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“St. Sycamore: Eine schicksalhafte Ehe” – Tharah Meester

©Klappentext, Cover & Zitat: Tharah Meester

 

Ebook: 6,99 / Taschenbuch: 18,99

Seitenzahl: 583

Verlag: Selfpublished

Release: 31. Januar 2020

Genre: Historical-Fantasy, Romance, Drama

 

Klappentext:

Drei einsame Jahre hat der Schriftsteller Albertien Colfax auf der Gefängnisinsel verbracht. Nun ist seine Unschuld bewiesen, aber das macht ihn nicht zu einem freien Mann. Um den beschmutzten Familiennamen zu rehabilitieren, beugt er sich dem Willen seines Vaters und ehelicht den hoch angesehenen Dirigenten des königlichen Orchesters. Doch sein frisch angetrauter Gemahl Dante de Medici bringt ihm nichts als brennende Abscheu entgegen. So findet Albertien sich, knapp dem Galgen entkommen, in einem weiteren Vorhof der Hölle wieder. Sein entstelltes Gesicht lässt ihn die durchlebten Torturen nicht vergessen und die Blicke der anderen verdunkeln sich vor Misstrauen, sobald sie auf ihn fallen. Nur einen scheinen die Narben kalt zu lassen. Einen Dandy mit teuflischem Charme, der die Finsternis der Vergangenheit meisterhaft zu vertreiben weiß. Wird Albertien der Versuchung erliegen oder kann er dem verführerischen Fremden widerstehen und sein Herz der Pflicht unterwerfen?

Zitat:

“In seinem Inneren herrschte ein ähnlicher Wellengang wie draußen auf offener See.”
“All das in dem Bestreben, Dante die Chance auf ein wenig Glück zu ermöglichen.”
“Einen, der sein auf den Kopf gestelltes Leben richtig herum gedreht hatte.”

Eigene Meinung:

Nach drei einsamen Jahren auf der Gefängnisinsel ist die Unschuld des Schriftstellers Albertien Colfax endlich bewiesen und er ist ein freier Mann. Doch um seinen geschädigten Familienruf wieder herzustellen, ehelicht er den Dirigenten des königlichen Orchesters Dante de Medici. Zwar ist er dem Galgen entkommen aber nun ist er der Abscheu seines Gemahls ausgesetzt. Durch sein durch ein Brandmal entstelltes Gesicht, bekommt er nicht nur von diesem misstrauische und abgeneigte Blicke zu geworfen. Doch es scheint einen zu geben, den diese Narben völlig kalt lassen. Wer wird wohl das Herz des Schriftstellers gewinnen?

Ich glaube, ich war noch nie so zwiegespalten nach einem Buch von Tharah Meester. Bisher konnte mich jede Geschichte aus ihrer Feder begeistern aber hier sitze ich wirklich ratlos vor der Rezension und überlege, wie ich sie jetzt schreibe. Ich habe es bisher geschafft, nicht groß zu spoilern und frage mich, ob ich es hier tatsächlich mal tun muss.

Aber ganz von vorne. Schon bei meinem ersten Ausflug nach Ascot habe ich gewusst, hier will ich nochmal hin. Die Stimmung, das Ambiente, einfach dieses Gefühl durch die Straßen dieser vielseitigen Stadt zu wandeln, hat mich schon in “St. Galen” begeistert. Galen Sinclair und Liam Young haben mich im ersten Teil so an die Seiten gefesselt und mich immer wieder zu Tränen gerührt und ich habe mich umso mehr gefreut, hier wieder von ihnen zu lesen, obwohl es eine Situation gab, die ich in dem Buch wirklich unfair gegenüber Galen fand und es für mich schwer gemacht, mich für einen Charakter zu erwärmen.

Ich habe nach Beendigung von “St. Sycamore” ein anderes Buch von der Autorin noch gelesen, da mich normalerweise ihre Geschichten zu Tränen rühren und mich kaum loslassen, da ich immer wieder mit den Charakteren mitleide und mitfiebere. Doch bei Dante und Albertien war dies kaum der Fall und ich hatte erst befürchtet, ich wäre abgestumpft. Doch Fehlanzeige, bei der anderen Geschichte war ich emotional wieder sehr gefesselt und es gab wieder viele Momente, bei denen ich Taschentücher brauchte. Es gab wirklich einen einzigen Augenblick in “St. Sycamore”, bei dem ich wieder dieses emtionale Erlebnis hatte und ich hab mich im Nachhinein darüber gewundert, da mich der Charakter, aus dem diese geschrieben ist, bisher so gar nicht überzeugen konnte. Aber genau wegen dieser einen Stelle hoffe ich, dass der zweite Teil mich wieder fesseln wird.

Der Schreibstil hat mich wie immer überzeugt, für andere mag dieser eventuell langatmig sein aber bei Tharah Meester gefällt mir diese detaillierte Beschreibung der Umgebung und gerade der Gedanken der Charaktere und ihre Wahrnehmung. Auch die Charaktere und nicht nur die Protagonisten sind wieder gefühlvoll ausgearbeitet, haben alle ihre Schwächen, Ecken und Kanten, manche mehr, manche weniger. Und ich denke da liegt eins meiner größten Probleme mit dem Buch. Auch in vorigen Büchern von Tharah Meester haben sich einige Charaktere ganz schöne Fehltritte geleistet, die sehr nahe an dem von Dante heran reichen und bisher bekam jeder sein Happy End, jedem wurde verziehen, jeder von ihnen hat gemerkt, ich habe großen Mist gebaut und hat sich im Laufe des Buches entwickelt, genauso wie Dante in diesem Fall. Ja es war unverzeihlich, was er getan hat, aber da war er nun mal nicht der Einzige. Im Laufe des Buches macht er vieles durch, er bereut, er leidet, er liebt und weint und wird… nun ja ich will nicht spoilern. Stattdessen wird ein Charakter, der bisher nur Abscheulichkeiten von sich gegeben hat und jetzt ein wenig auf die Tränendrüse drückt, belohnt. Das fand ich wirklich unfair. Ich hoffe wirklich für ihn, dass er mich im nächsten Band überzeugen kann, denn ein wenig Jammern und Schluchzen macht das nicht gut, was er sonst bisher verbrochen hatte. Für mich war er eine nervige Dramaqueen, so leid es mir tut.
Am meisten in diesem Buch mochte ich wirklich Dante. Ja anfangs war er nicht gerade sympathisch aber das hatten auch andere Protagonisten in den Büchern von Tharah geschafft, doch alle haben wie Dante selbst eine Entwicklung durchgemacht, in denen sie ihre Fehler einsehen und sich entschuldigen und zwar nicht nur mit einer einfachen Entschuldigung, nein sie alle stehen dem Anderen bei und kämpfen um ihn.
Albertien Colfax oder auch liebevoll Bertie genannt, mit diesem habe ich anfangs wirklich mitgelitten, wie zum Beispiel mit Giancovelli aus “Der Inbegriff der Biederkeit”, doch im Laufe des Buches schwankte ich immer wieder zwischen Mitleiden und Gleichgültigkeit. Bertie ist ein Charakter, dessen Geschichte einen rührt, doch seine Entwicklung kann mich nur mäßig fesseln, obwohl ich mich wirklich sehr für ihn freue, dass er sich nicht nur von seiner Vergangenheit lösen konnte, sondern auch einen gewissen selbstbewussten Charakter entwickelte.

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie Galen aber auch einigen Nebenfiguren aus St. Galen haben trotz alledem das Buch für mich lesenswert gemacht, da ich ihre Geschichten auch sehr unterhaltsam fand. Ich hoffe von einigen werden wir noch mehr lesen. Ich bin wirklich gespannt auf den nächsten Teil gerade da ich für Dante alles Gute hoffe. Es bleibt vieles offen und lässt mich als Leser eher unzufrieden zurück, da ich dieses Mal die Entwicklung nicht nachvollziehen konnte, da einfach Einblicke fehlen. Mir fehlt der entscheidende Punkt, warum ich dem einen Charakter doch noch sein Glück gönnen sollte. Eine wirklich überraschende Wendung gab es in dem Buch, die mich wirklich vom Hocker gehauen hat, da ich damit so gar nicht gerechnet hatte, was ich wirklich gelungen fand.

Ich bin gespannt, ob mich im nächsten Band der ein oder andere Charakter noch von sich überzeugen kann und mich interessiert am brennensten, wie sich für Dante alles entwickeln wird. Wer auf das übliche emotionale Mitverfolgen des Zusammenkommens zweier Charaktere, die sich erst hassen dann lieben, hofft, ist hier falsch, wer allerdings mal etwas ganz unerwartetes von Tharah lesen möchte, ist hier genau richtig. Es kommt vieles anders als man denkt, und dieser Band liest sich mehr wie ein großer Auftakt für das Große, was noch kommt.

Kritik:

Die Charaktere von Tharah bekleckern sich am Anfang nicht immer wirklich mit Ruhm, doch sie lernen im Laufe der Geschichte, welche Fehler sie begangen haben, lernen aus der Sache und entwickeln sich und letztendlich geht alles gut aus. Dante ist genau solch ein Charakter, ja er hat anfangs ganz schon die Bombe platzen lassen, das mag ich gar nicht abstreiten aber er macht eine unglaubliche Entwicklung durch, wird dafür aber letztendlich “bestraft”. Was mich aber wirklich geärgert hat, ist der Fakt, dass ein Charakter, der sich vorher ziemlich unbeliebt gemacht hat, durch ein bisschen auf die Tränendrüse drücken, alles bekommt, was im Grunde Dante zugestanden hätte. Ich hoffe für diesen Charakter, dass er mich im nächsten Band noch überzeugen kann aber hier schafft er es einfach nicht. Ich finde die gesamte Entwicklung der Geschichte wirklich schade, denn der Charakter, der so über sich hinauswächst und einem ans Herz wächst, geht schlussendlich doch nur leer aus. Ich vermute, es wäre besser gewesen, direkt von anfang aus den jeweils richtigen Perspektiven zu lesen.

Fazit:

“St. Sycamore” ist eine Geschichte, die mich nachdenklich zurücklässt. Auf der eine Seite ist es spannend zu lesen, wie es sich mal ganz anders entwickelt, als man anfangs ahnt, doch gleichzeitig schafft es Tharah diesmal nicht, zumindest mich, groß emotional abzuholen und gefangen zu nehmen. Tharahs Art zu schreiben war dennoch wie immer fesselnd und es gab einen einzigen Moment, bei dem ich wirklich förmlich an den Zeilen klebte aber es war halt leider nur dieser eine Moment. Während sich Albertien erst wieder in einem normalen Leben zurecht finden muss, wächst Dante über sich hinaus und Harry… nun Harry solltet ihr auf jeden Fall selbst kennen lernen, der hat so einige Überraschungen parat. Mal ein etwas anderes Buch aus der Feder von Tharah und ich glaube, ich kann erst wirklich was zu der Geschichte der drei sagen, wenn ich den nächsten Band gelesen habe, denn so fühlt sich dieser Teil hier an: Wie  der Auftakt zu etwas viel größerem und gefühlvolleren. Es geht gerade quasi erst los.

Ein Kommentar zu „“St. Sycamore: Eine schicksalhafte Ehe” – Tharah Meester

  1. Hallo Yuura,
    das hast Du wirklich gut auf den Punkt gebracht.
    St. Sycamore läuft nicht nach Schema F ab und bei Deiner Passage über “verziehen” und “belohnt” musste ich ein bisschen schmunzeln. Einerseits liebe ich es, wenn man trotz scheinbar unüberwindlicher Hindernisse im Hinterkopf der Überzeugung sein kann, dass “die beiden sich schon kriegen werden”. Andererseits freue ich mich aber auch, wenn mal jemand von diesem Schema abweicht und die Geschichte wie das richtige Leben ganz unberechenbar spielen lässt.
    Emotional dabei war ich auch bei diesem Buch, allerdings nicht tränenreich seufzend, sondern eher wütend, verzweifelt, ärgerlich und manchmal freudig über eine unerwartete Entwicklung (ich versuche auch nicht zu spoilern, wie Du sicher merkst) und genau so hin und her gerissen wie die Protagonisten.
    Wenn man nur dieses Buch anschaut, muss jede(r) selbst entscheiden, ob das gefällt oder nicht, da ist der persönliche Geschmack wirklich der Gradmesser und ich verstehe, wenn man den Handlungsablauf nicht so liebt wie bei Tharahs Büchern sonst.
    Da wir mit diesem Band nur ein vorläufiges Ende präsentiert bekommen, bin ich natürlich super gespannt, wie am Ende des viel größeren Bogens mein Urteil ausfallen wird. Und auch, was Du nach dem nächsten Buch sagen wirst.
    Schreib, Tharah, schreib! 😉
    Liebe Grüße
    Gabi

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