5 Wölfe · Challenge · Favorite · Rezension

“Das andere Ende der Brücke” – Elisa Schwarz

©Klappentext, Cover & Zitat: Elisa Schwarz
©Klappentext, Cover & Zitat: Dead Soft Verlag

 

Ebook: 6,99 / Taschenbuch: neu: 16,00 / alt: 14,95

Seitenzahl: 469

Verlag: Selfpublisher

Release: 01. November 2019

Genre: Romance, Drama, Contemporary

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, wofür ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag unter “Werbung”. 

 

Klappentext:

Der Unfalltod seines Mannes Manuel lässt Patrick ungebremst in die Abwärtsspirale des Lebens schlittern. Monatelang bewegt er sich in einer ihm fremd gewordenen Welt, in der graue Emotionslosigkeit seine tägliche Begleiterin und sein Beruf als Fotograf mit zunehmender Hoffnungslosigkeit mehr als gefährdet ist. Mit allen Mitteln versucht er dagegen anzukämpfen, doch erst die Begegnung mit einem alten Bekannten rüttelt an ihm und als er kurz darauf Zeuge eines Überfalls wird, katapultiert ihn das Ereignis geradewegs in das reale Leben zurück.

Plötzlich reichen Freunde ihre Hände und er lernt Menschen kennen, die mehr als freundschaftliche Gefühle in ihm wecken – Gefühle, die schlichtweg ausgeblendet waren. Doch wie soll er sich auf einen anderen Mann einlassen, wenn ihn die Angst schier erdrückt, dass er dadurch seine verstorbene große Liebe nicht nur verrät, sondern vor allem verliert?

Zitat:

“Ich spüre seine Nähe, wie er mich umfängt und an sich drückt, um meinen kleinen Erfolg zu teilen.”
“Unser Erlebnis rückt in den Vordergrund und ich sehe ihn deutlich vor mir, von seinem Orgasmus noch ganz benebelt. “
“Mein Freund und seine dunkelblauen Augen mit dem wissenden Glanz darin, seinen leicht welligen, dunkelblonden Haaren und dem so vertrauten Gesichtsausdruck, dass ich ihm ständig nahe sein will.”

Eigene Meinung:

Patrick kann den Unfalltod seines Mannes Manuel auch nach Monaten nicht verkraften, noch immer zieht ihn dieses Ereignis in eine nicht enden wollende Abwärtsspirale, durch die er monatelang von einer grauen Emotionslosigkeit begleitet wird. Erst nachdem er sich auf einen alten Bekannten einlässt und ein Zeuge eines Überfalls wird, gerät sein Leben ganz anders aus den Fugen und langsam kommen die Farben zurück. Freunde stehen ihm plötzlich zur Seite und er lernt neue Menschen kennen, die in ihm Gefühle wecken, von denen er dachte, sie würden nach Manuel nie wieder auftauchen. Aber kann er sich wieder auf einen anderen Mann einlassen, denn er möchte Manuel nicht verraten, nicht vergessen, nicht verlieren.

Authentisch, gefühlsnah, bewegend und emotional, das sind die ersten Worte, die mir bei diesem Werk in den Kopf kamen, als ich es beendet hatte. Man spürt während des Lesens, dass sich die Autorin ausführlich mit der Thematik auseinander gesetzt hat und ein Händchen dafür hat, die Erlebnisse realistisch darzustellen. Dies ist nicht mein erstes Werk von ihr, doch bisher habe ich sie nur in Zusammenarbeit mit einer anderen Autorin lesen dürfen und war schon da von den Geschichten gefesselt und freue mich nun umso mehr ein Werk ganz allein aus ihrer Feder gelesen zu haben. Bereut hab ich es definitiv nicht.

Wir erleben jegliche Facetten mit Patrick, die er während der Trauer und auch während der Verarbeitung dieser, an Emotionen empfindet. Man selbst empfindet die Farblosigkeit und bedrückende graue Leere, während man Patrick begleitet. Er hat den Tod seines Mannes nicht verkraftet und monatelang, in denen er immer weiter einer Abwärtsspirale an grauen Empfindungen durchlebt und hinabsinkt, er lebt nicht mehr, sondern fristet jeden Tag dahin und nimmt kaum noch etwas um sich herum wahr. Die Schmerzen über den Verlust sind so hoch, dass er sich einen Ausweg sucht, der größere Schmerzen verursacht und ihn endlich aus diesem Loch befreit. Doch nach anfänglichem Erfolg bricht das wackelige Kartenhaus wieder zusammen und er steht wieder vor den Trümmern seines Lebens. Erst die Begegnung mit einem alten Bekannten und ein Überfall auf einen Fremden, holen ihn langsam aus diesem heraus. Bei Patrick passiert keine Wunderheilung, nur weil er genau dieser einen Person begegnet ist, mit der er den Rest seines Lebens verbringen möchte. Er braucht dennoch seine Zeit, jede helfende Hand, die sich ihm bietet und Freunde, die es wagen, auch mal durchzugreifen und ihn nicht ständig mit Mitleid zu überhäufen. Gerade weil uns die Autorin diese realistischen Facetten bietet, hat mich diese Geschichte überzeugt. Mit einem einfachen Fingerschnippen löst sich die Trauer nicht in Luft auf und es benötigt mehr als nur den Fund einer vielleicht neuen Liebe. Es spielt viel mehr eine Rolle, zumal ganz andere Charaktere einen größeren Einfluss auf Patrick haben. Man erlebt jeden Schritt, den Patrick geht mit und die Autorion hat es so geschafft aus eigentlich “wenig” Inhalt viel zu machen und damit den Leser zu fesseln. Wir begleiten Patrick in allen Höhen und Tiefen, bei jedem Fall und jedes weitere Mal, wo er es schafft, sich wieder aufzurappeln. Letztendlich fließen sogar ein paar Tränen, weil man sich freut oder weil man mit Patrick mitfühlt und leidet.

Wir lesen jegliche Ereignisse aus Patricks Sicht, dennoch bekommen wir genügend Einblicke in die anderen Charaktere. Bennett aber auch Bill, Steffen, Björn und Hendrick hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Gerade Björn und Hendrick verfolgt man, wie diese beiden sich entwickeln und was mit ihnen passiert. Aber auch Bill und Steffen scheinen ganz außergewöhnliche Charaktere zu sein. In dem neuesten Buch wird es wohl um die beiden gehen, was ich mir definitiv nicht entgehen lassen werde. Steffen ist ein fürsorglicher Charakter, der eine unbewusste Stärke besitzt, die hin und wieder zum Vorschein kommt und Bill umgibt eine ganz eigene Aura. Da Bennett zwar schon früh auftaucht aber erst später eine entscheidende Rolle spielt, bleibt er beinahe am blassesten von allen Charakteren. Auch Manuel bekommt seinen Platz und wir erfahren ausreichend, was er für ein Mensch war und auch wenn man sich freut, dass Patrick sein Glück doch nochmal findet, fängt man selbst an Manuel zu vermissen und hätte ihn gerne noch viel mehr kennen gelernt.

Der Schreibstil ist ausführlich und gerade im Bezug auf Patricks Gefühlswelt umschreibend detailliert, wodurch das Buch seine stolze Länge erhält, doch weniger hätte es nicht sein dürfen. Für den ein oder anderen mag es zwar zu lang erscheinen , aber weil man gerade mal in allen Einzelheiten eine Trauerbewältigung erlebt, macht es das Buch nur umso realistischer und lesenswerter. Die erdrückende Stimmung, die anfänglich präsent ist, ist beim Lesen spürbar und man selbst erlebt mit Patrick zusammen, wie die Farben langsam zurückkehren. Patrick zieht einen in seinen ganz eigenen Bann und lässt einen bis zur letztehn Seite nicht mehr los.

Kritik:

Ich hätte gerne Patrick bei noch einigen mehr Therapiestunden begleitet, da dies eigentlich auch sehr wichtig ist, damit er über den ganzen Vorfall hinwegkommt. Welche Strategien soll er verfolgen, was sind seine Aufgaben, das wurde für mich persönlich zu kurz angeschnitten aber das kann auch Geschmackssache sein. Auch bin ich über die Tatsache gestolpert, dass sich Bennett nicht gerne fotografieren lässt, auch das wurde nicht genauer erklärt, sondern meiner Meinung nach nur grob behandelt.

Fazit:

“Das andere Ende der Brücke”  ist mein erstes von ihr allein verfasste Werk der Autorin und ich bereue es keinesfalls, es gelesen zu haben. Authentisch, charakternah, emotional, all das verbinde ich mit diesem Buch, mit dieser Geschichte rund um Patrick, der durch einen Unfall seinen Mann Manuel verloren hat und in eine graue Trostlosigkeit versinkt. Neue Freunde, alte Freunde, besondere neue Bekanntschaften und ein Unfall, bei dem Patrick Zeuge ist und sogar das Schlimmste verhindern konnte, bringen einen Strudel voller Farben in sein Leben und holen ihn aus dem Loch der Emotionslosig – und Gleichgültigkeit. Die Autorin hat sich ausführlich mit der Thematik Trauerbewältigung und Verlust eines geliebten Menschen auseinander gesetzt und zeigt nicht nur die schönen sondern auch die Schattenseiten. Außerdem hat sie mich vor allem dadurch überzeugt, dass die Begegnung mit einer eventuell neuen Liebe nicht gleich eine Wunderheilung bewirkt, sondern der Mensch trotz allem noch immer seine Zeit benötigt. Patricks größte Angst ist es nämlich, Manuel nicht gerecht zu werden, ihn gar zu vergessen, wodurch er immer wieder zögert. Aber geht es nicht jedem so? Und wie schwer ist es, einen neuem Menschen einen Platz in seinem Herzen zu geben, der eigentlich für jemand anderes bestimmt ist? Hilfe von außerhalb, die Kraft der eigenen Person aber auch Freunde, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen, auch mal durchgreifen, wenn etwas das Beste für einen ist und die neue Liebe, all das spielt eine große Rolle um dem tristen Grau zu entkommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.