machen die Geschichte so lebendig, als hätte uns die Autorin eine Geschichte über zwei Männer erzählt, die sich damals unter solchen Umständen tatsächlich hätten begegnet sein können. Zumal nicht nur Ciaran und Kjell an Tiefe gewinnen, auch Nebencharaktere wie Ciarans Freunde bleiben nicht blass. Silvius, Ciarans bester und längster Freund, lässt uns auch hin und wieder an seinen Eindrücken teilhaben, wodurch man nochmal aus einem ganz anderen Blickwinkel die Ereignisse betrachtet. Silvius ist für mich ein so fester Bestandteil geworden in dieser Geschichte, dass ich tatsächlich sehr um ihn gebangt habe in einer gewissen Situation und erleichtert ausgeatmet habe, als Ciaran ihn in die Arme schließen konnte und ich ihn hier einfach nicht unerwähnt lassen kann.
Mir hat diese akribische Recherche über die Antike besonders gut gefallen, da man nicht nur das aufstrebende Rom deutlich vor Augen hatte, sondern auch das karge, unwirtliche Germanien, in dem das Volk ums nackte Überleben kämpft, während man in Rom in Wein badet.

Auch wenn die hohe Kapitelanzahl anfangs erschreckend sein mag, schafft es die Autorin, dass der Roman dennoch nicht langatmig erscheint, sondern man einfach noch länger bei den Charakteren bleiben möchte. Es war mitten in der Nacht, als ich diesen Teil zuklappte und habe sofort nach dem nächsten Band geangelt um weiter zu lesen. Mir fällt es tatsächlich ein wenig schwer diese Rezension zu verfassen, wenn ich doch eigentlich lieber Ciaran und Kjell weiter begleiten möchte.

Kritik:

Für jemanden mit schwachen Nerven ist dieses Buch nicht zu empfehlen, der Kampf von Kjell in seiner Zelle und den täglichen Schikanen, denen er ausgesetzt ist, könnte dem ein oder anderen Zartbeseiteten zu viel Bauschmerzen bereiten. Die Autorin verschönigt nichts, was ich persönlich angenehm und authentisch finde aber ich denke nicht für jeden sind diese unmenschlichen Zustände erträglich.

Fazit:

“Das Würfelspiel der Götter”, eine mitreißende, emotionale Geschichte über zwei Männer wie Tag und Nacht, Winter und Sommer, Kälte und Hitze, so packend und berührend, zwei Schicksalsschläge umgeben von Intrige und vergossenen Blut, Liebe und Hass, Vergeltung und Nachsicht, Stolz und Kampfgeist, sich hauchzart entwickelnden Gefühlen, die nicht gleich beim ersten Augenkontakt entstehen, sondern sich schleichend in die Herzen der beiden Männer einnisten. Zwei Charaktere, deren Denken und Handeln nachvollzieh- und erlebbar sind, Nebencharaktere, die ihre eigenen Geschichten und Stimmen bekommen und neben den Protagonsiten nicht verblassen. Eine ausführliche Recherche über die Antike, auf der einen Seite das sich ausbreitende Rom, das seine Kultur überall verbreiten möchte, auf der anderen Seite Germanien, karg, gebeutelt durch zehrende Winter und einfallende Soldaten. All das macht dieses Buch für mich so lesenwert, Ciaran und Kjell aber auch Ciarans Freunde Silvius, Quintus, Tiberus und Gwydion erzählen uns eine Geschichte über eine Liebe aus Hass geboren. Zwei Charaktere bei denen ich froh, dass ich noch eine zeitlang begleiten darf und dessen Schicksal in den Händen der Götter liegt.

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