3 Wölfe · Challenge · Geschmackssache · Rezension

“Berlingtons Geisterjäger: Anderswelt” – Amalia Zeichnerin

©Klappentext, Cover & Zitat: Amalia Zeichnerin

 

Ebook: 4,99 / Taschenbuch: 9,82

Seitenzahl: 274

Verlag: Selfpublished

Release: 12. Dezember 2016

Genre: Urban Fanatsy, Historisch, Crime, Steampunk

 

 

 

 

Klappentext:

London, im Herbst 1887.
Als zwei Männer kurz nach Halloween in London spurlos verschwinden, untersucht der amerikanische Privatdetektiv Eliott Breeches den Fall – gemeinsam mit dem wohlhabenden jungen Erben Lord Berlington, der irischen Hexe Fiona, der Künstlerin Nica und der älteren Spiritistin Giselle. Haben sie es hier mit Geistern zu tun? Und was hat es auf sich mit dem charismatischen jungen Dandy Damian, der Lord Berlington in seinen Bann zieht?

Die Buchreihe „Berlingtons Geisterjäger“ vereint viktorianische Urban Fantasy mit einem Hauch Steampunk und einer leicht düstere Atmosphäre wie in der klassischen Schauerliteratur. Gewürzt wird das mit ein wenig gleichgeschlechtlicher Romantik (schwul und lesbisch).

Zitat:

“Der adlige Erbe sah anziehend aus mit seinen merrblauen Augen, dem fast schwarzen, leicht krausen Haar und einer Andeutung von Sommersprossen im Gesicht.”
“Maggies Gefieder sträubte sich erneut, als sie das Wesen im Spiegel erblickte.”
“Und diesmal zog er Alec zu sich heran und küsste ihn, verborgen von der alten Freidhofseiche.”

Eigene Meinung:

London im Jahre 1887. Lord Berlington sucht sich den Rat der “Friends of the departed”, eine Gesellschaft, die sich mit parapsychologischen Studien und Geschehnissen auseinander setzen, da seine Eltern noch nach ihrem Tod ihn nicht in Ruhe lassen. Während nach einer Lösung für dieses Problem gesucht wird, verschwinden außerdem zwei Männer kurz nach Halloween spurlos. Der amerikanische Privatdetektiv Elliot Breeches nimmt sich diesem Fall, gemeinsam mit Lord Berlington und den zwei Vertretern des “Friends of the departed”, die Hexe Fiona und die Spiritistin Giselle. Und wer ist eigentlich dieser junge charismatische Dandy Damian Quinn, der es scheinbar auf Lord Berlington abgesehen hat?

Viktorianische Zeitepoche, London im Jahre 1887, Fantasy, mystische Wesen, Geisterjäger, die Anderswelt, viele unterschiedliche Charaktere, die aufeinander treffen und sich mit ungewöhnlichen Geschehnissen auseinandersetzen müssen. Inhaltlich und auch im Genremix bietet diese Geschichte viel. Horror, Steampunk, historisch, sowie Urban Fanatsy. Letztendlich war es alles zu viel.

Eine Gruppe aus unterschiedlichsten Charakteren treffen aufeinander, abwechselnd werden aus sechs Sichtweisen erzählt. So gewinnt man viele verschiedene Eindrücke über die Geschehnisse. Es war mal etwas völlig neues und an sich war es eine interessante Grundidee, mal aus so vielen verschiedenen Perspektiven zu lesen und aus der Sicht eines anderen Charakters die fehlenden Informationen zu bekommen, anstatt als allwissender Erzähler. Doch leider fehlt damit der Tiefgang, man lernt die Charaktere nur oberflächlich kennen und es lässt sich einfach keine Sympathie zu irgendeinem aufbauen. Wodurch auch die Gefühle der Charaktere kaum nachvollziehbar sind, was die Romanzen ziemlich gefühllos und trocken erscheinen lässt. Sie entstehen einfach, sind da und man versteht nicht warum, gerade bei Berlington. Man fragt sich, warum er sich jetzt gerade doch noch in diesen einen bestimmten Charakter verliebt hat, man erfährt es lediglich dadurch, weil er es seinem Gegenüber erklärt. Lediglich bei Fiona und Nika ist ein klein wenig mehr Tiefgang, doch im Grunde macht es denselben Anschein wie bei Victor, es entstehen die Gefühle und die Romanzen, weil es so sein muss und nicht weil die Charaktere es wirklich wollen.

Auch die Handlung schreitet viel zu schnell voran. Man stolpert von einem Geschehen ins nächste und es baut sich keine wirkliche Spannung auf. Allein die Sache mit Quinn hätte man viel mehr ausbauen können. Das “Problem” ist schnell entdeckt und  wird auch recht schnell gelöst, das fand ich wirklich schade. Allein aus dem Fall mit Quinn hätte man ein ganzes einzelnes Buch machen können, so war es recht schnell abgehandelt. Gerade das “Miträseln” hätte ich hier spannend gefunden, noch bevor man genaueres über Quinn weiß. Mehr Geheimnisse, mehr Spannung, doch davon fehlte leider alles. Es war auch in den Handlungssträngen zu viel auf einmal. Die Anderswelt, die nicht nur ziemlich blass erscheint und leider viel zu wenig beschrieben wird, sodass man keinerlei Bezug dazu aufbauen kann, auch die Sache um Berlingtons verstorbene Eltern, die immernoch an ihrem “Leben” hängen und sich nicht aus der Welt lösen wollen.
Es wirkt alles wie eine Aufzählung und Aneinandereihung von Ereignissen und Kämpfen, die einen aber nicht wirklich an die Seiten fesseln. Man hätte viel mehr aus den ganzen Handlungen herausholen können, dem Buch hätten keine weiteren 100 Seiten geschadet, ganz im Gegenteil: Szenen hätten ausführlicher beschrieben werden können, sowie auch die allgemeine Umgebung. Gerade im Bezug auf das historische Ambiente, auf das viktorianische London hätten zu der schaurigen Atsmosphäre einiges beitragen können.

Der Schreibstil liest sich zwar flüssig, allerdings hätte ein Lektorat wohl nicht geschadet um kleine Fehler auszumerzen und stylistische Mittel zu überdenken. Im Grunde liest sich die Geschichte durch den wenigen Tiefgang wie ein Aufsatz. Vieles wirkt gestellt und als “muss” es so ablaufen. Es gibt keine andere Möglichkeit, wie es abzulaufen hat, wodurch einiges aufgesetzt erscheint und keine überraschende Wendung auftaucht. Einige Formulierungen hauen einen auch aus den ganzen Geschehnissen raus. So habe ich mich zum Beispiel lange gefragt, warum es wichtig ist seine eigenen Freundin als Irin vorzustellen: “Meine junge Freundin aus Irland”, als Leser wusste ich schon lange, was Fiona ist und woher sie kommt, warum musste dies ständig erwähnt werden? Zumal sie so Kindern vorgestellt wurden, die sich zu dem Zeitpunkt in einer gefährlichen Lage befanden, mir wurde die Relevanz dieser Auskunft nicht bewusst.

Leider blieben die Charaktere sehr oberflächlich, da es nun mal auch sehr viele sind. Wir haben zum einen Lord Berlington, ein reicher Adliger, der sich mit den Geistern seiner verstorbenen Eltern abmüht. Ein weiterer Handlungsstrang, der viel zu schnell gelöst wurde. Am Anfang dachte ich, es würde erstmal nur um diese gehen, allerdings kam leider später immer mehr dazu. Da die Buchreihe nun mal den Namen “Berlingtons Geisterjäger” trägt, dachte ich, er spielt eine einnehmende wichtige Rolle. Leider war dem gar nicht so. Victor erschien beinahe überflüssig und trug nicht wirklich viel zum Geschehen bei.
Vielmehr ist es Fiona, die für alles eine Lösung parat zu haben scheint. Ob genau die passende Antwort für ein bevorstehendes Problem, wie zum Beispiel genau den richtigen Zauber oder andere Unterstützung durch ihre tierische Freundin die Elster Maggie oder ihrer Großmutter. Zwar mag ich starke weibliche Charaktere, aber hier war es mir einfach too mouch, es war schwierig Fiona sympathisch zu finden. Jeder weitere männliche Charakter wirkte mehr wie ein Anhängsel, das hauptsächlich da war für genügend Muskelkraft, was ich schade fand, ob nun der laute und barsche Amerikaner Elliot, der mit den ganzen übernatürlichen Ereignissen überfordert oder Alec, der einfach so auftaucht ohne wirklichen Zusammenhang, bei dem nur in einem kurzen Nebensatz erwähnt wird, wie er in diese Gruppe passt. Die Charaktere wirkten allesamt eher gekünstelt und aufgesetzt und nicht authentisch. Man kann sich mit keinem der Charaktere wirklich auseinandersetzen und wie schon erwähnt gerade die Gefühle gewinnen nicht wirklich an Tiefe.

Im Allgemeinen alles was sich um das Übernatürliche drehte. gab mir immer mal Rätsel auf. Diese Selbstverständlichkeit einiger Charaktere zu erzählen, was sie sind, was sie sehen und dass es ja jeder akzeptieren muss und auch zu akzeptieren hat, es letztendlich auch tat. Spielt dies nun in einer realistisch angehauchten Welt, die unserer entspricht, dann wäre der Umgang mit dem Übernatürlichen weitaus diskreter verlaufen oder war es ein fantasievolles London, in dem es Gang und Gebe ist, dass so etwas existiert. Dies wurde zu keiner Zeit wirklich deutlich. Auch wirkte es so, als würde sich die gesamte Welt um die sechs Charaktere bis maximal zwei bis drei Nebencharaktere handeln und der Rest London war wie ausgestorben.

Ich habe mir schon ein paar Rezensionen zu den weiteren Bänden angesehen und werde mir zumindest noch den nächsten Band zur Hand nehmen, auch wenn mich der erste nicht wirklich überzeugen konnte. Es war wirklich schwierig bis zum Ende am Ball zu bleiben und sich auf die Geschichte einzulassen.

Kritik:

Zu viele Perspektiven, zu viele Handlungsstränge, leider zu viel Potenzial verschenkt. Man hätte viel mehr aus der Geschichte rausholen können und mehr Tiefgang gerade bei den Gefühlen der Charaktere wäre schön gewesen und hätten die Charaktere authentischer und lebendiger gemacht. Für viele könnte der sprunghafte Wechsel zwischen sechs Charakteren nicht ansprechend sein.

Fazit:

“Anderswelt” ist der Einstieg in die Reihe “Berlingtons Geisterjäger”. Viktorianisches Zeitalter, Geister, mystische Wesen, die Anderswelt, das alles klang vielversprechend und ich konnte es nicht abwarten, zu erfahren, wie das Ganze umgesetzt wurde. Leider nicht ganz so fesselnd wie erhofft. Sehr viele unterschiedliche Charaktere, aus derer aller Sicht wir lesen und somit keinerlei Bezug zu irgendeinem Charakter aufbauen können, Gefühle ohne wirklichen Tiefgang und zu viele Ereignisse, die alle eher oberflächlich behandelt werden, obwohl sie sehr viel Potenzial boten. Eine interessante Welt rund um London aber auch die fantastische Anderswelt, die leider beide sehr blass blieben und somit wenig zum Ambiente beitrugen. Die Grundidee zu Berlingtons Geisterjäger und der Anderswelt ist dennoch spannend und das Übrnatürliche war interessant und abwechslungsreich. Mir persönlich waren die Einstellungen zu spirituellen und übernatürlichen Ereignissen zu akzeptiert, natürlich haben wir einen Skeptiker, der jedoch recht schnell überzeugt wird. Charaktere, die in diesen Dingen bewandert sind, posaunten es einfach heraus und machten kein wirkliches Geheimnis darum, was ich schon sehr seltsam fand, da das ja nicht immer selbstverständlich war. Keine Ausgeglichenheit zwischen den Charakteren, sondern gerade starke Frauen, hinter denen die Männern lediglich herstolpern, womit mir der Titel “Berlingtons Geisterjäger” Rätsel aufgab.  Auch wenn mich der erste Band nicht überzeugen konnte, werde ich auch noch Band zwei lesen, da mich die Grundidee der mystischen Ereignisse fasziniert hat und ich bin gespannt, was sich die Autorin noch so einfallen lässt.

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